WERBUNG

Ein Drittel des Einkommens für Kranken- und Pflegeversicherung?

25.9.2018 – Nach einer Prognose der Deutschen Aktuarvereinigung steigen die Beiträge der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bis zum Jahr 2060 auf bis zu 25 beziehungsweise 8,5 Prozent; die Beiträge zur PKV könnten sich mehr als verdoppeln und zur privaten Pflege-Pflichtversicherung mehr als vervierfachen.

WERBUNG

Die Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) hat die Beiträge der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung (GKV und PKV) sowie der gesetzlichen Pflege-Pflichtversicherung (GPV) bis zum Jahr 2060 hochgerechnet.

Beitragssatz der Pflegeversicherung bis 8,5 Prozent

Besonders betroffen ist danach die Pflegeversicherung. In der gesetzlichen Pflegeversicherung (GPV) beträgt der Beitragssatz derzeit 2,55 Prozent für Eltern und 2,80 Prozent für Kinderlose. Er steigt ab 2019 voraussichtlich auf 3,05 beziehungsweise 3,3 Prozent (VersicherungsJournal 10.9.2018).

Ohne Berücksichtigung möglicher Leistungsausweitungen sei mit einem Ansteigen des Beitragssatzes auf bis zu 8,5 Prozent im Jahr 2060 zu rechnen. Je nach den Annahmen, die der Hochrechnung zugrunde gelegt werden, sei aber auch ein Satz unter fünf Prozent möglich.

Entwicklung GPV (Bild: DAV)

Zu den Variablen der Kalkulation gehören nach Angaben der Versicherungs-Mathematiker der demografische Wandel, steigende Kosten durch den medizinisch-technischen Fortschritt und vor allen die sogenannte strukturelle Einnahmeschwäche. Darunter sei zu verstehen, dass die Ausgaben für die Sozialversicherung ähnlich steigen wie das Bruttoinlandsprodukt, während sich die Einnahmen langsamer als das Bruttoinlandsprodukt erhöhen.

Private Pflege-Pflichtversicherung bis viereinhalb Mal so teuer

Die Kosten für die private Pflege-Pflichtversicherung (PPV) könnten nach der Hochrechnung der DAV im Vergleich zu 2015 bis 2060 inflationsbereinigt bis zum Viereinhalbfachen steigen.

Hierbei müsse berücksichtigt werden, dass der Monatsbeitrag mit durchschnittlich 30 Euro unter dem Höchstbeitrag von 123,90 Euro für Kinderlose in der gesetzlichen Pflegeversicherung liege.

Als Preistreiber werden hier der demografische Wandel und der medizinisch-technische Fortschritt genannt.

Entwicklung PPV (Bild: DAV)

Beitragssatz der GKV bis 25 Prozent

Der Betragssatz der GKV könnte nach den Schätzungen der Aktuare von derzeit 15,6 Prozent auf knapp 25 Prozent im Jahr 2060 steigen.

In den letzten zehn Jahren hatten sich die Leistungsausgaben der Krankenkassen bereits stärker erhöht als das Bruttoinlandsprodukt. Die Entwicklung der Einkommen wurde deutlich übertroffen.

Entwicklung GKV-Ausgaben (Bild: DAV)

Beitrag der privaten Krankenversicherung mehr als verdoppelt

Für die private Krankenversicherung rechnen die Aktuare mit einer durchschnittlichen inflationsbereinigten Verteuerung bis 2060 auf das 2,4- bis 2,7-fache Niveau im Vergleich zu 2015. Je nach Szenario kann bis zum 4,5-Fachen erreicht werden.

Zu den Variablen der Kalkulation gehören die Entwicklung der Kosten, der Zinsen und der Inflation. Als positiv wird hervorgehoben, dass die PKV durch die Alterungsrückstellung Vorsorge gegen steigende Kosten betreibe, die die GKV nicht bieten könne.

Dennoch warnte Dr. Karl-Josef Bierth, DAV-Vorstandsmitglied und Leiter des DAV-Ausschusses Krankenversicherung: „In Anbetracht der in der öffentlichen Wahrnehmung vielfach unterschätzten Bedeutung des medizinisch-technischen Fortschritts als Kostentreiber sollte jede Möglichkeit ergriffen werden, die Effizienz des Gesundheitssystems zu steigern.“

Erheblich Kosten einsparen ließe sich durch den Ausbau der Telemedizin oder der Einführung einer digitalen Gesundheitskarte. Darüber hinaus sollten Ansätze zum gesunden und selbstständigen Altern unterstützt werden, fordert der DAV. Auch müsse jede Leistungserweiterung, insbesondere in der sozialen wie privaten Pflege-Pflichtversicherung, kritisch auf ihre künftige Bezahlbarkeit geprüft werden.

Leserbriefe zum Artikel:

+Thomas Kunkel - Es muss über Leistungseinschränkungen diskutiert werden. mehr ...

Thomas Oelmann - Ein ganzes System bräche zusammen. mehr ...

+Thomas Kunkel - Es muss über Leistungseinschränkungen diskutiert werden. mehr ...

Peter Schramm - Für Überlegungen zu Leistungs-Einschränkungen bleibt kein Raum. mehr ...

Roland Schmidt - Wettbewerb über den Preis ist ein unlauterer Wettbewerb. mehr ...

Peter Schramm - Unlauteren Wettbewerb kann es nicht geben. mehr ...

+Thomas Kunkel - Es muss über Leistungseinschränkungen diskutiert werden. mehr ...

Oliver Henkel - Nicht mit dem regelrechten „Verenden” von Menschen bezahlen. mehr ...

 
WERBUNG
WERBUNG
Treffen Sie das VersicherungsJournal...

... auf der DKM in Halle 4 am Stand A08.

Wir freuen uns schon auf Ihren Besuch und zahlreiche interessante Gespräche.

Freikarten erhalten Sie hier.

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wenn der Umweg statt zur Arbeit vors Gericht führt

Wegeunfälle sind oft Anlass für einen Streit mit der Berufsgenossenschaft. Dann entscheiden Richter über die Versicherungsleistung.

Über aktuelle Urteile und Lücken im gesetzlichen Unfallschutz berichtet ein neues Dossier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
26.9.2018 – Wer als Vermittler das Schicksal seines Kunden ernst nimmt, kann am Thema Pflege nicht vorbeigehen, schreibt Dr. Knud Hell in seinem Gastbeitrag. Der Vertriebsspezialist zeigt, wie sich der Beratungsbedarf gesteigert hat und der Vermittler zur Vorsorge beitragen kann. (Bild: privat) mehr ...
 
4.1.2016 – Welche Mehrbelastungen und Entlastungen für die Mitglieder Sozialversicherung sowie für Steuerzahler und Eltern am Jahresanfang in Kraft getreten sind. mehr ...
 
8.11.2013 – Der PKV-Verband erhofft sich von der neuen Bundesregierung ein ganzes Bündel von Einzelmaßnahmen, die die Position der PKV stärken würden. Die Branche selbst sieht sich in einem Reformprozess. (Bild: Brüss) mehr ...
 
5.6.2012 – Die drei Parteivorsitzenden der Regierungskoalition von CDU, CSU und FDP haben sich gestern bei ihrem Spitzengespräch auf die Einführung einer staatlich geförderten Pflegezusatz-Versicherung verständigt. Schon morgen soll das Kabinett Nägel mit Köpfen machen. mehr ...
 
26.9.2011 – Wo die Zukunftsthemen für die Assekuranz liegen, wieso Versicherer ihre Kapitalanlagen nicht nur Krisenzeiten selber managen und warum wir bereits eine Bürgerversicherung haben, das waren Fragen einer Fachveranstaltung in Stuttgart. mehr ...
 
8.8.2011 – Die Einführung einer kapitalgedeckten Pflegezusatz-Versicherung darf nach Ansicht von jungen Abgeordneten von CDU und CSU nicht auf die lange Bank geschoben werden. Ein entsprechendes Manifest fand den Beifall in der FDP und PKV. mehr ...
 
11.10.2018 – Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die Beitragssatzerhöhung in der Pflegeversicherung und die Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung beschlossen. Wie sich dies auf die Beitragslast auswirkt. (Bild: Maximilian König) mehr ...