Dramatisches Ende eines Grillabends

8.3.2019 – Wer eine brennbare Flüssigkeit in einen bereits entfachten Grill sprüht, ist in der Regel allein für eine dadurch verursachte Brandverletzung eines Dritten verantwortlich. Das hat das Landgericht Dessau-Roßlau mit Urteil vom 28. Dezember 2018 entschieden (2 O 147/18).

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Geklagt hat ein gesetzlicher Krankenversicherer. Er verlangte von dem Beklagten, Heilbehandlungskosten und Krankentagegeld-Zahlungen in Höhe von insgesamt rund 21.000 Euro, die der Krankenversicherer für eine Versicherte erbracht hatte, zu erstatten.

Starke Brandverletzungen

Die Versicherungsnehmerin des Krankenversicherers war Mitte Juni 2015 von dem Beklagten zu einem Grillabend eingeladen worden. Als sie zu dem Fest erschien, war der Grill bereits entfacht.

Um die glühenden Grillkohle noch weiter zu entfachen, griff der Beklagte kurz darauf zu einer Plastikflasche, in welcher sich flüssiger Grillanzünder befand. Den sprühte er in den Grill.

Die Aktion hatte er zuvor angekündigt und die Versicherte der Klägerin hatte sich ein Stück weit von dem Grill entfernt. Es kam jedoch zu einer so erheblichen Flammenbildung, dass deren Kunstfaserkleidung in Brand geriet. Dabei erlitt die Frau starke Brandverletzungen. Sie musste mit Hilfe eines Hubschraubers in eine Leipziger Klinik gebracht werden und sich dort mehrerer Hauttransplantationen unterziehen.

Nicht verantwortlich?

Der Beklagte hielt sich nicht für den Vorfall verantwortlich. Er behauptete, dass es zu dem bedauerlichen Vorfall vor allem deswegen gekommen sei, weil die Verletzte trotz seiner Warnung zu nah am dem Grill gestanden habe. Sie müsse sich daher auf jeden Fall ein hälftiges Mitverschulden anrechnen lassen.

Doch dem wollten sich die Richter des Landgerichts Dessau-Roßlau nicht anschließen. Sie hielten die Regressforderung des Krankenversicherers in vollem Umfang für begründet.

Sache des Beklagten

Nach Ansicht des Gerichts hat der Beklagte fahrlässig die Gesundheit der Versicherten verletzt, indem er flüssigen Grillanzünder auf die bereits glühende Grillkohle sprühte. Denn dass es bei einer derartigen Verwendung von flüssigen Brennhilfen zu Verpuffungen und Stichflammen kommen könne, ergebe sich aus den deutlichen Warnhinweisen auf jeder Grillanzünderflasche. Im Übrigen würde auch in den Medien regelmäßig über derartige Unfälle berichtet.

Darauf, dass sich die Verletzte möglicherweise nicht schnell und weit genug von dem Grill entfernt hatte, kommt es für die Beurteilung der Schuldfrage nach Meinung der Richter nicht an. Denn es sei grundsätzlich Sache des Beklagten gewesen, eine derart gefährliche Handlung zu unterlassen, solange sich noch Personen im Bereich des Grills befanden.

Kein Mitverschulden

„Wenn er dennoch meinte, den Grillanzünder in der ungeeigneten Situation durch unsachgemäße Handhabung benutzen zu müssen, war es allein seine Pflicht, sich von einem hinreichend Sicherheitsabstand der in der Nähe befindlichen Personen zu vergewissern“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Der Verletzten könne kein Mitverschulden angelastet werden. Denn eine mögliche Pflichtverletzung trete hinter dem schweren Verschulden des Beklagten, welches den Grad der groben Fahrlässigkeit erreiche, vollständig zurück. Der Beklagte sei daher zum Ersatz sämtlicher Aufwendungen des klagenden Krankenversicherers verpflichtet.

 
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