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Das sind die Rechtsschutzversicherer mit den höchsten Beschwerdequoten

26.6.2024 – In der Rechtsschutzversicherung hat die Bafin 2023 mit 361 Beschwerden 4,5 Prozent weniger abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Im Schnitt war es nicht einmal eine Reklamation pro 100.000 versicherte Risiken. Auf die höchsten Beschwerdequoten kam die Arag SE (fast fünf Beanstandungen pro 100.000 versicherte Risiken). Die Branchengrößen schnitten mehrheitlich schlechter als der Markt ab.

Im Jahr 2023 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in der Rechtsschutzversicherung 361 Beschwerden abschließend bearbeitet. Das ist der aktuellen, Anfang Juni veröffentlichten Beschwerdestatistik der Aufsicht zu entnehmen.

Wie in der Wohngebäude- (VersicherungsJournal 4.6.2024), der Haftpflicht- (12.6.2024) und der privaten Krankenversicherung (PKV) (6.6.2024) war auch in Rechtsschutz ein Rückgang zu beobachten. Dieser betrug 17 Stück beziehungsweise 4,5 Prozent. In der Kraftfahrt- (3.6.2024) und Lebensversicherung (17.6.2024) ist das Reklamationsaufkommen hingegen deutlich gestiegen.

Entwicklung (Bild: Wichert)

Nach der vierten Verminderung in Folge wurde der Tiefstwert aus dem Vorjahr (30.5.2023) noch einmal unterboten. Der Höchststand auf 16-Jahressicht wurde mit über 900 bearbeiteten Eingaben im Jahr 2008 erreicht.

Verschwindend geringe Beschwerdequote in Rechtsschutz

Die Beschwerdequote liegt mit erneut unter einer Beanstandung pro 100.000 Verträge weiterhin auf verschwindend niedrigem Niveau. Sie ergibt sich aus den Reklamationen in Relation zum Bestand an versicherten Risiken von etwa 42,13 Millionen zum Jahresende 2022.

Selbst wenn man noch die 2.637 Beschwerden beim Versicherungsombudsmann e.V. (15.5.2024) hinzurechnet, ändert sich daran nichts. Denn selbst dann blieben immer noch fast 99.993 von 100.000 Verträgen beschwerdefrei.

Die Rechtsschutzversicherer mit den höchsten Quoten

Insgesamt werden in der Beschwerdestatistik 31 (2022: 33) Rechtsschutzversicherer aufgeführt. Unter den aufgelisteten Gesellschaften mit einem Vertragsbestand von mehr als 100.000 errechnen sich für insgesamt sechs Anbieter Werte von über zwei Beanstandungen pro 100.000 versicherte Risiken.

Die höchste Quote verzeichnete mit fast vier Beschwerden pro 100.000 versicherte Risiken die Arag SE (90 Eingaben bei einem Bestand von etwa 1,8 Millionen). Jeweils eine Drei vor dem Komma steht bei der Auxilia Rechtsschutz-Versicherungs-AG (24 zu 669.400) sowie bei der Badische Rechtsschutz-Versicherung AG (fünf zu 159.700).

Zwischen 2,8 und 2,0 liegen die Beschwerdequoten bei der Itzehoer Versicherung/Brandgilde von 1691 VVaG (zehn zu 356.800), der Advocard Rechtsschutzversicherung AG (29 zu 1,41 Millionen) und der Deurag Deutsche Rechtsschutz-Versicherung AG (23 zu 1,12 Millionen).

Hohe Beschwerdequote (Bild: Wichert)

Zum Teil deutliche Veränderungen

Die Arag wies bereits im Vorjahr mit einer Vier vor dem Komma die branchenweit höchste Beschwerdequote auf. Die Zahl der Eingaben, die bereits im Vorjahr deutlich von 55 auf 78 Stück gestiegen war, erhöhte sich noch einmal um zwölf Reklamationen. Leichte Steigerungen gab es bei der Advocard, der Auxilia und der Itzehoer.

Keine einzige Beanstandung hat die Aufsicht im Berichtsjahr über die Mecklenburgische Versicherungsgesellschaft a.G. abschließend bearbeiten müssen. Im Vorjahr hatte für das Unternehmen noch die zweithöchste Beschwerdequote von 4,3 zu Buche gestanden.

Ein deutlich geringeres Beschwerdeaufkommen war bei der Neue Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG (NRV) zu beobachten. Die Zahl der Eingaben ging von zehn auf drei zurück, wodurch sich die Quote von 2,6 auf unter 0,8 verbesserte.

So schlugen sich die Branchengrößen

Von den zehn größten Gesellschaften mit mehr als einer Million versicherten Risiken (7.2.2023) schnitt eine Minderheit von vier besser als der Branchendurchschnitt (0,9) ab. Der niedrigste Wert errechnet sich für die ADAC Versicherung AG mit nicht einmal 0,2 (20 Eingaben bei einem Bestand von etwa 10,75 Millionen).

Unter eins blieben ansonsten nur noch die Huk-Coburg-Rechtsschutz-Versicherung AG (elf Beschwerden bei 1,9 Millionen Risiken), die Ergo Versicherung AG (15 zu annähernd zwei Millionen) und die Allianz Versicherungs-AG (20 zu über 2,6 Millionen).

Etwas schlechter als in der Branche lief es für die die Örag Rechtsschutzversicherungs-AG (26 zu über 2,1 Millionen). Quoten zwischen 1,5 und etwas über zwei verzeichneten die Roland Rechtsschutz-Versicherungs-AG (25 zu 1,72 Millionen), die DEVK Rechtsschutz-Versicherungs-AG (22 zu 1,24 Millionen) und, wie oben beschrieben, die Deurag und die Advocard. Die höchste Quote stand für die Arag zu Buche.

Branchengrößen (Bild: Wichert)

Nachteil für wachstumsstarke Versicherer

Seit rund einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungsunternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt den Angaben zufolge eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.

Die Zahlen sollen „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Aufsicht. Die Behörde weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, geben die Daten nicht her.

Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.

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