11.10.2019 (€) – Die schlechteste Schadenbilanz unter den deutschen Großstädten hat in der Kfz-Haftpflicht- wie auch in der Voll- und Teilkaskoversicherung die Bundeshauptstadt Berlin. Am besten sieht es jeweils in Münster (Westfalen) aus. Dies zeigen Detaildaten aus der neuen Regionalstatistik des GDV.
Ende August hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) die neue Regionalstatistik für 2019 veröffentlicht (VersicherungsJournal 30.8.2019). Basis für die Einstufung ist ein versicherungs-mathematisch berechneter Indexwert, der die Schadenbilanzen für die über 400 Zulassungsbezirke in Deutschland wiedergibt.
| Quelle: GDV |
| Ein unabhängiger Treuhänder überprüft jedes Jahr die Schadenverläufe der regionalen Zulassungsbezirke. Auf dieser Basis wird eine Neueinstufung in die Regionalklassen vorgenommen, die für die Versicherungs-Unternehmen unverbindlich ist und für Neuverträge und für bestehende Verträge zur Hauptfälligkeit angewendet werden kann. In der Regel ist dies der 1. Januar, so der GDV. Die Regionalklassen werden unter anderem beeinflusst vom Fahrverhalten der Autofahrer, von der Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge, den örtlichen Straßenverhältnissen, der Schadenhäufigkeit sowie der durchschnittlichen Schadenhöhe. In Kasko werden darüber hinaus örtliche Besonderheiten (wie etwa Diebstahlhäufigkeit, Sturm- und Hagelschäden oder Anzahl der Wildunfälle) berücksichtigt. Entscheidend ist dabei laut Versichererverband nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat. Zwölf Regionalklassen gibt es für die Kfz-Haftpflicht, 16 für die Teilkasko- und neun für die Vollkaskoversicherung. |
Kfz-Haftpflicht: Berlin an der Spitze
In den deutschen Metropolen mit mehr als 300.000 Einwohnern gibt es riesige Unterschiede, was die Schadenbilanz betrifft. Im Bereich Kfz-Haftpflicht kommt der abermalige „Spitzenreiter“ Berlin (17.9.2018) auf einen Schadenindex von fast 135, was auch bundesweit den Höchstwert bedeutet.
Dahinter folgen die Hansestadt Hamburg, die beiden bayerischen Großstädten München und Nürnberg sowie die nordrhein-westfälische Metropole Essen mit Indexwerten zwischen 128 und fast 124. Diese Städte sind jeweils in die höchste Regionalklasse zwölf eingestuft.
Münster mit der besten Schadenbilanz
Am seltensten kracht es hingegen in Münster (Westfalen). Dort liegt der Indexwert nur bei 91, was der Regionalklasse drei entspricht. Ebenfalls vergleichsweise gute Schadenbilanzen sind in der Hansestadt Bremen, in der früheren Bundeshauptstadt Bonn und in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart zu beobachten.
Die Werte liegen dort zwischen rund 103 und etwa 107, was den Regionalklassen sieben (Bremen) beziehungsweise acht entspricht.
Angeführt vom Kreis Uckermark in Brandenburg mit einem Schadenindex von 68 werden bundesweit insgesamt 37 Zulassungsbezirke in die niedrigste Regionalklasse eins eingestuft. Der Bundesdurchschnitt 100 entspricht in der Kfz-Haftpflichtversicherung den Angaben des Versichererverbands zufolge der Regionalklasse sechs.
Vollkasko: Berlin mit der schlechtesten Schadenbilanz
In Vollkasko wird die Bundeshauptstadt mit einem Schadenindex von über 140 – dies entspricht übrigens auch bundesweit dem Höchstwert – als einzige der 22 deutschen Metropolen in die höchste Regionalklasse neun eingestuft. Dahinter folgen Hamburg (Regionalklasse acht) sowie Leipzig und Köln (Regionalklasse sieben) mit Indexwerten zwischen über 120 und knapp 113.
Den niedrigsten Schadenindex gibt es auch in Vollkasko in Münster (knapp 84 – Regionalklasse eins). Dahinter folgt Bielefeld mit einem Schadenindex von etwas über 88, was der Regionalklasse zwei entspricht. Schadenindizes von jeweils um die 100 werden für Nürnberg, Duisburg, die Hansestadt Bremen und Bochum (jeweils Regionalklasse vier) ausgewiesen.
Zum Vergleich: Der bundesweit niedrigste Indexwert (etwa 77) steht für den Zulassungsbezirk Wesermarsch in Brake zu Buche, der zusammen mit 37 weiteren Bezirken in die Regionalklasse eins eingestuft wird. In Vollkasko entspricht der Bundesdurchschnitt 100 laut GDV der Regionalklasse vier.
Teilkasko: Münster und Bochum mit der besten Schadenbilanz
Mit einem Schadenindex von fast 140 wird Berlin in der Teilkaskoversicherung in die Regionalklasse elf eingestuft. Dahinter folgen die Rhein-Metropole Köln und die sächsische Großstadt Leipzig mit Indexwerten von um die 117, was jeweils der Regionalklasse neun entspricht.
Die beste Schadenbilanz haben den GDV-Daten zufolge die nordrhein-westfälischen Metropolen Münster (Regionalklasse eins), Bielefeld (Klasse zwei) sowie Nürnberg und Frankfurt am Main (jeweils Regionalklasse drei) zu verzeichnen. Die Indexwerte liegen zwischen rund 63 und etwa 76.
In Teilkasko wird der bayerische Bezirk Ostallgäu mit dem bundesweit höchsten Schadenindex von über 200 in die Regionalklasse 14 eingestuft. Den niedrigsten Wert von 54 hatte der Zulassungsbezirk Bamberg zu verzeichnen. Der Bundesdurchschnitt 100 entspricht in Teilkasko der Regionalklasse sieben.
Die Einstufungen der einzelnen Regionalklassen können auf dieser Internetseite abgefragt werden.
Zahlreiche Tarifmerkmale
Wie der GDV weiter erläutert, „lässt sich über eine Veränderung bei der Regionalklasse keine Aussage über die Entwicklung des gesamten Kfz-Versicherungsbeitrages treffen“, da es noch diverse weitere Tarifmerkmale gibt. Diese können sich von Versicherer zu Versicherer zum Teil erheblich unterscheiden.
Generell wirke es sich aber umso günstiger auf den Versicherungsbeitrag aus, je besser die Schadenbilanz und damit die Einstufung in die Regionalklasse sei, erläutert der Versichererverband weiter.
Dass allein das Tarifmerkmal Wohnort im Extremfall zu einer erheblichen Preisdifferenz beim Kfz-Versicherungsbeitrag führen kann, hat der Versicherungsmakler Check24 Vergleichsportal GmbH in einer Beispielrechnung herausgefunden (30.8.2019).
Dieses Tarifmerkmal hält der Leser Rainer Weckbacher „für einen Vergleich total ungeeignet.“ Aufgrund der Indexierung entzögen sich die Regional- wie auch die Typklasse vollkommen der Einflussnahme durch den Kunden. „Einzig und allein die Beitragsdifferenz zu anderen Versicherern ist für einen Kunden wichtig“, so Weckbacher in seinem Leserbrief.
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