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400.000 Euro Schmerzensgeld für Unfallopfer

11.2.2020 – Auch wenn es den Anschein hat, dass ein Unfallgeschädigter seine Verletzungen weit überwiegend mitverschuldet hat, reicht dies nicht aus, um ihm Schadenersatz sowie Schmerzensgeldes verweigern zu können. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Frankenthal vom 10. Januar 2020 hervor (4 O 494/15).

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Der Entscheidung lag der Fall eines jungen Mannes zugrunde, der als Beifahrer im Auto eines betrunkenen Fahrers schwer verletzt worden war. Dieser war früh morgens mit seinem Auto von der Straße abgekommen. Sein Blutalkoholgehalt betrug zu diesem Zeitpunkt 1,1 Promille.

Gemeinsames „Vorglühen“ vor Unfallfahrt

Die beiden Männer hatten sich zu Beginn des Abends zum gemeinsamen „Vorglühen“ getroffen. Daher unterstellte der Kfz-Haftpflichtversicherer des Fahrers des Unfallfahrzeugs, der Verletzte habe gewusst, dass er sich zu einem betrunkenen Fahrzeugführer ins Auto setzte.

Angesichts der Schwere der Verletzungen – das Unfallopfer hatte unter anderem eine Querschnittslähmung erlitten – ging der Versicherer ferner davon aus, dass der Mann zum Zeitpunkt des Unfalls nicht angeschnallt war. Er habe sich die schwerwiegenden Folgen des Unfalls daher selbst zuzuschreiben.

Fehlender Nachweis

Dem wollten sich die Richter des Frankenthaler Landgerichts nicht anschließen. Sie gaben der Schadenersatz- und Schmerzensgeldklage des Verletzten statt.

Nach der Einholung eines Sachverständigen-Gutachtens hielt es das Gericht für nicht erwiesen, dass der Kläger tatsächlich nicht angeschnallt war. Auch die Tatsache, dass er sich zu Beginn des Abends mit dem Unfallverursacher zum „Vorglühen“ getroffen hatte, war für die Richter kein Indiz dafür, dass die beiden Männer die restlichen Stunden bis zum Unfall gemeinsam verbracht hatten.

Zeugen vernommen

Der Kläger habe folglich nicht zwingend wissen können, dass er sich etliche Stunden später gegen vier Uhr morgens als Beifahrer zu einem betrunkenen Fahrer ins Auto setzte. Das habe auch nach der Vernehmung einer Vielzahl von Zeugen nicht nachgewiesen werden können.

Nachdem der Kläger inzwischen auch psychisch erheblich unter den Folgen des Unfalls leidet und in einem Pflegeheim leben muss, hielt es die Richter für angemessen, ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro zuzusprechen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung · Schadenersatz · Schmerzensgeld
 
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