Neue Riester-Police wird bald der Politik vorgestellt

18.5.2018 – Die Branche arbeitet an einer Standard-Riester-Police, die in Kürze der Bundesregierung vorgestellt werden soll. Das Produkt soll einfacher und flexibler werden. Gleichzeitig geht die Branche davon aus, dass es keinen Provisionsdeckel für den Vertrieb von Lebensversicherungen geben wird. So die Einschätzung des Managements der Ergo Deutschland AG anlässlich eines Pressegesprächs.

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„Riester ist für etliche Bevölkerungsgruppen ein gutes Produkt. Wir müssen aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessern und Riester einfacher und flexibler gestalten“, sagte Dr. Dr. Michael Fauser, Mitglied des Vorstands der Ergo Deutschland AG, am Mittwochabend im Rahmen eines Pressegesprächs.

Fauser, der bei der Ergo verantwortlich für die Lebensversicherung ist, steht auch einem Arbeitskreis des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) vor, der derzeit eine neue Riester-Police entwickelt.

Flexiblere Garantie

Das Standardprodukt soll vor der Sommerpause der Bundesregierung vorgestellt werden. Laut Fauser soll es hinsichtlich der Garantie deutlich mehr Flexibilität geben. Die bisher vorgeschriebene Bruttobeitragsgarantie würde die Kunden einengen. Es sei nicht Aufgabe des Staates, ein Garantieniveau vorzuschreiben.

Daher geht Fauser davon aus, dass künftig die Kunden auch bei Riester wählen können, ob und in welcher Höhe sie eine Garantie haben möchten. Immerhin habe der Staat mit der neuen Betriebsrente nach dem Sozialpartnermodell ja selbst schon ein Produkt entwickelt, dass ganz ohne Garantien auskommt (VersicherungsJournal 24.11.2017).

Deutlich vereinfachen will die Branche das Zulagensystem. Künftig sollen die Kunden nicht mehr fürchten müssen, dass sie später Zulagen zurückzahlen müssen.

Neues Ergo-Produkt in zwei Jahren

Die Ergo wird auch in Zukunft Riester-Policen anbieten. Ein neues Riester-Produkt will der Versicherer in zwei Jahren vorstellen. „Ob der GDV-Vorschlag zur Riester-Police von der Politik angenommen wird und wie die Branche insgesamt reagiert, ist aber noch offen“, sagte Fauser.

Der Mathematiker, der auch Mitglied der Deutsche Aktuarvereinigung e.V. ist, geht davon aus, dass das Produkt trotz massiver Kritik an Lebensversicherungen in der Öffentlichkeit weiterhin einen wichtigen Stellenwert in der Altersvorsorge einnehmen wird. Mit keinem anderen Sparprodukt könne eine lebenslange Rente garantiert werden. Zudem könne mit Sparen im Kollektiv immer noch eine gute Rendite erwirtschaftet werden.

Michael Fauser (Bild: Schmidt-Kasparek)
Michael Fauser (Bild: Schmidt-Kasparek)

Kein Provisionsdeckel erwartet

Laut Fauser gibt es in der Branche keine Diskussion darüber, dass ein Provisionsdeckel für die Vermittler eingeführt werden soll. In der Praxis sei eine solche Regelung, die nach Vorstellung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) auch Ausnahmen vorsehen soll, sehr kompliziert.

So lasse sich die Qualität von Vermittlern nur schwer messen, wenn diese neu für einen Versicherer tätig würden. Beim Vertrieb will die Ergo selbst künftig deutlich stärker auf Versicherungsmakler setzen. Während heute noch der Löwenanteil des Neugeschäftes von der Ausschließlichkeit eingefahren wird, zielt der Versicherer darauf, den Makleranteil auf das gleiche Niveau zu erhöhen. Welchen Anteil die Versicherungsmakler aktuell an der Vermittlung von Ergo-Vorsorgeverträgen haben, verriet der Manager nicht.

Erweiterung der Produktpalette

Daher plant die Ergo für die nächsten Jahre eine umfassende Erweiterung der Produktpalette. Fauser geht davon aus, dass die Lebenserwartung in Deutschland auch in den nächsten Jahren steigen wird. Während beispielsweise die USA und Großbritannien mit schlechter Ernährung und Fettleibigkeit sowie mit einem schlechten Gesundheitssystem zu kämpfen hätten, sei Deutschland in diesen Bereichen „komfortabel“ aufgestellt.

Der Ergo-Manager erwartet, dass es auch künftig viele Lebensversicherungs-Bestände geben wird, die in den Run-off gehen. Fauser fordert, dass man in Deutschland solche Geschäftsentscheidungen, die in der Regel aufgrund von Skaleneffekten durch größere Bestände nur positiv für die Kunden seien, viel objektiver betrachtet.

In den USA seien Bestandsverkäufe schon seit Jahrzehnten ganz normal. „Schon wer kein klassisches Geschäft mehr anbietet, befindet sich mit diesem Teil seines Bestandes im Run-off“, erläuterte der Ergo-Vorstand. Alternativ könnten Bestände lediglich selbst oder von Dritten verwaltet werden.

Plattform biete Geschäftspotenzial

Die Ergo habe sich für eine Zusammenführung der klassischen Bestände der Victoria Lebensversicherung AG und Ergo Lebensversicherung AG in Kooperation mit IBM Deutschland GmbH entschieden (VersicherungsJournal 22.2.2018).

Die Migration der Bestände auf eine Plattform werde aber „einige“ Jahre in Anspruch nehmen. Dann werde die Ergo auch anderen Lebensversicherern anbieten, klassische Bestände auf dieser Plattform verwalten zu lassen. Fauser sieht hier ein großes Geschäftspotenzial.

Wer seine Bestände lediglich von Dritten verwalten lässt, bekomme deutlich „weniger öffentliche Kritik“, als wenn er sie verkaufe, so die Einschätzung des Managers.

 
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