28.4.2016 (€) – Die Mylife Lebensversicherung muss sich neu orientieren, weil das Restschuld-Geschäft weggebrochen ist. Die Gesellschaft möchte künftig beim Run-off in der Lebensversicherung eine größere Rolle spielen, wenn auch nur als Nischenanbieter. Hier ist man laut Vorstandschef Michael Dreibrodt in Gesprächen für weitere Übernahmen. In Sachen Digitalisierung sieht der die Mylife gut aufgestellt.
Ambitioniert will die Mylife Lebensversicherung AG künftig ins Run-off Geschäft einsteigen. „Wir bieten anderen Lebensversicherern an, Bestände zu verwalten oder vollkommen zu führen“, sagte Vorstandschef Michael Dreibrodt anlässlich eines Pressegesprächs in Göttingen.

- Michael Dreibrodt (Bild: Mylife)
Die Erweiterung des Geschäftsmodells sei mit dem Eigentümer von Mylife, der Augur Financial Holding Sechs GmbH & Co. KG (VersicherungsJournal 4.10.2011), abgesprochen. Das Unternehmen werde Mylife vor allem für Bestandsübernahmen „ausreichend“ Kapital zur Verfügung stellen.
„Wir sind an kleinen und mittleren Beständen interessiert“, so Dreibrodt. Mylife hat bereits einen Policen-Bestand der Münchener Verein Versicherungsgruppe übernommen und mit diesem „Pilotprojekt“ Erfahrungen gesammelt (VersicherungsJournal 1.3.2016).
In Gesprächen für weitere Übernahmen
„Derzeit sind wir in Gesprächen für weitere Übernahmen“, sagte Dreibrodt – ohne konkrete Unternehmen zu nennen. Eine frühzeitige Bekanntgabe von Bestandsabwicklungen sei dem Geschäft und dem Image der Lebensversicherung extrem abträglich. „Es ist nicht sinnvoll, wenn die Lebensversicherung täglich zu Grabe getragen wird“, so der Mylife-Vorstandschef.
Öffentlich wird eine Bestandsübernahme auf jeden Fall, wenn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) darüber berichtet. Dies geschieht relativ regelmäßig in den monatlich erscheinenden Bafin-Journalen (VersicherungsJournal 30.3.2016).
„Der Druck und die Anlässe, Bestände abzugeben, werden in Zukunft deutlich wachsen“, prophezeite Dreibrodt. Gleichzeitig werde die Zahl der Run-off-Spezialisten klein bleiben. Sie müssten hochprofessionell organisiert sein und zu sehr individuellen Lösungen befähigt sein.
Mylife bietet Unternehmen mit „problematischen Beständen“ auch an, diese lediglich IT-technisch sowie mit entsprechendem Kundenservice zu betreuen. „Es kann gute Gründe geben, Bestände nicht aus der Bilanz zu nehmen“, bemerkte der Mylife-Vorstandschef.
Digital gewappnet
Gute aufgestellt ist der Versicherer laut einer Analyse von Professor Dr. Christian Kruse. „Nicht nur die EDV-Architektur von Mylife ist offen und flexibel, dass gilt auch für das Team“, stellte der IT-Wissenschaftler von der Westfälische Hochschule aus Bocholt fest.
Die Suche nach einer nutzwertigen neuen digitalen Geschäftsidee gestaltet sich hingegen schwierig. Denn Mylife will vor allem das Hauptstandbein forcieren, den Verkauf von provisionsfreien Rentenversicherungen.
Hier sieht sich die Gesellschaft mit Angeboten wie „Tablet World“ für Honorarberater, „MyInfo Point“ für Berater und Endkunden sowie mit „MyLife direkt“ nur für Endkunden bereits gut aufgestellt.
„Die Digitalisierung bringt uns immer stärker weg vom Bedingungswettbewerb zum Bedienungswettbewerb“, so Dreibrodt. Doch eine zündende Idee für den kontinuierlichen digitalen Nutzwert der Altersvorsorge für jedermann stehe noch aus. Der Manager geht aber davon aus, dass die Zukunft vor allem in Kooperationen liegt.
Hohes Storno bei Restschuld systemimmanent
Im herkömmlichen Geschäft über Honorarberater erreichte Mylife 2015 nach vorläufigen Zahlen mit beim Absatz von Nettoprivatrenten einen Umsatz von 52,2 Millionen Euro.
Zudem erzielte der Versicherer mit dem Verkauf von kollektiven Restschuld-Versicherungen nach vorläufigen Zahlen Einnahmen in Höhe von 32,2 Millionen Euro. Dieses Geschäft, das aus einem Vertrag mit Von Essen GmbH & Co. KG Bankgesellschaft stammt, ist zum Ende des Jahres aufgrund des Verkaufs der Bank ausgelaufen.
„Eigentlich passte das hochprovisionierte Restschuldgeschäft gar nicht zur unserer Nettophilosophie“, stellt Dreibrodt fest. So seien hohe Stornos, die sich technisch durch Ablösung oder Aufstockung des hinter jeder Restschuldpolice stehenden Kreditvertrages automatisch ergeben, Mylife insgesamt angelastet worden.
Dabei läge das Storno von Nettorentenpolicen beim Göttinger Lebensversicherer mittlerweile nur noch bei 2,5 Prozent der Verträge, während fast 25 Prozent der Restschuld-Versicherungen jährlich aufgelöst werden. Das hohe Storno bei Restschuld-Versicherungen wird Mylife wohl nun trotzdem hart treffen, weil die hier generierten Umsätze schnell fallen dürften.
Sparkurs
Dreibrodt hat daher seinem Unternehmen einen Sparkurs verordnet, hofft aber gleichzeitig, dass die Zeit der „gedämpften“ Umsätze ohne einen Abbau der rund 50 Beschäftigten möglich ist. „Wir rechnen damit, dass wir im Honorargeschäft auch in 2016 wieder rund 100 zusätzliche Berater finden werden“, so Dreibrodt.
Zudem gab er Auskunft über den Geschäftsverlauf des laufenden Jahres. Der Verkauf von Nettopolicen über die derzeit 500 aktiven Berater konnte um 39 Prozent gesteigert werden, das Neuvertragsvolumen, gemessen in APE, stieg sogar um 89 Prozent. Konkretere Daten wurden nicht genannt.




