Axa zieht einen halben Schlussstrich unter „TwinStar“

3.8.2018 – Die französische Axa-Gruppe will ihre irische Tochter Axa Life Europe, in der auch 230.000 „TwinStar“-Verträge aus Deutschland liegen, an den Finanzinvestor Cinven verkaufen. Trotz dieses externen Run-offs verspricht Axa den Kunden „erster Ansprechpartner“ für die nächsten 30 Jahre zu bleiben.

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Bereits seit 2012 zeichnet die deutsche Axa-Gruppe kein aktives Neugeschäft mit den „TwinStar“-Policen. Nun wird sie diese über eine externe Run-off-Strategie des Mutterkonzerns los: Die französische Axa-Gruppe will ihre irische Tochtergesellschaft Axa Life Europe an den Finanzinvestor Cinven Ltd. veräußern.

Die in Dublin ansässige Axa Life ist eine spezialisierte Plattform für „Variable Annuities“, die hierzulande zwischen 2006 und 2012 unter dem Namen „TwinStar“ verkauft wurden.

Axa bleibt Ansprechpartner

Erster Ansprechpartner für Kunden mit „TwinStar“-Policen bleibe weiterhin Axa Deutschland, wird mitgeteilt. „Das war uns besonders wichtig und wird für die nächsten 30 Jahre vertraglich gesichert“, so der Versicherer.

Laut Axa bleiben alle vertraglich geregelten Garantien und Bedingungen unverändert bestehen. „Risikoträger ist und bleibt die Axa Life Europe und die deutschen „TwinStar“-Verträge werden wie bisher in Deutschland verwaltet“, wird mitgeteilt.

Kunden mit „TwinStar“-Verträgen verfügten nach wie vor über ein sehr werthaltiges Produkt, dessen vertraglich geregelte Garantien und Bedingungen unverändert bestehen bleibe. Die Verträge unterlägen weiterhin der Aufsicht der Central Bank of Ireland sowie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) mit ihrem Mandat für den Verbraucherschutz in Deutschland.

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In der Summe keine Verluste

Die deutsche Axa hatte seinerzeit die als „US-Erfolgsprodukt“ gepriesenen Policen für alle Altersvorsorge-Schichten entwickelt. „TwinStar“ zeichnete sich durch ein „innovatives Garantiemanagement“ aus, bei dem die Garantien mit einer Verzinsung von je nach Produktvariante mindestens drei Prozent über den Kapitalmarkt eingekauft werden sollten.

Doch das Konzept ging wegen der Verwerfungen der Kapitalmärkte durch die Finanzkrise nicht auf. Für die Garantien musste die Axa gegenüber ihren Kunden finanziell in Millionenhöhe einstehen (VersicherungsJournal 6.2.2013, 23.5.2013). „Wir haben mit „TwinStar“ in Summe keine Verluste gemacht“, so ein Sprecher rückblickend heute über das deutsche Geschäft.

Zusammen mit den Belastungen, die sich aus den Eigenkapital-Anforderungen in Irland ergaben, wurde dann 2012 entschieden, auch das zwischenzeitlich etwas modifizierte Konzept nicht mehr aktiv im Neugeschäft anzubieten.

Was verkauft wird

Die zum Verkauf beabsichtigte Axa Life Europa verwaltet mit über 60 Mitarbeitern insgesamt ein Portfolio von circa 248.000 Versicherungsverträgen mit etwa fünf Milliarden Euro Reserven. Die Variable Annuities stammen nicht alleine aus Deutschland, sondern wurden auch in Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien und Portugal verkauft. Zudem gibt es eine Rückversicherungs-Vereinbarung mit Axa Japan.

Das Volumen der deutschen „TwinStar“-Verträge wird auf 5,3 Milliarden Euro beziffert – das entspricht 68 Prozent der Kapitalanlagen der Axa Life Europe. Auf Nachfrage wird mitgeteilt, dass Axa Life Europe 2017 einen operativen Gewinn von insgesamt 172 Millionen Euro erzielt hat. Für die irische Tochter wird eine Solvency-II-Quote von über 200 Prozent genannt.

Der Verkauf soll bar 1,165 Milliarden Euro in die Axa-Kassen spülen; 240 Millionen Euro sollen schon im Juni geflossen sein. Für Axa bringt der Verkauf eine geringe Verbesserung der Solvency-II-Quote von circa zwei Prozentpunkten.

Die geplante Transaktion unterliege den üblichen Bedingungen, einschließlich des Abschlusses der Unterrichtung und Anhörung der relevanten Betriebsräte sowie der Zustimmung der irischen Aufsichtsbehörde sowie der kartellrechtlichen Genehmigung, heißt es weiter. Mit einem Abschluss wird bis Ende 2018 oder Anfang 2019 gerechnet.

Mehrere Haftungswälle

Nach Unternehmensangaben sind die „TwinStar“-Kunden durch „mehrere Schutzwälle“ abgesichert: Neben der Absicherung der Garantien durch den Kapitalmarkt, die sich aus der Produktkonstruktion ergibt, wird hierzu auf die Kapitalstärke der Axa Life Europe sowie die Aufsicht verwiesen.

Nach der Finanzmarktkrise seien mit der Reform des irischen Aufsichtsrechts die Auflagen der zuständigen Regulierungsbehörde in Irland hinsichtlich Kapitalausstattung und Sicherheit der Anlagen deutlich verschärft worden, teilt Axa auf Nachfrage mit. Alle vertraglich vereinbarten Garantien bleiben unverändert erhalten und sind durch Kapitalanlagen mit guter Bonität unterlegt beziehungsweise mit standardisierten Finanzinstrumenten abgesichert.

Der Vorteil des Käufers

Die irische Axa Life Europe soll in eine neue Eigentümerstruktur überführt werden, bei der „alle bestehenden Strukturen und Prozesse in der Verwaltung der deutschen „TwinStar“-Versicherungsverträge unverändert erhalten“ bleiben sollen.

Auch dies scheint ein ungewöhnlicher Schritt für einen Run-off, der an Dritte geht zu sein. Üblicherweise erzielen die Abwickler die notwendigen Erträge aus der Bündelung von Geschäft auf neuen Gemeinschaftsplattformen. Ein Übergang auf die Viridium-Gruppe, die mehrheitlich zu Cinven gehört, ist Presseberichten zufolge nicht geplant.

Als Vorteil für den Käufer nennt Axa: „Zunehmende Marktschwankungen lassen die Kosten der oben beschriebenen Garantieabsicherung steigen. Um Schwankungen in den berichteten Geschäftszahlen zu minimieren, werden sie von börsennotierten Unternehmen wie Axa kurzfristig abgesichert.

Kurzfristige Absicherungen wiederum führen zu höheren Kosten. Als nicht-börsennotiertes Unternehmen kann Cinven hier langfristiger vorgehen und Kapitalmarktschwankungen über die Zeit ausgleichen. Cinven hat damit niedrigere Kapitalkosten und kann so langfristig von der Wertsteigerung der Axa Life Europe profitieren.“

Kein Ausstieg aus der Altersvorsorge

Unabhängig vom Verkauf der „TwinStars“ hält Axa Deutschland aber am Altersvorsorgemarkt fest. Es sei bleibe „ein wesentlicher Teil des Kerngeschäfts“.

Antimo Perretta, Mitglied des Management Committees der französischen Mutter und CEO der europäischen Märkte der Axa-Gruppe wird in einer Pressemitteilung dazu wie folgt zitiert: „Wir werden unseren Wachstumskurs mit innovativen und wettbewerbsstarken Produkten in der privaten und betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland konsequent fortsetzen.“

 
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