AIG stellt das Europa-Geschäft „brexitsicher“ auf

23.4.2018 – Wegen des bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens will der Versicherer künftig mit zwei neuen Gesellschaften tätig werden. Jetzt wurde bekannt gegeben, von wo aus das deutsche Geschäft zukünftig gesteuert wird und wann diese Gesellschaft den Betrieb aufnehmen soll. (Bild: Pixabay, CC0)

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Aller Voraussicht nach in weniger als einem Jahr wird Großbritannien aus der Europäischen Union austreten. Das bleibt auch für die AIG Europe Limited mit Sitz in London nicht ohne Konsequenzen: Ihr Geschäft soll auf zwei neue Einheiten übertragen werden.

Die Konzernmutter American International Group, Inc. hat vergangene Woche bekannt gegeben, dass die Gründung zweier neuer Versicherungsgesellschaften durch die zuständigen Aufsichtsbehörden genehmigt worden sei. Diese heißen „American International Group UK Limited“ in Großbritannien und „AIG Europe S.A.“ in Luxemburg.

Mit dem Errichten von Zweigniederlassungen im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz sei auch bereits ein weiteres Etappenziel erreicht.

Bestandsübertragung und Verschmelzung geplant

Vorgesehen ist der Transfer des Bestands-Versicherungsgeschäfts von AIG Europe Limited auf die neuen Gesellschaften in Großbritannien und Luxemburg, und zwar im Verhältnis von zirka 50 zu 50, wie das Unternehmen gegenüber dem VersicherungsJournal erklärte.

Die bisherige AIG Europe Limited soll letztlich mit der neuen luxemburgischen AIG Europe S.A. verschmolzen werden.

Das weitere Prozedere

Die Genehmigung des High Court von England und Wales für den Beginn der Benachrichtigung der Versicherungsnehmer und sonstiger betroffener Parteien über die Übertragung des Versicherungsportfolios gemäß britischem Recht liege vor.

Die finale Anhörung des High Court zur Beurteilung und Genehmigung der geplanten Übertragung – vorausgesetzt, das Gericht erachte diese unter allen Gegebenheiten als angemessen – sei für den 18. Oktober 2018 in London geplant.

Was die geplante Verschmelzung betrifft, so werde der High Court zur Bestätigung ein Zertifikat ausstellen, wenn er feststellt, dass die Parteien der Verschmelzung die notwendigen Formalitäten erfüllt haben, erklärt AIG das Prozedere.

„Nach Erhalt dieses Zertifikats können die Parteien nach Luxemburger Gesetz einen Antrag stellen, um die Verschmelzung zu vollziehen.“

Durch die Übertragung unseres Bestandsgeschäfts eliminieren wir […] Unsicherheitsfaktoren.

Anthony Baldwin, CEO von AIG Europe Limited

Neue Aufstellung soll mit 1. Dezember wirksam werden

AIG geht davon aus, dass Bestandsübertragung und Verschmelzung voraussichtlich zum 1. Dezember 2018, also noch vor dem Brexit, wirksam werden und die beiden neuen Gesellschaften ab diesem Datum mit dem Zeichnen von Versicherungsgeschäft beginnen. Damit solle der Versicherungsschutz der Kunden ohne Unterbrechung gewährleistet sein.

„Unsere Lösung zur Neuaufstellung unseres Geschäfts zeichnet sich besonders dadurch aus, dass – unabhängig von den Auswirkungen des Brexits auf die Geschäftstätigkeiten unserer Kunden – deren europäischer Versicherungsschutz ‚brexitsicher‘ ist“, kommentiert Anthony Baldwin, CEO von AIG Europe Limited.

„Wir haben in Europa bereits eine Plattform für zukünftiges Neugeschäft sowie die Verlängerung bestehender Verträge errichtet“, so Baldwin weiter. „Durch die Übertragung unseres Bestandsgeschäfts eliminieren wir zudem Unsicherheitsfaktoren, wie etwa von der Entwicklung von Besitzstandsklauseln für bestehende Verträge abhängig zu sein.“

Keine Änderung an Rechten und Verpflichtungen

Müssen Vertriebspartner oder Kunden nun in irgendeiner Weise aktiv werden?

Gegenüber dem VersicherungsJournal betont AIG Europe vorweg: Jegliche Rechte oder Verpflichtungen aus den zu übertragenden Versicherungspolicen bleiben unverändert; „jedoch werden sie infolge der geplanten Übertragung stattdessen gegenüber AIG UK oder AIG Europe S.A. durchsetzbar oder fällig“.

Wenn ein Partner oder Kunde meine, dass die geplante Übertragung negative Auswirkungen haben könnte, „besteht über die direkte Kontaktaufnahme mit AIG hinaus die Möglichkeit, schriftlich Einwand zu erheben und/oder persönlich bei der Anhörung des High Courts zu erscheinen“. Alternativ könne auch ein Rechtsvertreter mandatiert werden, der bei der Anhörung stellvertretend erscheint.

„Wenn Kunden und Partner keinen Einspruch erheben möchten, müssen sie sonst keine weiteren Maßnahmen ergreifen.“

Informationspaket

Vertriebspartner und Kunden erhalten laut AIG ein Informationspaket zum Thema Geschäftsübertragung und können sich über eine Hotline an das Unternehmen wenden.

Informationen rund um die Auswirkungen des Brexits für die AIG stellt das Unternehmen auch auf einer speziellen Internetseite bereit.

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Brexit
 
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