Wo Versicherern Steine im Weg liegen (könnten)

9.1.2019 – Das Niedrigzinsniveau bleibt für die Versicherungsbranche eine Herausforderung, das Risiko einer Neubewertung der Risikoprämien ist in den letzten Monaten indes deutlicher geworden. Das stellt die europäische Versicherungsaufsicht fest. Auch teils hohe Immobilien-Exposures könnten problematisch werden. Unter anderem hebt die Eiopa Klimawandel-Risiken als Thema hervor; ihm will sie erhöhte Aufmerksamkeit schenken.

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Vor kurzem hat die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) ihren halbjährlich erscheinenden „Finanzstabilitäts-Bericht“ für den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) veröffentlicht.

Nach ihrer Einschätzung ist der europäische Versicherungssektor in Summe „adäquat kapitalisiert“. Die SCR-Quote betrage im Median 225 Prozent in der Lebens- und 206 Prozent in der Nichtleben-Versicherung. Die Unterschiede von Land zu Land und von Unternehmen zu Unternehmen werden als „signifikant“ bezeichnet.

Ungeachtet dessen, bleibe das anhaltende Niedrigzinsumfeld für Versicherer und Pensionsfonds „herausfordernd“, beschreibt die Behörde ein nach wie vor bestehendes altes Problem. Es drücke weiterhin auf Profitabilität und Solvenz der Unternehmen.

Risiko einer plötzlichen Umbewertung der Risikoprämien

Gabriel Bernadino (Bild: Lier)
Gabriel Bernadino (Bild: Lier)

Das Risiko eine Neubewertung der Risikoprämien sei unterdessen in den letzten Monaten deutlicher hervorgetreten.

Als Gründe nennt die Eiopa mehr politische Unsicherheit und Spannungen in den Handelsbeziehungen, Bedenken hinsichtlich des Schuldenniveaus und eine schrittweise Normalisierung der Geldpolitik.

Eine plötzliche Veränderung könnten die Investmentportfolios und damit die Finanz- und Solvenzlage von Versicherern und Pensionsfonds negativ beeinflussen. Unter anderem könnte in diesem Zusammenhang auch „der hohe Grad“ der Vernetzung mit Banken nachteilige Auswirkungen haben.

Die Aufsicht müsse dieser Entwicklung weiterhin Beachtung schenken, betont Eiopa-Vorsitzender Gabriel Bernardino.

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Teils hohes Immobilien-Exposure

In manchen Ländern seien bei Versicherern vergleichsweise hohe Immobilien-Exposures zu beobachten.

Der Bericht führt neun Länder mit einem Anteil von über zehn Prozent an. Spitzenreiter sind die Niederlande mit rund 20 Prozent, gefolgt von Kroatien, Island, Norwegen und Finnland, die sich jeweils um die 15-Prozent-Marke platzieren. In Deutschland liegt er bei etwa acht Prozent.

Ein hoher Immobilien-Anteil mache die Versicherer allerdings „verletzlich“, sollten die Immobilienmärkte einen Abschwung erleben, gibt die Eiopa zu bedenken.

Von Klimawandel und Cyberrisiko jeweils doppelt betroffen

Darüber hinaus sieht die Aufsichtsbehörde mit dem Einsetzen von Klimawandel und Cybergefahren „neue Risikoarten“ kommen.

Bild: Eiopa

Klimabezogene Risiken brächten gerade für die Versicherungsindustrie Bedrohungen mit sich, zumal sie zweifach „involviert“ ist: nämlich sowohl als Investor als auch als Underwriter. Wie Bernardino sagt, will die Eiopa „Klimawandel-Risiken und ihren Auswirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte gesteigerte Aufmerksamkeit widmen“.

Eine solche „doppelte Betroffenheit“ lässt sich ähnlich für das Cyberrisiko feststellen: Zunehmendes Problembewusstsein wird nach den Erwartungen der Eiopa zu mehr Nachfrage nach entsprechenden Versicherungen führen. Zugleich sind Versicherer selbst dem größer werdenden Cyberrisiko ausgesetzt.

Potenzielle Überschusskapazität in der Rückversicherung

Die Rückversicherungs-Industrie hat sich nach Dafürhalten der EU-Aufseher trotz eines hohen Schadenaufkommens im Jahr 2017 (VersicherungsJournal 21.12.2017) als „resilient“ erwiesen.

2018 war, so die Eiopa, im Vergleich dazu weniger schadenträchtig (VersicherungsJournal 19.12.2018) und brachte im Rahmen der Erneuerungen „nur moderate Preiserhöhungen“. Letzteres wertet die Behörde als Indiz für eine potenzielle Überschusskapazität im Rückversicherungsmarkt.

Zum Herunterladen

Der „Financial Stability Report December 2018“ (PDF, 2,9 MB) ist nur auf Englisch verfügbar.

 
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