Wo Immobilien teuer und wo sie günstig sind

7.4.2020 (€) – Die Kaufpreisentwicklung von gebrauchten Eigentumswohnungen in deutschen Regionen zeigt der „Wohnatlas 2020“. Der Trend: Die Preise stiegen in 90 Prozent der Landkreise und Städte. Als Grund dafür wird angeführt, dass die Zinsen niedrig sind, die Nachfrage dagegen hoch und das Angebot knapp.

Betongold bleibt für die Deutschen attraktiv. Die niedrigen Bauzinsen lassen die Nachfrage weiter steigen. 2019 gingen die Kaufpreise für Immobilien in 90 Prozent der deutschen Landkreise und kreisfreien Städte nach oben.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Wohnatlas 2020“ der Deutschen Postbank AG. Das Geldhaus legte am Montag einen Marktüberblick über die Quadratmeterpreise für Bestandsimmobilien im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr (VersicherungsJournal 12.3.2019) vor.

Der Wohnatlas ist eine jährlich erscheinende, mehrteilige Studienreihe, die den deutschen Immobilienmarkt unter verschiedenen Aspekten regional bis auf Kreisebene untersucht. Die aktuelle Auswertung wurde im Auftrag des Finanzinstituts von der Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut gGmbH (HWWI) erstellt. Die Zahlen beziehen sich auf die 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland.

Wohnatlas (Bild. Postbank)

Keine Trendwende in Sicht am Immobilienmarkt

„Niedrige Zinsen, große Nachfrage und knappes Angebot – das waren auch 2019 die wichtigsten Preistreiber am Immobilienmarkt. Eine Trendwende ist derzeit in den meisten Regionen Deutschlands nicht in Sicht“, sagt Eva Grunwald, Leiterin Immobiliengeschäft bei der Postbank.

Die Aussage der Immobilienexpertin trifft nach wie vor insbesondere auf sieben Großstädte hierzulande zu. Spitzenreiter bleibt wie in den Vorjahren München, gefolgt von Frankfurt am Main und Hamburg.

In der bayerischen Landeshauptstadt stiegen die Quadratmeterpreise im Vorjahr um 6,2 Prozent. Der Durchschnittswert für den Kauf von Eigentumswohnungen in Bestandsbauten liegt in München bei 8.079 Euro pro Quadratmeter.

In Frankfurt am Main stiegen Preise am stärksten

Im Vergleich der sieben größten deutschen Metropolen stiegen die Preise am stärksten in Frankfurt am Main. Durchschnittlich 5.687 Euro mussten Immobilienkäufer 2019 für den Quadratmeter hinlegen. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Die deutsche Bankenmetropole liegt damit weiter auf Platz zwei der teuersten Großstädte. Nur in Frankfurt und Berlin lag das Preisplus über dem bundesweiten Schnitt von 9,3 Prozent.

Immobilienpreise in den Top Sieben der deutschen Großstädte

Rang

Stadt

Preis pro Quadratmeter 2019

Anstieg des Kaufpreises in Prozent*

1

München

8.078,77

6,19

2

Frankfurt am Main

5.686,62

11,04

3

Hamburg

5.054,23

8,79

4

Berlin

4.638,89

9,96

5

Stuttgart

4.589,24

7,22

6

Düsseldorf

4.118,32

7,78

7

Köln

3.967,09

8,93

Zum Vergleich: In Stuttgart und München sind Neubauten am teuersten. Den größten Preisanstieg für diese Objekte verzeichnet Leipzig. Am günstigsten sind die eigenen vier Wände in Bremen, Dresden und noch in Leipzig. Das zeigte eine Erhebung von „Immoscout24.de“, eine Marke der Immobilien Scout GmbH. Das Portal analysierte die Kaufpreise für Neubauten in deutschen Großstädten (25.2.2020).

Landkreis Nordfriesland am teuersten

Wie die Autoren des Wohnatlas unterstreichen, zogen die Preise neben den Metropolen auch im Umland der Großstädte an. Neun der Top-Ten-Landkreise liegen in Bayern.

Der teuerste Landkreis liegt aber in Nordfriesland. Dazu gehören neben den Inseln Sylt, Föhr und Amrum auch beliebte Ferienorte wie St. Peter Ording. 2019 kostete der Quadratmeter hier im Schnitt 6.452 Euro. Das entspricht einem Plus im Vergleich zum Vorjahr von satten 14 Prozent.

Auf den nächsten neun Plätzen liegen Landkreise im Umland von München. Auf dem zweiten Platz liegt Miesbach in Oberbayern. Käufer zahlen hier im Schnitt pro Quadratmeter 6.127,15 Euro für den Erwerb von Bestandsbauten. Starnberg folgt mit 6.079,85 Euro auf dem dritten Rang und der Landkreis München mit 6.043,45 Euro liegt auf Platz vier.

Immobilien in der Uckermark: plus 48 Prozent

Nach Auswertung des aktuellen Wohnatlas holten auch die Preise in den neuen Bundesländern auf. Den deutschlandweit stärksten Anstieg verzeichnete laut der Autoren die Uckermark mit einem Plus von gut 48 Prozent.

Um knapp 42 Prozent schnellten die Quadratmeterpreise im Landkreis Elbe-Elster in die Höhe. In Frankfurt (Oder) wurde Wohneigentum um gut ein Drittel teurer. Preissteigerungen für Wohnungen im Bestand ergaben sich damit besonders in Landkreisen und Städten, in denen nur wenige Wohnungen zum Kauf offeriert wurden, heißt es in der Mitteilung zur Studie.

„Das geringe Angebot führte bei leicht steigender Nachfrage bereits zu hohen prozentualen Preiserhöhungen. Die stärksten Preissteigerungen des vergangenen Jahres sind daher nicht in den Metropolen und deren Speckgürteln, sondern in weniger dicht besiedelten Regionen mit einem geringen und eher günstigen Immobilienangebot zu finden“, führt die Postbank weiter aus.

Regionen mit dem stärksten Kaufpreis-Anstieg

Rang

Stadt/Kreis

Bundesland

Preis pro Quadratmeter 2019

Anstieg des Kaufpreises in Prozent*

1

Uckermark

Brandenburg

1.695,96

48,44

2

Elbe-Elster

Brandenburg

1.070,75

41,76

3

Zweibrücken, Stadt

Rheinland-Pfalz

1.516,74

35,78

4

Mansfeld-Südharz

Sachsen-Anhalt

831,42

34,52

5

Frankfurt an der Oder, Stadt

Brandenburg

2.037,14

34,27

6

Wunsiedel im Fichtelgebirge

Bayern

1.150,98

33,11

7

Rhein-Hunsrück-Kreis

Rheinland-Pfalz

1.698,88

30,23

8

Schwalm-Eder-Kreis

Hessen

1.665,01

30,01

9

Waldeck-Frankenberg

Hessen

1.518,98

29,53

10

Neustadt an der Waldnaab

Bayern

1.974,49

28,19

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