Wieder geben Hunderttausende ihre Riesterrente auf

10.11.2023 – Der Bestand an staatlich geförderten privaten Altersvorsorge-Verträgen ist im ersten Halbjahr um mehr als 200.000 auf unter 15,7 Millionen gesunken. Dabei verloren die Banken relativ am stärksten, dahinter rangieren Wohnriester und Rentenversicherungen. Dies zeigen Zahlen des Arbeitsministeriums.

Die Zahl der staatlich geförderten privaten Altersvorsorgeverträge ist im ersten Halbjahr 2023 um 209.000 beziehungsweise 1,3 Prozent auf 15,9 Millionen gesunken. Das zeigt die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichte Statistik. Angegeben wird darin die Netto-Entwicklung mit Berücksichtigung von Neuverträgen und Abgängen.

Ruhend gestellte Policen beziehungsweise Sparverträge werden nicht zahlenmäßig ausgewiesen. Den Anteil schätzt das Ministerium auf „gut ein Fünftel bis knapp ein Viertel“.

Alle Sparformen im Minus

Im gesamten Vorjahr war der Bestand um 348.000 Stück beziehungsweise 2,1 Prozent gefallen (VersicherungsJournal 24.4.2023). Mit dem Abgang von 209.000 Verträgen in den ersten sechs Monaten 2023 ist damit die Hälfte des Vorjahres-Abgangs bereits deutlich übertroffen worden.

Entwicklung der Zahl der Riester-Verträge (Bild: BMAS)
Entwicklung der Zahl der Riester-Verträge (Bild: BMAS)

Während die Versicherer dabei im Vorjahr relativ am wenigsten verloren haben, sieht es in diesem Jahr anders aus. Im ersten Halbjahr war die Reihenfolge der Rückgänge eine andere:

  • Banksparverträge: 10.000 (1,9 Prozent),
  • Wohn-Riester: 26.000 (1,6 Prozent),
  • Versicherungen: 148.000 Stück (1,4 Prozent) und
  • Investmentfonds: 25.000 (0,8 Prozent).

Wenig Neugeschäft nach Rechnungszins-Senkung

Zu den Ursachen hatte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), im vergangenen Jahr kommentiert:

„Die Zahlen des Arbeitsministeriums zeigen einmal mehr, wie reformbedürftig die Riester-Rente ist. Derzeit befindet sie sich im Wachkoma. Zwei Drittel der Riester-Anbieter haben seit Jahresbeginn ihre Produkte auf Eis gelegt, weil sie nur noch 0,25 Prozent Zinsen einrechnen dürfen, aber 100 Prozent der Beiträge garantieren müssen. Das lässt sich oft nicht mehr vernünftig darstellen.“

Manche Anbieter haben auf Nettotarife umgestellt (21.2.2022).

Die Forderungen der Versicherungs- und der Investmentbranche nach Reformen an die Regierungskoalition blieben bisher ergebnislos, obwohl sie laut Koalitionsvertrag das bisherige System der privaten Altersvorsorge grundlegend reformieren will (25.11.2021). Zuletzt hatte ein Bericht der „Fokusgruppe private Altersvorsorge“ die Diskussion belebt (19.7.2023).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Bausparen · Investmentfonds · Koalitionsvertrag · Nettopolicen · Rechnungszins · Rente · Riester · Zinsen
 
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