Was Versicherer in der Corona-Krise stemmen müssen

25.3.2020 – Das verordnete Kontaktverbot stellt die Versicherungsbranche vor diverse Herausforderungen. Wie Gesellschaften mit der aktuellen Situation umgehen, zeigen Beispiele der Arag, von Alte Leipziger – Hallesche und der R+V.

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Die Politik regiert das Land derzeit in enger Absprache mit den führenden Virologen. Den Ernst der Lage zeigen die täglichen Aktualisierungen und Empfehlungen des Robert Koch Instituts (RKI) zu Covid-19. Zurzeit erlebt Deutschland die weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens und bundesweit geltende Kontaktsperren, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Viele Versicherer hatten sich bereits im Vorfeld auf die Einschränkungen vorbereitet. Schließlich sind in Nordrhein-Westfalen und Bayern die Corona-Fallzahlen besonders hoch – und zugleich die Bundesländer mit den Städten, in denen die meisten Versicherungs-Mitarbeiter beschäftigt sind (VersicherungsJournal 9.3.2020).

Mehrere Versicherer haben reagiert

Bei den Provinzial Rheinland Versicherungen infizierten sich bereits Anfang März sechs Innendienst-Mitarbeiter mit dem Virus (9.3.2020). Die LVM Versicherungen schöpften zwei Tage später ihre Homeoffice-Kapazitäten vollständig aus (11.3.2020).

Auch andere Gesellschaften wie die Arag SE, die R+V Versicherungen (24.3.2020) oder der Alte-Leipziger-Hallesche-Konzern (20.3.2020) schickten ihre Mitarbeiter diese Woche mehrheitlich ins Homeoffice. Die Unternehmen stehen jetzt vor logistischen und personellen Herausforderungen, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.

R+V: 13.000 Mitarbeiter im Homeoffice

„Selbstverständlich war es eine große technische Herausforderung, vielen Kollegen zusätzlich die Arbeit von zu Hause aus zu ermöglichen. Immerhin sind jetzt mehr als 13.000 Kollegen im Homeoffice“, erklärt dazu ein Sprecher der R+V auf Nachfrage.

Das Unternehmen habe bereits vor vier Wochen ein sogenanntes Lagezentrum eingerichtet. „Ein Teil dessen Arbeit war auch die Koordination der Homeoffice-Implementierung. Aktuell klappt die Arbeit aus dem Homeoffice für alle R+V-Kollegen sehr gut“, heißt es weiter.

Besonders schwierig für die IT-Fachkräfte sei es derzeit, dass die Belastung des Netzes durch das mobile Arbeiten nicht zu hoch werde. „Aktuell läuft aber alles stabil“, versichert der Sprecher.

Arag: in zwei bis drei Tagen auf die Krise einstellen

Klaus Heiermann (Bild: Arag)
Klaus Heiermann (Bild: Arag)

Als größte Herausforderung im Vorfeld bezeichnet Klaus Heiermann, Vorstandsmitglied der Arag, „alle Standorte weltweit zum Schutz unserer Mitarbeiter zügig leer zu ziehen, ohne dass dies zulasten des Kundenservices ging“.

Die Führung des Versicherers habe „eine so extreme Lage nicht vorhersehen können“. Dennoch sei es gelungen, sich „innerhalb von zwei bis maximal drei Tagen auf diese Krise einzustellen“, unterstreicht der Vorstand gegenüber dem VersicherungsJournal.

„Letztlich haben wir kurzfristig noch fehlende Nutzerlizenzen hinzugekauft, Bandbreiten erhöht und Server-Kapazitäten erworben. Auf alles andere waren die Systeme bereits ausgelegt“, so Heiermann weiter.

Vertrieb auf digitalen Verkauf umgestellt

Was bedeuten diese verordneten Umstellungen für den Vertrieb der Arag? „Wir haben unsere Ausschließlichkeits-Organisation auf einen digitalen Verkaufsprozess umgestellt und Altsysteme abgeklemmt. Unsere Vertriebspartner sind daher ebenfalls voll arbeitsfähig, auch wenn sie jetzt nicht mehr direkt zum Kunden gehen können“, sagt der Manager.

Der Versicherer habe „in den vergangenen Jahren viel in die Digitalisierung des Unternehmens investiert und das zahlt sich jetzt direkt aus“, betont der Vorstand.

In der aktuellen Krise liege der Fokus laut Heiermann auf der Unterstützung der Belegschaft im Homeoffice. „Dazu gehören tägliche Teammeetings sowie ein umfassendes Angebot auch an psychologischer Unterstützung. Schließlich müssen unsere Kräfte nun zu Hause ihr gesamtes Privatleben und ihre berufliche Tätigkeit unter einen Hut bekommen.“

Gerade für Eltern mit Kita-Kindern und/oder Schulpflichtigen sei das im Moment eine sehr schwierige Situation. „Hier sind die Führungskräfte aktuell sehr aufmerksam, um Überlastungen schnell zu erkennen und gegenzusteuern“, erklärt der Arag-Vorstand.

Hürden bei Alte Leipziger – Hallesche

Beim Alte-Leipziger-Hallesche-Konzern nehmen nach Angaben des Unternehmens 40 Prozent der Mitarbeiter die Möglichkeit wahr, von zu Hause aus zu arbeiten (20.3.2020). Was die Technik angeht, könnten 55 Prozent ins Homeoffice umziehen. „In den nächsten Wochen werden wir die Zahl der Mitarbeiter, die mobil arbeiten können, deutlich erhöhen“, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage.

Allerdings habe man bei der Umsetzung noch mit Hürden zu kämpfen. „Wie schnell es uns gelingen wird, mehr Mitarbeiter zu befähigen, von zu Hause aus zu arbeiten, ist auch abhängig von externen Umständen, die wir nicht beeinflussen können: zum Beispiel von Lieferengpässen bei Lieferanten und Leitungskapazitäten ins Unternehmen“, erklärt dazu ein Unternehmenssprecher gegenüber dem VersicherungsJournal.

Die aktuelle Situation erfordere viel Flexibilität von der gesamten Bevölkerung. „Auch unsere Mitarbeiter stehen vor vielfältigen neuen Herausforderungen im privaten und beruflichen Umfeld, die derzeit neu zu organisieren sind“, wird berichtet.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Ausschließlichkeitsvertrieb · Coronavirus · Digitalisierung · Mitarbeiter · Technik · Verkauf
 
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