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Was sich in der Altersvorsorge ändern muss

23.10.2019 – Garantieprodukte werden in der privaten Altersvorsorge keinen Bestand haben, genauso wenig, wie komplexe, unflexible Angebote. Das Leistungsversprechen der Versicherer wird künftig zur aktiven Beratung durch Vermittler für den Renteneintritt erweitert. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse von Adesso und den Versicherungsforen Leipzig.

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Ziel der vorliegenden Studie „Die Zukunft der Altersvorsorge“ ist es, mögliche zukünftige Entwicklungen des deutschen Altersvorsorgesystems in fünf bis zehn Jahren zu skizzieren. Zusätzlich sollen die Rolle sowie Aufgaben der Lebensversicherer und Pensionskassen in diesem System bestimmt werden.

Die Untersuchung erstellten die Adesso Insurance Solutions GmbH in Zusammenarbeit mit den Versicherungsforen Leipzig GmbH. Vor knapp zwei Jahren hatten die Partner untersucht, welche Faktoren für die Zukunftsfähigkeit der Komposit-Versicherung entscheidend sind (VersicherungsJournal 11.1.2018).

Zur Methodik

Die vorliegende Studie basiert auf vier Stufen: erstens der Szenario-Analyse zur Zukunft der Altersversorgung sowie Bewertung der Szenarien durch Experten aus (Technologie-) Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

Zusätzlich führten die Autoren eine Befragung zu persönlichen Problemstellungen und Herausforderungen mit der Altersvorsorge durch, an der 300 Endkunden im Juli 2019 online teilnahmen. Im Anschluss folgten acht Experteninterviews mit Vertretern von Lebensversicherern und aus der Altersversorgungs-Branche zu Status quo und künftigen Strategien im Hinblick auf die entwickelten Szenarien.

Abschließend „wurden die Ergebnisse der Endkunden-Befragung mit den Branchen-Einschätzungen und Zukunftsszenarien verknüpft, um Handlungsansätze der Lebensversicherer zu identifizieren, die für die Vorbereitung auf künftige Entwicklungen unerlässlich sind“, heißt es in den Studienunterlagen.

Angenommene Trends

Als Trends, die das Umfeld der Altersvorsorge in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen werden, zählen die Autoren der vorliegenden Untersuchung folgende Faktoren:

  • eine Verschärfung der demografischen Entwicklung,
  • den Fortbestand und sogar die Intensivierung des aktuellen Niedrigzinsumfelds,
  • stärkere Regulierungsbemühungen vonseiten des Staates sowie
  • die Ausweitung staatlicher Vorsorgemaßnahmen,
  • den technologischen Fortschritt und die Digitalisierung in der Branche sowie
  • eine deutliche Zunahme der gesellschaftlichen Teilung, die sich insbesondere in unterschiedlichen Einkommensverhältnissen äußern wird.

Digitalisierung von Prozessen

Auch in den nächsten Jahren wird die private Altersvorsorge nicht „ohne die Rolle eines Übersetzers aus“ auskommen, schreiben die Autoren. Und diese Rolle bleibe für den Vermittler reserviert.

Vor- und nachgelagerte Prozesse müssten die Anbieter allein aus Kostengründen konsequent digitalisieren. Zusätzlich sollten sie stärker nach Zielgruppen differenzieren. „Dabei steht eine digital unterstützte vereinfachte (Online-) Beratung und -abwicklung komplexen Beratungsangeboten, die verschiedene Lebensbereiche umfassen, gegenüber“, meinen die Studienautoren.

Weniger Komplexität und mehr Flexibilität

Garantieprodukte, obwohl vom Kunden gewünscht, werden für die Branche künftig nicht mehr tragbar sein. „Diese werden durch andere Ansätze, wie beispielsweise fondsbasierte Konzepte, ersetzt werden müssen“, so die Auswertung.

Es gelte dabei, die Komplexität heutiger Produkte durch konsequenten Verzicht auf entbehrliche Eigenschaften, wie beispielsweise eine umfangreiche Fondswahl, zu reduzieren. Gleichzeitig müsse die Flexibilität insbesondere in Bezug auf variable Ein- und Auszahlmöglichkeiten drastisch erhöht werden.

Attraktive Zusatzoptionen in der AV (Bild: Adesso)
Attraktive Zusatzoptionen in der privaten Altersvorsorge. Zum Vergrößern Bild klicken
(Bild: Adesso)

Kapitalanlage und Leistungsversprechen

Dem Kapitalanlage-Management sagen die Studienautoren aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik eine „große Transformation“ voraus. Eine wichtige strategische Entscheidung jedes Lebensversicherers werde sein, ob das Anlagemanagement künftig Kernkompetenz des Unternehmens sein soll oder nicht.

In beiden Fällen werde aber „die Diversifikation in allen Anlageklassen überlebenswichtig“, so die Studie. Dies erfordere einen entsprechenden Aufbau von Know-how oder Kooperationen sowie Fondsanlagen, die in den jeweiligen Nischen Expertise aufweisen könnten.

Das Leistungsversprechen der Versicherer werde künftig zur aktiven Beratung für den Renteneintritt erweitert. Darüber hinaus „gewinnen effiziente und saubere Prozesse, mit denen die Fehlerhäufigkeit in der Auszahlungsphase minimiert wird, an Relevanz“.

Bestands-Management und IT

An der Modernisierung bestehender IT-Infrastrukturen führe kein Weg vorbei, wenn die Verwaltung heterogener Bestände und flexibler werdender Produkte realisiert werden sollen.

Das Bestandsmanagement werde auch in den kommenden Jahren die Anforderungen von Alt- und Neubeständen erfüllen müssen. „Während die effiziente Abwicklung von Altbeständen insbesondere Verdichtungs- und Übertragungs-Kompetenzen erfordert, ist bei Neubeständen mit einer Zunahme der Heterogenität zu rechnen, die auch entsprechend abbildbar sein muss“, erklären die Studienautoren.

Leserbriefe zum Artikel:

Thomas Oelmann - Das steht dem Vorsorgegedanken diametral entgegen. mehr ...

 
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