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Vier weitere Lebensversicherer in „Manndeckung“ der Bafin

12.4.2021 – Policen Direkt hat eine Übersicht über die Finanzkraft deutscher Lebensversicherer erstellt. Demnach liegen die für die Aufsicht relevanten Solvenzquoten 2020 im Schnitt bei gut 390 Prozent und damit fast zehn Prozent unter dem Vorjahr (2019: 428 Prozent). Damit sind sie im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen. Von den 82 analysierten Lebensversicherern konnten allerdings 24 Gesellschaften ihre Quote steigern.

„Lebensversicherer reagieren auf Belastung durch Coronakrise stabil“, lautet der Titel einer Analyse der Policen Direkt Versicherungs-Vermittlung GmbH. Wie im Vorjahr (VersicherungsJournal 23.4.2020) und insgesamt zum fünften Mal hat der Policenaufkäufer eine Übersicht über die Finanzstärke deutscher Lebensversicherer erstellt.

Aufgeführt werden in diesem Jahr 82 Gesellschaften, ihr Marktanteil sowie ihre Bedeckung der Solvenzkapital-Anforderung (SCR)

  • als Netto-Quote ohne Übergangsmaßnahmen und ohne Volatilitätsanpassung (SCR-Quote)
  • als Quote ohne Übergangsmaßnahmen, aber gegebenenfalls mit Volatilitätsanpassung (SCR-Quote +VA)
  • sowie als für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) relevante Quote, gegebenenfalls mit Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung (SCR-Quote +VA&Ü).

Hinzu kommt die Mindestkapital-Anforderung-Quote (MCR). Sie zeigt das Eigenmittelniveau, also den Kapitalpuffer im Normalbetrieb. Zusätzlich enthält die Übersicht Links zu den Solvenzberichten der Unternehmen. Sie ist über diesen Link abrufbar.

Die durchschnittliche Brutto-Solvenzquote sinkt weiter

Nach der Analyse liegen die für die Aufsicht relevanten Solvenzquoten 2020 im Schnitt bei gut 390 Prozent und damit fast zehn Prozent unter dem Vorjahr (2019: 428 Prozent). Damit sind sie im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen und erreichen fast wieder das Niveau von 2016 (387 Prozent).

Solzenzqouten der Lebensversicherer seit 2016 (Bild: Policen Direkt)
Solzenzqouten der Lebensversicherer seit 2016 (Bild: Policen Direkt)

Von den 82 analysierten Lebensversicherern konnten 24 Gesellschaften der negativen Branchenentwicklung trotzen und die Quoten ausbauen. Dies gelang vor allem der Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG (310 Prozent) und der Neue Leben Lebensversicherung AG (595 Prozent), die jeweils rund eine Verdoppelung auf 310 Prozent erzielten.

Vergleichsweise hohe Steigerungsraten von rund 75 Prozent und gut 51 Prozent werden darüber hinaus für die PB Lebensversicherung AG (auf 418 Prozent) und die Targo Lebensversicherung AG (auf 450 Prozent) ausgewiesen.

Lebensversicherer mit der stärkten Erhöhung der SCR-Quote plus (Bild: Backhaus)

Auf der anderen Seite fällt der Wert bei der R+V Lebensversicherung a.G. und der Direkte Leben Versicherung AG mit jeweils minus rund 52 Prozent auf 555 Prozent beziehungsweise 348 Prozent mit am deutlichsten.

Rückgänge sind vor allem auch bei der Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG (minus 47 Prozent auf 287 Prozent) und der DEVK Deutsche Eisenbahn Versicherung Lebensversicherungs-Verein a.G. (minus 47 Prozent auf 186 Prozent) zu verzeichnen.

Lebensversicherer mit der niedrigsten SCR-Quote plus (Bild: Backhaus)

Die Anzahl der Gesellschaften in „enger Manndeckung“ wächst

Die marktdurchschnittliche Nettoquote (211 Prozent) rangiert knapp ein Fünftel unter dem Vorjahresschnitt (2019: 256 Prozent). „17 Gesellschaften befinden sich jetzt in ‚enger Manndeckung‘ der Bafin“, heißt es im Bericht. Im vergangenen Jahr waren es 13 Lebensversicherer.

Zu den Lebensversicherern mit Netto-Solvenzquote unter 100 Prozent gehören:

SCR-Quote +VA berücksichtigt langfristige Anlagen

Policen Direkt hat zudem die Solvenzquoten ohne Übergangsmaßnahmen, aber gegebenenfalls mit Volatilitätsanpassung unter die Lupe genommen, da sie kurzfristige Marktentwicklungen eher ausblenden. „Diese Bilanzierungshilfen berücksichtigen, dass Lebensversicherer ihr Kapital langfristig anlegen und damit kurzfristige Schwankungen und Schocks eher ‚aussitzen‘ können“, heißt es.

Henning Kühl (Bild: Policen Direkt)
Henning Kühl (Bild: Policen Direkt)

Das Ergebnis: 20 Unternehmen stehen laut der Studie mit einer Solvenzquote ohne Bilanzierungshilfen von unter 150 Prozent (2019: 19) aktuell vor großen Herausforderungen. Bei 38 Unternehmen (2019: 29) mit einer Nettoquote +VA von 150 bis 300 Prozent sei die finanzielle Stabilität weitgehend gewährleistet.

Sehr gut gewappnet sind demnach 21 Unternehmen (2019: 36) aufgrund ihrer vergleichsweise komfortablen Solvenzkapital-Ausstattung mit einer Nettoquote +VA von mehr als 300 Prozent. Sie könnten weitere Verschärfungen der Lage bewältigen oder im Neugeschäft weitreichende Zusagen geben, heißt es.

Corona hat die Risikopuffer belastet

„Covid-19 fordert Lebensversicherer auch in ihrer Finanzstabilität. Das erste Krisenjahr hat die Risikopuffer der Gesellschaften deutlich belastet“, kommentiert Henning Kühl, Leitender Aktuar von Policen Direkt und Versicherungs-Mathematiker (DAV), die Zahlen.

Vor allem das weiter gesunkene Zinsniveau habe zu einer Erhöhung der Kapitalanforderungen oder zu einem Rückgang bei den anrechnungsfähigen Eigenmitteln geführt – mit Auswirkungen auf die Solvenzquoten.

Unternehmen weiten Übergangsmaßnahmen und bilanzielle Hilfen aus

Lebensversicherer mit teils deutlichen Rückgängen bei der aufsichtsrelevanten Quote hätten zur Sicherung ihrer Finanzstabilität um weitere bilanzielle Hilfen bei der Bafin nachgefragt. 60 Gesellschaften (2019: 58) hätten Übergangsmaßnahmen und 67 Unternehmen (2019: 59) Volatilitätsanpassungen beantragt.

Gleichzeitig zeige sich die Branche alarmiert. Laut den zum Stichtag 8. April veröffentlichten SCR-Berichten hätten Versicherer Krisenstäbe gebildet und würden regelmäßig spezielle Covid-Stresstests durchführen. Mitunter würden sie in ihren Modellen auch Stornoschocks ansetzen.

„Die Solvenzquoten zeigen, dass kleinere Versicherer mit hohem Garantiebestand und diejenigen, die bereits in der Vergangenheit nur mit Übergangsmaßnahmen eine Solvenzquote von über 100 Prozentpunkten erreicht haben, jetzt vor noch größeren Herausforderungen stehen“, bilanziert Kühl.

Wie die Analyse verdeutliche, gehe es mitunter darum, überhaupt noch Neugeschäft zeichnen zu können. Kürzlich hat Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund darauf hingewiesen, dass hier Versicherer in den nächsten Jahren große Schwierigkeiten bekommen könnten und damit ihre Lizenz für das Neugeschäft riskieren (19.3.2021).

Nachträgliche Ergänzung 15. April 2021, 10:15 Uhr:

Policen Direkt hat die Solvenzquotenübersicht aktualisiert. In einer Fußnote heißt es: „** Laut Quantitative Reporting Template (QRT) S.22.01 des Solvenzberichtes vom 08.04.2021 kommt die HDI Leben rechnerisch auf eine Nettoquote SCR-Quote von  84 Prozent. Die SCR-Quote +VA liegt demnach bei 207 Prozent. Die HDI Leben hat laut Zusammenfassung des SFCR  Fehler in den Inputdaten entdeckt. Die Quoten betragen laut Unternehmensinfo demnach 90 (Netto) und 235 PRozent (SCR +VA). Es wurde angekündigt, ein korrigiertes QRT nachzureichen.“

Nachträgliche Ergänzung 13. April 2021, 17:45 Uhr:

Die SCR-Quote +VA&Ü war bei der PB Lebensversicherung AG falsch angegeben.

Nachträgliche Ergänzung 12. April 2021:

Die Bayerische sieht die Manndeckung nicht im Zusammenhang mit den Gesellschaften, die eine Nettosolvenzquote von unter 100 Prozent haben:

„Es ist allerdings so, dass eine Versicherungsgesellschaft dann unter Manndeckung beziehungsweise. unter verstärkter Aufsicht der Bafin steht, wenn der Versicherer bei der jährlich abzugebenden Prognoserechnung (über die HGB-Bilanz der kommenden Jahre, Ertragslage und Zinszusatzreserve) der Bafin negativ auffällt. Leider wird das regelmäßig von den Medien falsch in Zusammenhang gebracht. […]

Wenn eine Gesellschaft eine Nettosolvenzquote von unter 100 Prozent aufweist, muss der Bafin ein Maßnahmenplan vorgelegt werden, wie man bis 2031, (also ab dem Zeitpunkt, wenn keine Übergangsmaßnahmen mehr berücksichtigen werden dürfen), eine Nettoquote von über 100 Prozent erreichen wird.“

 
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