Versicherungsvertrieb: Ist die Stimmung besser als die Lage?

16.9.2020 – Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bremsen die Volkswirtschaften, schlagen sich aber bisher kaum in der Versicherungsindustrie nieder. Professor Dr. Bert Rürup zeichnete für die Wirtschaft wie für die Vermittler beim Online-Vertriebskongress der Continentalen ein düsteres Bild. Unter den Vermittlern ist die Stimmung besser.

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Am Mittwoch hat die Continentale Versicherungsgruppe ihren Vertriebskongress als Live-Stream veranstaltet.

Die Mehrzahl der teilnehmenden Vertriebler sieht die Zukunft günstig: Auf die Publikumsfrage sagten 44 Prozent, dass sie für die Branchenentwicklung der nächsten drei Jahre von einer gleichbleibenden Entwicklung ausgingen. Knapp 30 Prozent rechnen sogar mit einer besseren, aber nur gut 26 Prozent mit einer schlechteren Entwicklung.

Bei dieser Veranstaltung wurden neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie vor allem die Folgen eines Wechsels der Koalitionspartner in der nächsten Legislaturperiode 2021 diskutiert. Fraglich ist etwa, wie es mit den Obligatorien in der Altersversorgung und dem Provisionsdeckel weitergeht.

Podium beim Vertriebskongress (von links): Alban Senn, Wibke Becker, Leiterin Vertriebsweg Makler der Continentale, Bert Rürup, Helmut Hofmeier und Martin Klein (Bild: Continentale)
Podium beim Vertriebskongress (von links): Alban Senn, Wibke Becker, Leiterin Vertriebsweg Makler der Continentale, Bert Rürup, Helmut Hofmeier und Martin Klein (Screenshot: Lier)

Corona wirkt sich weniger aus als befürchtet

Dr. Helmut Hofmeier, Vorstandsmitglied des Kranken- und des Lebensversicherers der Continentale berichtete über die Auswirkungen der Coronakrise. Die habe die Produktion in der Versicherungsindustrie nur um ein Prozent gesenkt. Es habe längst nicht so viel Bestandsabrieb und Stundungen gegeben, wie befürchtet.

Dies gelte auch für die betriebliche Altersvorsorge. Bei der zum Konzern gehörenden Europa Lebensversicherung AG habe man für eine einstellige Zahl an Corona-Toten leisten müssen. Weder in der privaten Krankenversicherung noch in der Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU) bemerke man vermehrt Leistungsfälle.

In der Krankenversicherung gebe es allerdings für die pandemiebedingten Krankenhaus- und Hygienekosten einen einstelligen Millionenbetrag für Corona.

Votum empfiehlt mehr Social Media

Laut Dr. Alban Senn, Chief Medical Officer bei der Münchener Rückgruppe, führte die Pandemie bisher nur zu einer leichten Übersterblichkeit in der deutschen Bevölkerung, die keinen starken Effekt auf das Todesfallgeschäft gehabt habe. Dies vor allem auch, weil es sich bei der Mehrzahl der Verstorbenen um Personen im Alter über 75 Jahre gehandelt habe.

„Bei der Analyse von Langzeitschäden auf die BU sind wir noch nicht so weit. Da wird es einzelne geben, aber wenn wir eine zweite Welle verhindern können, wird sich auch das in Grenzen halten“, so Senn.

Martin Klein, Geschäftsführer des Votum Verband Unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Europa e.V., sagte, dass Vermittlerverbände aus Großbritannien, Spanien oder auch Luxemburg hingegen von Umsatzrückgängen bis zu 50 Prozent beklagten.

Er forderte die Vermittler auf, den „ehemaligen Hausbesuch“ nun digital zu führen und auch „Social Media voll mitzunehmen“. Im Hinblick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung solle man seine Kunden stärker „clustern und dort hingehen, wo man Neugeschäft machen“ könne.

Rürup sieht Vermittler als Verlierer der Digitalisierung

Professor Dr. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institute, äußerte sich zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die nicht nur von der Pandemie, sondern auch weiteren strukturellen Verwerfungen belastet sei, pessimistisch.

Deutschland werde erst im Sommer 2022 das wirtschaftliche Niveau von Anfang 2020 erreichen und die bis dahin drei verlorenen Jahres des Wachstums lange spüren. Die Vermittler sieht er als potenzielle Verlierer der Digitalisierung. Vieles könnte in den nächsten 15 Jahren von künstlicher Intelligenz und Plattformen übernommen werde.

Anders als in den Vorjahren wurde zu dieser Vertriebstagung keine Studie vorgelegt. Die seit 2000 jährlich erscheinende Continentale-Studie zu aktuellen Fragen des Gesundheitswesens soll zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen.

 
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