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Versicherer übernehmen sich bei der Digitalisierung

10.10.2018 – Alle Sparten der Assekuranzen in Deutschland sind extrem vom Thema Digitalisierung geprägt. Dabei übernehmen sich nach Meinung von Experten viele Versicherer. Noch „leben“ Versicherer zu 80 Prozent vom klassischen Geschäft. Nur zu 20 Prozent wird „experimentiert“.

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Auf der Konferenz „Insurance Today and Tomorrow“ des Management Centers of Competence Hartmut Löw (MCC) in Düsseldorf stand am Dienstag die Digitalisierung der Branche im Mittelpunkt.

Dabei übernehmen sich nach Meinung von Experten viele Versicherer. Noch „leben“ sie zu 80 Prozent vom klassischen Geschäft. Nur zu 20 Prozent wird „experimentiert“.

Viele Versicherer arbeiten an viel zu vielen Projekten auf einmal.

Dr. Björn Münstermann, McKinsey & Company

Mut des Managements ist gefragt

Björn Münstermann (Bild: Schmidt-Kasparek)
Björn Münstermann (Bild: Schmidt-Kasparek)

Diese 20 Prozent sollten von den Unternehmen systematisch überprüft werden. „Viele Versicherer arbeiten an viel zu vielen Projekten auf einmal“, sagte Dr. Björn Münstermann, Leiter des Beratungsbereichs Technologie & Operations in Versicherungen bei der McKinsey & Company. Es wäre oft ein größerer Gewinn, einige der Projekte zu stoppen.

„Das erfordert aber großen Mut des Managements“, so der Unternehmensberater. Unerlässlich sei es, jeden neuen Service „brutal“ aus Sicht der Kunden zu denken. Laut des Beraters ist die Digit General Insurance Limited ein besonders gelungenes Beispiel für eine einfache, digitale Versicherung.

Der indische Versicherer habe beispielsweise bei einer Flugverspätungs-Versicherung durch umfassende Analyse herausgefunden, dass bei den Kunden nach 75 Minuten der „Schmerzpunkt“ erreicht sei, an dem „Versicherung“ einsetzen müsse. Der Versicherer habe in kürzester Zeit mehrere 100.000 Kunden für Zusatzversicherung gewonnen.

Regulierung und Datenschutz hemmen Innovationen

In der Diskussion wurde jedoch deutlich, dass europäische Regulierung und Datenschutz die größten Hemmnisse für innovative Produkte sind. Beispiele aus dem Ausland seien daher nur bedingt auf den deutschen Markt übertragbar.

So will der Huk-Coburg Konzern mit hoher Leistung und günstigem Preis ein Ökosystem rund um die Mobilität aufbauen. Aktuell hat die Huk-Coburg einen neuen Kfz-Tarif auf den Markt gebracht, der in der Regel die Konkurrenz deutlich unterbietet.

Trotz der großen Bedeutung von Vergleichsportalen wie den Versicherungsmaklern Check24 Vergleichsportal GmbH und Verivox GmbH für die Autoversicherer, glaubt Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandschef der Huk-Coburg-Gruppe, dass er über die hohe Bekanntheit seiner Marke die Verbraucher erreicht.

Am liebsten wäre es uns, wenn alle über das Smartphone kommen.

Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandschef der Huk-Coburg-Gruppe

Huk-Coburg will Aggregatoren Paroli bieten

Klaus-Jürgen Heitmann (Bild: Schmidt-Kasparek)
Klaus-Jürgen Heitmann (Bild: Schmidt-Kasparek)

„Bei Autodingen sollen Verbraucher zuerst an die Huk-Coburg denken“, so Heitmann. Damit will er Aggregatoren Paroli bieten. Das soll auch dann funktionieren, wenn Kunden überwiegend Sprachassistenten zur Suche von Produkten im Internet nutzen. „Am liebsten wäre es uns, wenn alle über das Smartphone kommen.“

Derzeit ist das Unternehmen außerhalb seiner Kerngeschäftsfeldern im Bereich der Mobilität bei Reparaturen, Inspektionen, Reifenservice, Autokauf und Autoverkauf tätig. Künftig könnte Parken, Pflege der Fahrzeuge, Tanken und Autozubehörverkauf hinzukommen. Nach Einschätzung von Heitmann wird die Entwicklung in der Autoversicherung auch andere Sparten erreichen.

In der Schadenregulierung arbeitet der Versicherer an einfacherer Gestaltung von Fragen. „Wir müssen nicht immer alle Fragen sofort stellen, sondern sollten den Kunden erst einmal erzählen lassen“, so Heitmann. Bestimmte Fragen, etwa nach Alkohol, könne man dann notfalls im Nachgang stellen.

Thema am Rand der Konferenz war die Aktion von Check24, Versicherungen für Neukunden „bis zu einem Jahr kostenfrei“ anzubieten (VersicherungsJournal 8.10.2018). Die innovativen Ideen des Online-Versicherungsmaklers, auch wenn rechtlich möglicherweise problematisch, beeindrucken die Experten.

Es gibt hier nichts, was man nicht mit einem pfiffigen Portal digitalisieren kann.

Dr. Tobis Warweg, Vorstand der HDI Vertriebs AG

HDI versucht die Grenze zwischen Online und Offline zu überwinden

Tobis Warweg (Bild: Schmidt-Kasparek)
Tobis Warweg (Bild: Schmidt-Kasparek)

Eine interaktive Plattform für die Mitarbeiter von Geschäftskunden wird die HDI Vertriebs AG in Kürze starten. Mit dem „Finance Gate“ für Kunden werde die Grenze zwischen Online und Offline aufgehoben, denn mit dem versicherungs-unabhängigen Vertragsordner können die eigenen Versicherungen selbst gesteuert werden und Fragen an Experten gestellt werden.

Das Projekt will der HDI kurz vor der Messe DKM vorstellen, kündigte Dr. Tobis Warweg, Mitglied des Vorstands der HDI Vertriebs AG an. Als erste Kunden konnten die Telekom AG und die Siemens AG gewonnen werden. „Das gibt dem Portal einen starken Rückenwind“, so Warweg.

Nach Einschätzung des Versicherungsmanagers sei das Privatkundengeschäft für den persönlichen Vertrieb – Ausnahmen würden lediglich für die Berufsunfähigkeits- und private Krankenversicherung gelten – verloren oder zumindest erheblich bedroht.

„Es gibt hier nichts, was man nicht mit einem pfiffigen Portal digitalisieren kann“, so Warweg. Anders sehe das hingegen im gewerblichen Bereich aus, weil hier komplexe Prozesse abgebildet werden müssten.

Reiseversicherung künftig über Alexa abschließbar

Künftig können Verbraucher über den Sprachassistenten Alexa der Amazon Europe Core S.à r.l. eine Reise-Krankenversicherung bei der Europäischen Reiseversicherung AG abschließen.

„Sie kann auch direkt über die Amazon Pay-Funktion bezahlt werden“, sagte Dr. Clemens Muth, Mitglied des Vorstands der Ergo Group AG, deren Tochter die Europäische Reiseversicherung ist.

An einer Kooperation mit einem Megaportal arbeitet auch die Teckpro AG. „Unser Ziel ist es, dass die Kunden alle ihre persönlichen Daten selbst verwalten und per Smartphone jederzeit auf Basis dieser Daten bei beliebigen Vermittlern oder Assekuranzen eine Versicherungsabfrage starten können.“

Die Daten sollen auf dem Portal lediglich verwaltet werden und würden so vollkommen im Bereich des Kunden verbleiben. Der Datenschutz sei so vollkommen abgesichert.

In zehn Jahren werden deutlich weniger als 80 Lebensversicherer am Markt sein.

Dr. Renko Dirksens, Vorstand der Arag SE

BdV kritisiert Run-offs

Deutliche Kritik übte Constantin Papaspyratos, Sprecher der Stabstelle Rechts- und Fachberatung beim Bund der Versicherten e.V. (BdV) am externen Run-off von Lebensversicherungen. „Bisher konnte niemand erläutern, wie die Aufkäufer die Kostengewinne erzielen können, damit die Kunden Vorteile haben“.

Nach Ansicht von Dr. Renko Dirksens, Mitglied des Vorstandes der Arag SE ist aber ein externer Run-off für die Kunden auf jeden Fall besser, als die Verwaltung von immer kleiner werdenden Beständen durch die Lebensversicherer. Die Kosten würden dann ganz schnell überhandnehmen.

Dirksens: „In zehn Jahren werden deutlich weniger als 80 Lebensversicherer am Markt sein. Ich bin sicher, dass für die meisten der interne Run-off nur der zweitbeste Weg wäre.“

 
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