Unternehmen müssen Pensionsverpflichtungen neu berechnen

9.8.2018 – Die Pensionsverpflichtungen der Dax-Unternehmen sind laut einer Studie der Unternehmensberatung Willis Towers Watson im ersten Halbjahr leicht gestiegen. Durch die kürzlich aktualisierten Sterbetafeln wird ein Anstieg der bilanzierten Pensionsverpflichtungen um weitere 1,5 bis 2,5 Prozent erwartet. Als spezifisches Vermögen für die Zahlungen der Pensionsverpflichtungen wurden unverändert knapp 260 Milliarden Euro von den Dax-Unternehmen reserviert. Der Ausfinanzierungsgrad sank leicht. Kritisiert wird der seit 37 Jahren für die Steuerbilanz geltende Zinssatz von sechs Prozent.

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In der Modellberechnung „German Pension Finance Watch“ stellt die Willis Towers Watson GmbH (WTW) regelmäßig die Auswirkungen der Kapitalmarkt-Entwicklungen auf deutsche Benchmark-Pensionspläne dar.

Verpflichtungsumfang steigt durch aktualisierte Sterbetafeln

Die Pensionsverpflichtungen der Dax-Unternehmen sind nach Angaben der Unternehmensberatung im ersten Halbjahr um ein Prozent von 382,0 auf 385,9 Milliarden Euro gestiegen. Im MDAX lag der Anstieg mit 1,2 Prozent von 80,9 auf 81,9 Milliarden Euro etwas höher.

Neben den bekannten Effekten aus Zinsaufwand (Verzinsung bestehender Ansprüche), Dienstzeitaufwand (neu erdiente Ansprüche) und Leistungszahlungen wird die Entwicklung der Pensionsverpflichtungen insbesondere vom Rechnungszins beeinflusst. Der Rückgang des für die Bilanzierung anzusetzenden Rechnungszinses um drei Basispunkte in der ersten Jahreshälfte bewirkte eine leichte Erhöhung des Verpflichtungsumfangs.

Eine weitere Grundlage für die Berechnung der Verpflichtungen sind die Sterbetafeln. Herausgeber Heubeck erwartet, dass die im Juli aktualisierten Werte (VersicherungsJournal 23.7.2018) zu einem Anstieg der bilanzierten Pensionsverpflichtungen um weitere 1,5 bis 2,5 Prozent führen werden. „Der Effekt hängt aber von verschiedenen Faktoren ab und muss unternehmensspezifisch berechnet werden“, so Hanne Borst, Aktuarin bei WTW.

Planvermögen und Ausfinanzierung leicht rückläufig

Für die Vermögenswerte, die explizit für die Zahlung der Pensionsverpflichtungen reserviert sind, hat WTW aus den Geschäftsberichten der Dax-Unternehmen eine nahezu unveränderte Gesamtsumme von 257,1 Milliarden Euro angegeben. Im MDAX wurden 46,0 Milliarden Euro (+ 0,1 Prozent) ausgewiesen. Im ersten Halbjahr 2018 wurde eine Rendite von 0,7 im Dax-Plan erwirtschaftet.

Der Ausfinanzierungsgrad – Quotient aus Planvermögen und Pensionsverpflichtungen – sank durch die Veränderungen im bisherigen Jahresverlauf leicht: Bei den Dax-Unternehmen von 67,5 auf 66,6 Prozent, bei MDAX-Unternehmen von 56,8 auf 56,2 Prozent.

„Dass sich der Ausfinanzierungsgrad entlang der Parameter Rechnungszins, Inflationserwartung und Performance der Kapitalanlagen bewegt, ist völlig normal“, erklärte Dr. Heinke Conrads, die bei WTW das Beratungsgebiet betriebliche Altersversorgung (bAV) in Deutschland und Österreich verantwortet.

Dieser Zins ist schon lange nicht mehr marktkonform.

Dr. Heinke Conrads, WTW, über die für die Steuerbilanz vorgeschrieben sechs Prozent

Berechnungsgrundlagen regelmäßig überprüfen

Pensionswerke werden von ihrem wirtschaftlichen Umfeld – vor allem der Entwicklung an den Kapitalmärkten und der Veränderung der Lebenserwartung – beeinflusst. Daher müssen die Parameter, die für die Berechnung von Vermögen und Verpflichtungsumfang zugrunde gelegt werden, regelmäßig überprüft und aktualisiert werden.

„Auf diese Weise lassen sich Pensionswerke mit der gebotenen Sorgfalt steuern. Unternehmen können damit die Finanzierung ihrer Betriebsrenten gut planen. Das kommt auch den Mitarbeitern zugute, die sich auf ihre Altersversorgung verlassen können“, führte Conrads aus.

Allerdings ist für die Steuerbilanz seit 37 Jahren ein Zinssatz von sechs Prozent vorgeschrieben. „Dieser Zins ist schon lange nicht mehr marktkonform“, kritisierte Conrads. „Jedoch verweigert sich der Gesetzgeber einer längst überfälligen und von vielen Seiten geforderten Anpassung. Auch eine Klage beim Bundes-Verfassungsgericht hierzu hängt an.“

Realistischer Steuersatz würde Milliarden sparen

Die Anpassung des Rechnungszinses für die Steuerbilanz nach unten würde zu einem Anstieg der steuerlichen Pensionsrückstellungen führen und damit die Unternehmen steuerlich entlasten. Conrads würde es begrüßen, „wenn die Politik diesen Schritt endlich geht“.

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln schätzt, dass sich die Mehrbelastung der deutschen Unternehmen durch den überhöhten steuerlichen Rechnungszins allein für den Zeitraum 2008 bis 2014 auf 20 bis 25 Milliarden Euro summiert.

Die Bundesregierung hatte dagegen erst kürzlich erklärt, dass sie keinen Änderungsbedarf sehe (VersicherungsJournal 23.7.2018).

 
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