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Unglück beim Sport: Wer haftet für die Folgen?

23.3.2020 – In einer Kletteranlage war ein durch einen abstürzenden Sportler ein Passant schwer verletzt worden. Wegen organisatorischer Mängel ist die Betreiberin der Einrichtung zumindest ganz überwiegend zur Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld verpflichtet. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 17. März 2020 hervor (6 U 194/18).

Ein Mann wollte im Oktober 2011 einen Durchgangsbereich zwischen zwei Hallen einer Kletteranlage durchqueren, als unvermittelt ein sich dort in der Wand befindlicher Sportler abstürzte und ihn unter sich begrub. Bei dem Vorfall wurde er schwer verletzt und erlitt unter anderem eine Querschnittslähmung.

Querschnittslähmung: Fehlverhalten der sichernden Kletterer?

In dem knapp drei Meter breiten und acht Meter langen Durchgang befanden sich an den beiden Seitenwänden ebenfalls Klettervorrichtungen. Der Abgestürzte wurde zwar durch eine Person gesichert. Aus ungeklärten Gründen kam es trotz allem zu dem Fall.

Der Querschnittsgelähmte hielt sowohl den Kletterer und seine ihn sichernde Partnerin als auch die Betreiberin der Anlage für den Unfall verantwortlich. Er verklagte sie daher auf Zahlung von Schadenersatz sowie eines Schmerzensgeldes. Damit hatte er teilweise Erfolg.

Das in erster Instanz mit dem Fall befasste Stuttgarter Landgericht gab ausschließlich der sichernden Frau die Schuld an dem Unglück. Denn sie sei es gewesen, welche den Absturz hätte verhindern können. Eine Haftung der Unternehmerin wegen der Verletzung ihrer Verkehrssicherungs-Pflicht wurde von den Richtern hingegen verneint.

Betreiberin muss Schadenersatz und Schmerzensgeld zahlen

Gegen dieses Urteil legten sowohl der Verletzte als auch die mit der Seilsicherung betraute Frau Berufung beim Oberlandesgericht Stuttgart ein. Das befragte mehrere Zeugen sowie einen Sachverständigen und hielt nach einer sehr aufwändigen Beweiserhebung überwiegend die Betreiberin der Kletteranlage für den Unfall verantwortlich.

Nach Ansicht der Richter konnte ein fahrlässiges Fehlverhalten der sichernden Frau nicht festgestellt werden. Diese habe sich in erster Linie auf den Kletterer zu konzentrieren gehabt. Sie habe folglich nicht bemerken können, dass sich hinter ihr zum Zeitpunkt des Absturzes ihres Partners der Kläger in dem möglichen Sturzbereich befand.

„Nach den nachvollziehbaren und das Gericht überzeugenden Ausführungen des gerichtlichen Sachverständigen ist nicht auszuschließen, dass es durch eine Verkettung unglücklicher, der Beklagten nicht im Sinne einer Fahrlässigkeit vorzuwerfender Umstände zu dem bodennahen Sturz des Kletterers kam“, so die Richter.

Den Kletterer selbst hielt das Gericht ebenfalls nicht für das Unglück verantwortlich. Bei ihm habe sich ein für eine Kletteranlage typisches Risiko verwirklicht.

Betreiberin der Kletterhalle verletzte Verkehrssicherungs-Pflicht

Der Unfall des Klägers sei aber in erheblichem Maße auf ein Fehlverhalten der Betreiberin der Kletteranlage zurückzuführen. Denn angesichts der räumlichen Enge in dem stark frequentierten Durchgangsbereich sei voraussehbar gewesen, dass dort wesentlich häufiger als in anderen Bereichen der Anlage Nutzer in den Sturzraum von Kletterern geraten könnten.

Die Unternehmerin hätte daher Vorkehrungen gegen mögliche Unfälle durch Abstürzende treffen müssen. Da das nicht geschehen sei, habe sie ihre Verkehrssicherungs-Pflicht verletzt.

Das Gericht zeigte sich jedoch davon überzeugt, dass der Geschädigte, der selbst Kletterer war, die Gefahrensituation hätte erkennen und vermeiden können. Es lastete ihm daher ein Mitverschulden von einem Viertel an seinem Unfall an. Die Richter sahen keine Veranlassung, eine Revision gegen ihr Urteil zuzulassen.

In dem Verfahren vor dem Berufungsgericht wurde ausschließlich eine Entscheidung zur Haftungsfrage getroffen. In einem weiteren Verfahren muss nun über die Höhe der Ansprüche des Mannes entschieden werden.

 
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