WERBUNG

Trendumkehr bei der Lebenserwartung

19.10.2018 – Neugeborene Jungen können laut der neuen Sterbetafel 2015/2017 von Destatis statistisch gesehen damit rechnen, 78,4 Jahre alt zu werden. Bei neugeborenen Mädchen sind es 83,2 Jahre. Im Vergleich zur vorigen Tafel gab es nur noch ein minimales Plus bei den Männern, bei den Frauen sogar einen leichten Rückgang. Damit hat sich der langfristige Trend abgeschwächt beziehungsweise umgekehrt. Die aktuelle statistische Lebenserwartung liegt allerdings immer noch fast sechs Jahre (Jungen) beziehungsweise über vier Jahre (Mädchen) höher als Anfang der 1990er-Jahre. 65-Jährigen haben eine verbleibende Lebenserwartung von 17,8 Jahren (Männer) beziehungsweise 21,0 Jahren (Frauen).

WERBUNG

Nach der jetzt vom Statistischen Bundesamt (Destatis) vorgelegten Periodensterbetafel 2015/2017 beträgt die statistische Lebenserwartung für neugeborene Jungen fast 78,4 Jahre. Für neugeborene Mädchen sind es knapp 83,2 Jahre.

Im Vergleich zur Sterbetafel 2014/2016 (VersicherungsJournal 27.3.2018) hat sich die Lebenserwartung nur geringfügig verändert. Sie erhöhte sich bei den männlichen Neugeborenen um 0,05 Jahre, während es bei den weiblichen Neugeborenen sogar um 0,02 Jahre bergab ging.

Im Vergleich zur Sterbetafel 2005/2007 (VersicherungsJournal 25.8.2008) ist die Lebenserwartung für neugeborene Jungen um 1,5 Jahre gestiegen. Für neugeborene Mädchen ist sie in etwa gleich geblieben.

Perioden- versus Kohorten-Sterbetafel

Die aktuelle Periodensterbetafel der amtlichen Statistik basiert nach Angaben von Destatis auf den Daten über die Gestorbenen und die Durchschnitts-Bevölkerung der letzten drei Jahre.

Periodensterbetafel: Querschnittsbetrachtung

Es handelt sich hierbei um eine Momentaufnahme der Sterblichkeits-Verhältnisse der gesamten Bevölkerung für diesen Zeitraum. Dadurch zeigt sich im Ergebnis, wie viele (weitere) Lebensjahre eine Person vor sich hätte, wenn sie ein Leben lang den Sterblichkeits-Verhältnissen des Betrachtungszeitraums ausgesetzt wäre.

Aus Periodensterbetafeln können laut Destatis keine Annahmen darüber abgeleitet werden, wie sich die Sterblichkeits-Verhältnisse in Zukunft verändern werden.

Kohortensterbetafel: Längsschnitts-Betrachtung

Hierfür gibt es sogenannten Kohortensterbetafeln (VersicherungsJournal 26.6.2017). Dabei handelt es sich um eine Längsschnittbetrachtung.

„Für die Berechnung von Kohortensterbetafeln werden die Sterbefälle und die Bevölkerungszahlen eines Geburtsjahrgangs über die Zeit hinweg betrachtet. Kohortensterbetafeln sind als Modellrechnung anzusehen, weil einerseits bei älteren Geburtsjahrgängen Datenlücken geschlossen und Gebietsveränderungen berücksichtigt werden müssen“, so das Statistische Bundesamt.

Anderseits seien Schätzungen zur Sterblichkeit der Geburtsjahrgänge notwendig, deren Angehörige noch leben. Mit den Kohortensterbetafeln könne dann jedoch der Frage nachgegangen werden, welche durchschnittliche Lebenserwartung einzelne Geburtsjahrgänge unter Berücksichtigung der möglichen künftigen Entwicklung der Sterblichkeit erreichen könnten.

Das Statistische Bundesamt weist explizit darauf hin, dass beide Arten von Sterbetafeln stets Durchschnittswerte beinhalten. Die individuellen Überlebensperspektiven könnten je nach Lebensverhältnissen, Lebensführung, Beruf, gesundheitlicher Verfassung und weiteren Faktoren „ganz erheblich“ von den Durchschnittswerten abweichen.

60-Jährige haben durchschnittlich noch fast 20 Jahre vor sich

20-jährige Männer haben nach der aktuellen Tafel noch eine verbleibende Lebenserwartung von 58,8 Jahren, im Alter von 50 sind es noch 30,1 Jahre. 60-jährige Herren können statistisch gesehen damit rechnen, 81,6 Jahre alt zu werden. Bei 80-Jährigen liegt der Wert bei 87,9 Jahren.

Für 20-jährige Frauen beträgt die verbleibende Lebenserwartung den aktuellen Destatis-Daten zufolge noch 63,6 Jahre. Im Alter von 50 sind es noch 34,4 Jahre. 60-jährige Damen können statistisch gesehen damit rechnen, 85,3 Jahre alt zu werden. Bei 80-Jährigen liegt der Wert bei 89,4 Jahren.

Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte, beläuft sich die noch verbleibende Lebenserwartung von 65-jährigen Männern aktuell auf 17,8 Jahre. Bei 65-jährigen Frauen sind es statistisch gesehen 21,0 weitere Lebensjahre.

Lebenserwartung in Deutschland (Bild: Meyer)

Unterschiede in den Bundesländern

Deutliche Unterschiede zeigen sich auf der Ebene der einzelnen Bundesländer. So liegt die Lebenserwartung bei Geburt für einen Jungen in einer Spannbreite zwischen 76,2 Jahren in Sachsen-Anhalt sowie 79,5 Jahren in Baden-Württemberg.

Bei den Mädchen sind es statistisch gesehen minimal 82,2 Jahre im Saarland und maximal 84 Jahre in Baden-Württemberg, wie aus den jetzt vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Daten weiter hervorgeht.

Den stärksten Zugewinn an durchschnittlicher Lebenserwartung gab es im Vergleich zur Sterbetafel 1993/1995 für männliche Neugeborene in Brandenburg mit plus 7,6 Jahren. Bei den Mädchen trifft dies auf Mecklenburg-Vorpommern zu (plus 5,5 Jahre).

Nur um drei Jahre ist im Vergleichszeitraum die durchschnittliche Lebenserwartung für weibliche Neugeborene in Niedersachsen gestiegen. Bei den Jungen ist in Schleswig-Holstein mit 4,4 Jahren die geringste Zunahme zu beobachten.

Bild: Destatis
Bild: Destatis

Annäherung zwischen Ost und West

Die Destatis-Daten zeigen weiter, dass sich die Lebenserwartung zwischen den alten und den neuen Bundesländer seit der Wiedervereinigung deutlich angenähert hat. Bei den Männern hat sich die Differenz von 3,2 Jahren (Sterbetafel 1991/1993) auf aktuell 1,3 Jahre mehr als halbiert.

Bei den Frauen ist seit der Sterbetafel 2012/2014 keine Differenz mehr zwischen Ost und West feststellbar (VersicherungsJournal 7.3.2016). Nach der Tafel 1991/1993 waren es noch 2,3 Jahre.

„Es wird angenommen, dass Verbesserungen in der medizinischen Versorgung und den allgemeinen Lebensbedingungen in den neuen Ländern zu der raschen Anpassung in der Lebenserwartung in der Zeit nach der deutschen Vereinigung beigetragen haben“, führt Destatis als mögliche Begründung an.

Deutliche Zunahme

In Relation zur Sterbetafel 1991/1993, als die erste Tafel für Deutschland nach der Wiedervereinigung erstellt wurde, zeigt sich laut Destatis auch in allen Altersstufen eine deutliche Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung. Bei Geburt gab es ein Plus von 5,9 Jahren bei den Jungen und von 4,2 Jahren bei den Mädchen.

20-jährige Männer können nach der neuesten Sterbetafel statistisch gesehen mit einer um 5,4 Jahre höheren ferneren Lebenserwartung von 58,8 Jahren rechnen. Bei ihren Altersgenossinnen steigt die fernere Lebenserwartung um 3,9 Jahre auf 63,6 Jahre.

Ein 60-Jähriger wird nach der neuesten Sterbetafel statistisch gesehen 81,6 Jahre alt. Eine 60-Jährige kann statistisch gesehen damit rechnen, 85,3 Jahre alt zu werden. Im Vergleich zur Sterbetafel 1991/1993 bedeutet dies ein Plus von 3,8 Jahren (Herren) beziehungsweise 3,1 Jahren (Damen).

Bild: Destatis
Bild: Destatis

Versicherer mit eigenen Sterbetafeln

Auch für die Versicherer sind Lebenserwartung und Sterbe-Wahrscheinlichkeit wichtige Größen für die Tarifkalkulation.

Allerdings arbeitet die Versicherungswirtschaft nicht mit den Destatis-Daten. Hierzu hatte die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) vor drei Jahren auf Anfrage erklärt, dass bei den DAV-Sterbetafeln grundsätzlich beachtet werden müsse, dass Versicherer bei Renten- oder Lebensversicherungs-Verträgen langfristige Garantien aussprechen würden.

Sie seien deshalb vom Gesetzgeber verpflichtet worden, die Versicherungstarife vorsichtig zu kalkulieren. „Aufgrund dieser Sicherheitszuschläge weichen die Daten der DAV zur Sterblichkeit der Versicherten nachweislich von den Zahlen der Bevölkerung, die durch das Statistische Bundesamt errechnet werden, ab“, (VersicherungsJournal 23.4.2015).

Privat Krankenversicherte leben länger

In der privaten Krankenversicherung werden die Sterbetafeln seit 2007 jährlich aktualisiert. „Da die Krankheitskosten in der Regel mit zunehmendem Alter steigen, kommt den Sterbe-Wahrscheinlichkeiten eine sehr hohe Bedeutung zu“, erläutert die Aktuarvereinigung in der Ausgabe 41 von „Aktuar Aktuell“, dem Verbandsorgan der DAV.

„Die PKV-Sterbetafeln berücksichtigen, dass die Lebenserwartung der Versicherten höher ist als in der Gesamtbevölkerung. Durch regelmäßige Aktualisierungen dieser Sterbetafeln werden sprunghafte Beitragsänderungen aufgrund steigender Lebenserwartung vermieden“, heißt es weiter.

Leserbriefe zum Artikel:

+Peter Schramm - Gewichtung nach Rentenhöhen in Sterbetafeln. mehr ...

Peter Schwark - Lebenserwartung wird systematisch deutlich zu gering eingeschätzt. mehr ...

Peter Schwark - Nur eine einmalige Schwankung. mehr ...

 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie tickt Ihr Kunde?

In manchen Verkaufs-
gesprächen rennt man immer wieder gegen die Wand.

Woran es liegt und was Sie daran ändern können, erfahren Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
27.3.2018 – Die Bundesbürger werden immer älter. Jetzt hat das Statistische Bundesamt neue Zahlen bekanntgegeben, wie sich die Lebenserwartung der Deutschen bei Geburt und in bestimmten Lebensaltern aus statistischer Sicht verlängert. (Bild: Destatis) mehr ...
 
4.9.2017 – Das neue Recht zum Versicherungsvertrieb wird sehr unterschiedlich interpretiert. Auf einer Tagung wurde um die Vergütung für die Vorsorgeberatung gestritten. Daneben gab es wissenschaftlichen Beistand für den Vertrieb von privaten Rentenversicherungen. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
21.10.2016 – Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen bekannt gegeben, wie hoch die Lebenserwartung der Bundesbürger bei Geburt und in bestimmten Lebensaltern aus statistischer Sicht ist. Je nach Bundesland gibt es deutliche Unterschiede. (Bild: Destatis) mehr ...
 
10.9.2015 – Neue Lebensversicherungs-Produkte sollen Kunden stärker vom Aktienmarkt profitieren lassen. Das besondere Augenmerk liegt auf der Gestaltung der dann noch vorhandenen Garantien. Ein Gastbeitrag von Philip Wenzel (Bild: Wenzel) mehr ...
 
29.4.2011 – Für die Aktuare stellen Unisex-Tarife eine große Herausforderung dar, denn mit Unsterblichkeit gesegnete geschlechtslose Engel gibt es auf der Erde nicht, wie die Deutsche Aktuarvereinigung unterstrich. Dennoch sei die Aufgabe lösbar. mehr ...
 
25.1.2010 – Branchengeflüster: Als ausgewiesener Branchenkenner hat Dr. Marc Surminski wieder überraschende Antworten auf die Frage, worauf sich die Versicherungsbranche und die Vermittler einstellen müssen. mehr ...
 
18.5.2018 – Die Zukunft der Lebensversicherung in Deutschland sieht viel rosiger aus, als viele Kritiker glauben. Das behauptet zumindest der zuständige Ergo-Manager in einem Pressegespräch, in dem es auch um künftige Produkt- und Vertriebsstrategien ging. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
25.4.2017 – Die DAV-Sterbetafeln stehen immer wieder bei Verbraucherschützern in der Kritik. Warum Versicherer anders kalkulieren als das Statistische Bundesamt, erläutern die Aktuare in ihrer Mitgliederzeitschrift. mehr ...
WERBUNG