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Schwerstbehindert nach grobem Behandlungsfehler

19.11.2019 – Erleidet ein Kind einen schweren Hirnschaden, weil die Ärzte während der Geburt seinen Herzschlag mit dem der Mutter verwechselt haben, so steht ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 500.000 Euro zu. Ihm sind außerdem sämtliche Vermögensschäden zu ersetzen, die wegen des ärztlichen Kunstfehlers bereits entstanden sind beziehungsweise künftig noch entstehen werden. Dies entschied das Oberlandesgericht Oldenburg in einem Urteil vom 13. November 2019 (5 U 108/18).

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Der Entscheidung lag der Fall eines Mädchens zugrunde, das infolge einer Sauerstoff-Unterversorgung vor der Geburt einen schweren Hirnschaden erlitten hatte. Das Kind ist schwerstbehindert und wird Zeit seines Lebens auf fremde Hilfe angewiesen sein.

Reihe von Fehlern

Etwa 45 Minuten vor der Entbindung war die Herzfrequenz des Mädchens stark abgefallen. Der sogenannte Wehenschreiber zeichnete für circa zehn Minuten keinen Herzschlag mehr auf, und zwar weder den des Kindes, noch den der Mutter.

Als nach dieser Zeit wieder eine normgerechte Frequenz erfasst wurde, hielten die Ärzte diese für die des Kindes. Sie schlossen daraus, dass es sich wieder erholt hatte.

Das sollte sich als Fehler erweisen. Denn wie sich später herausstellte, handelte es sich um den Herzschlag der Mutter. Als die Ärzte ihre Fehlinterpretation bemerkten und endlich reagierten, war das Gehirn des Kindes durch die unzureichende Sauerstoffversorgung bereits erheblich geschädigt.

Unzureichende Folgemaßnahmen

Auch bei den Folgemaßnahmen wurden erhebliche Fehler gemacht. So wurde nach Angaben der Mutter nach der Geburt nicht sofort mit den Reanimations-Maßnahmen begonnen.

Es habe kein Beatmungsbeutel zur Verfügung gestanden und die Maskenbeatmung sei versehentlich ohne Druck erfolgt. Ein zu Hilfe gerufener Notarzt soll außerdem mit einer zehnminütigen Verspätung im Kreißsaal erschienen sein.

Grober Behandlungsfehler

Mit diesen Vorwürfen musste sich das Oldenburger Oberlandesgericht nach eigener Aussage jedoch nicht befassen. Denn allein das vorangegangene Vorgehen der Ärzte habe einen groben Behandlungsfehler dargestellt.

Angesichts des Verdachts, dass ein kindlicher Herzfrequenz-Abfall vorliegt, hätten diese sich auf andere Art und Weise über den Zustand des Mädchens informieren müssen. Nach Meinung eines vom Gericht befragten Sachverständigen wäre hierzu zum Beispiel der Einsatz einer sogenannten Kopfschwartenelektrode geeignet gewesen. Eine derartige Maßnahme habe man jedoch unterlassen.

Vergleichbarer Fall

Das Oberlandesgericht schloss sich mit seiner Berufungsentscheidung im Wesentlichen dem gleichlautenden Urteil des Landgerichts Osnabrück an. Das hatte sich in erster Instanz mit dem Fall befasst.

In einem vergleichbaren Fall hat das Oberlandesgericht Hamm einem Kind ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro zugesprochen (VersicherungsJournal 8.5.2019).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Schmerzensgeld · Vermögensschaden
 
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