Schlamperei bei Absturzsicherung

10.5.2019 – Verletzt sich ein Hotelgast beim Sturz aus einem Hochbett, kann der Hotelier nur dann nicht für die Folgen zur Verantwortung gezogen werden, wenn er nachweist, dass an dem Bett eine ausreichende Absturzsicherung angebracht wurde. Das hat das Amtsgericht Nürnberg mit einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil vom 24. April 2019 entschieden (19 C 7391/18).

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Der Entscheidung lag der Fall eines 13-Jährigen zugrunde, der zusammen mit seiner Mutter und deren Lebensgefährten in einem Familienzimmer im Hotel des Beklagten übernachtet hatte. Das Kind schlief in einem Hochbett, als es morgens um 4.00 Uhr plötzlich nach unten fiel.

Unzureichende Sicherung?

Für die Verletzungen, die beim Sturz entstanden waren, machte der Junge, vertreten durch seine Mutter, den Betreiber des Hotels verantwortlich. Er warf diesem vor, nur deswegen aus dem Bett gefallen zu sein, weil dieses unzureichend vor einem Absturz gesichert gewesen war.

Der Beschuldigte hielt den Vorwurf für unbegründet. Er behauptete, dass das Kind ebenso gut aus eigenem Verschulden aus dem Bett gestürzt sein könnte. Es sei zwar richtig, dass sich die Absturzsicherung nicht über die gesamte Bettlänge erstreckt habe. Das sei allerdings auch nicht erforderlich gewesen.

Verletzung vertraglicher Pflichten

Dieser Argumentation wollte sich das Nürnberger Amtsgericht nicht anschließen. Es gab der Klage des Jungen auf Zahlung von Schadenersatz sowie eines Schmerzensgelds statt.

Nach Überzeugung des Gerichts hat der Hotelier seine Pflichten aus dem Beherbergungsvertrag verletzt, indem er das Hochbett nicht mit einer ausreichenden Absturzsicherung versehen hatte. Denn nach der DIN-Norm, die für derartige Betten gilt, müssten diese mit einer Sicherung versehen sein, die mindestens 16 Zentimeter über die Oberkante der Matratze hinausragt. Lediglich für den Einstiegsbereich wäre dies auf einer Breite von 30 bis 40 Zentimeter nicht vorgeschrieben.

Beweis des ersten Anscheins

Eine der DIN-Norm entsprechende Sicherung sei aber nur in der Mitte des Bettes vorhanden gewesen. Der beklagte Hotelbetreiber könne sich daher nicht darauf berufen, dass sich das Kind möglicherweise aus eigenem Verschulden verletzt hat. Angesichts der unzureichenden Sicherung spreche der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass diese für den Sturz des Jungen ursächlich gewesen war.

Letzten Endes sei ein solcher Fall nur dann vorstellbar, wenn entweder der Oberkörper oder der Unterkörper so weit über den Rand des Bettes hinausragen, dass der Schwerpunkt sich nach außerhalb verlagert. Eine Absturzsicherung sei genau dazu gedacht, dies zu verhindern, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Beitragsrückerstattung · Schadenersatz · Schmerzensgeld
 
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