22.10.2019 (€) – Die in Abwicklung befindlichen Lebensversicherer konnten ihre Profitabilität erhöhen, doch daran werden die Versicherungsnehmer nur unterdurchschnittlich beteiligt. Das zeigt eine Studie von Assekurata.
In den letzten Jahren sind zahlreiche Lebensversicherer an Abwicklungsplattformen verkauft worden. Zuletzt war die Generali Lebensversicherung AG mehrheitlich von der Viridium Gruppe übernommen (VersicherungsJournal 10.4.2019) und dann in Proxalto Lebensversicherung AG umbenannt worden (1.7.2019).
Solche Run-offs lösen bei manchen Betroffenen die Befürchtung aus, von den Erwerbern schlechter behandelt zu werden, weil diese nicht mehr im Wettbewerb stehen.
Sieben Unternehmen im Blick
Wie sich die Lage der in Abwicklung befindlichen Gesellschaften aus Sicht der Kunden und der Investoren anhand der Geschäftszahlen 2009 bis 2018 darstellt, hat die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH untersucht.
In ihrer Studie „Run-off in der Lebensversicherung 2019“ konzentrieren sich die Analysten auf die derzeit sieben externen Run-offs deutscher Anbieter. Diese repräsentierten mit einem Prämienvolumen von 4,1 Milliarden Euro knapp fünf Prozent Marktanteil.
Betrachtet wurden die Gesellschaften von drei Plattformen:
- Viridium-Gruppe: Skandia Lebensversicherung AG, Heidelberger Lebensversicherung AG, Entis Lebensversicherung AG (ehemaliger Bestand der Protektor Lebensversicherung AG), Proxalto Lebensversicherung AG.
- Frankfurter-Leben-Gruppe: Frankfurter Lebensversicherung AG (ehemals Basler Leben AG Direktion für Deutschland), Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG (ehemals Arag Lebensversicherung-AG).
- Athora-Gruppe: Athora Lebensversicherung AG (ehemals Delta Lloyd Lebensversicherung AG).
Dabei wurde auf eine Auswertung der Proxalto verzichtet, da die Datenhistorie für aussagekräftige Analysen zu kurz sei. Stattdessen wurde die in interner Abwicklung befindliche Victoria Lebensversicherung AG einbezogen, da sie „aufgrund ihrer Größe und der langen Run-off-Zeitreihe von hoher Bedeutung ist“.
Unterdurchschnittliche Finanzkraft
Zur Finanzkraft der Gesellschaften stellt Assekurata fest, dass die gesetzlichen Solvenz-Anforderungen von allen erfüllt werden. Dafür müssten einige Unternehmen die zulässigen Übergangshilfen in Anspruch nehmen. Insgesamt lägen alle untersuchten Versicherer unter dem Marktdurchschnitt.
Ob die oft in Aussicht gestellten Ersparnisse bei den Verwaltungskosten tatsächlich realisiert wurden, ließ sich nicht in jedem Falle feststellen. Manche Unternehmen hätten die Bestandsverwaltung ausgelagert, so dass sich die Kosten bilanziell nicht mehr auf Unternehmensebene nachvollziehen ließen.
Die Run-off-Versicherer haben laut der Studie in den vergangenen beiden Geschäftsjahren im Mittel einen sehr viel höheren Rohüberschuss in Prozent der gebuchten Bruttoprämien als der Markt erwirtschaftet. Das sei gelungen, obwohl keines der untersuchten Unternehmen eine marktkonforme laufende Durchschnittsverzinsung erwirtschaftet habe.
Geringerer Anteil am Überschuss
Aus Sicht der Versicherungsnehmer ist bedeutsam, wie stark sie am Unternehmenserfolg beteiligt werden.
Dazu hat Assekurata dem Kundenanteil unter Berücksichtigung von Rechnungszinsen, Zuführung zur Zinszusatzreserve (ZZR), Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) und der Direktgutschrift ausgewertet. Dies betrug im Jahr 2018 im Marktdurchschnitt 96 Prozent. Bei den Run-off-Gesellschaften waren es 91 Prozent.
Ohne Berücksichtigung der Garantiezinsen, ist der Kundenanteil am Rohüberschuss bei den Unternehmen in Abwicklung deutlich geringer als im Branchenschnitt. 2018 erhielten die Run-off-Kunden einen Anteil von 58 Prozent, während der Mittelwert aller Marktteilnehmer bei 86 Prozent lag. Dabei wies Entis mit 77 Prozent die höchste Ausschüttungsquote aus und die Victoria mit 33 Prozent die niedrigste.

- ZBeteiligung der Versicherungsnehmer an den Überschüssen (Bild: Assekurata)
Aus den unterschiedlichen Abweichungen der Beteiligungsquoten schließen die Analysten, dass bei den Run-off-Versicherern das Garantiezinsniveau überdurchschnittlich ist. Die Profitabilität des Geschäfts aus Investorensicht hat nach den Beobachtungen von Assekurata im Zeitverlauf zugenommen.
Bezugshinweis
Die 43-seitige Studie „Run-off in der Lebensversicherung 2019“ einschließlich Einzelauswertungen im PDF-Format sowie wesentliche Studiendaten im Excel-Format können für 998,41 Euro einschließlich Mehrwertsteuer online bestellt werden.




