13.2.2025 (€) – Die Private Unfallversicherung leidet unter Kundenschwund und höherem Schadenaufwand. Sie sollte sich neu erfinden. So die Diskussionsergebnisse auf einer Fachtagung.
Die Komplexität der privaten Unfallversicherung ist eines der großen Hindernisse für den Absatz des Produktes, so die einstimmige Meinung der Branchenvertreter am Mittwoch auf der MCC-Tagung „Unfallversicherung 2025“.
Bei bestimmten Verletzungen sollte immer geleistet werden
Am Beispiel einer Achillessehnenruptur zeigten Expertinnen der E+S Rückversicherung AG auf, wie langwierig die Regulierung ist. Bespielweise müsse geprüft werden, in welcher Form erhöhte Kraftanstrengung, Eigenbewegung und Mitwirkungsanteil eine Rolle spielen und im versicherten Tarif eingeschlossen sind.
Nach einer Markterhebung der Gesellschaft leisten am Ende moderne Tarife bei dieser Verletzung fast immer. „Wir sollten daher darüber nachdenken, ob die Regulierung nicht viel einfacher wäre, wenn es einen Katalog von Verletzungen geben würde, bei denen immer geleistet wird“, so die Anregung von Dr. Sonja Possin, Ärztliche Referatsleiterin bei der E+S.
In den Diskussionen auf der Fachtagung wurde deutlich, dass die Unfallversicherung einfacher und für den Kunden verständlicher sein sollte. Progression und Gliedertaxe seien beispielsweise für Laien nur schwer verständlich.
Assistance-Leistungen müssen stärker vermittelt werden
Zudem soll die private Unfallversicherung erlebbarer werden. „Assistance-Leistungen sollten kurzfristige und schnell Notlagen lösen“, erläuterte Christoph Meurer, Vorstand der Itzehoer Versicherung/Brandgilde von 1691 VVaG. Diese Zusatzleistungen sollten vom Vertrieb bei der Vermittlung von privaten Unfallversicherungen den Kunden nahegebracht werden.
So bietet die Assekuranz eine telefonische vertrauliche Lebensberatung seit 2021 über einen externen Dienstleister an, die ohne Unfall genutzt werden darf. Meurer: „Wir zahlen, damit die Menschen jemand finden, der sie unterstützt.“

- Christoph Meurer (Bild: Schmidt-Kasparek)
Der Service wird von ausgebildeten Psychologen geleistet. Es gibt auch eine Unfallnachsorge sowie klassische Hilfeleistungen im Alltag nach einem Unfall, wie Einkaufen oder Putzen.
Viele Kunden sind bereit, ihre Story, bei dem die Assistance genutzt wurde, mit der Assekuranz zu teilen. „Das nutzt der unser Vertrieb als positive Botschaft bei der Vermittlung neuer Verträge“, so Meurer. Assistance helfe, eine höhere Kundenloyalität zu erreichen.
Die Bayerische bietet Vorsorgebudget für Sicherheit
Ein Vorsorgebudget bietet BA die Bayerische Allgemeine Versicherung AG an. „Wir wollen vor, während und nach dem Unfall als Kümmerer und Lotse wahrgenommen werden“, so Stephanie Kern, die bei der Bayerischen das Geschäftsfeld Menschversicherung leitet. Unfallversicherte könnten alles erwerben, was die Sicherheit erhöht.
Das gehe vom Schwimm- oder Kletter-Kurs bis hin zum Fahrradhelm. „Die Kunden erleben einen sofortigen Cash-Back aus ihrer Unfallversicherung.“ Derzeit umfasst das Budget 100 Euro für drei Jahre Vertragslaufzeit.

- Stephanie Kern (Bild: Schmidt-Kasparek)
Deutlich wurde jedoch im Forum, dass viele Vermittler die Assistance-Leistungen selten in den Vordergrund bei der Kundenansprache stellen.
Dabei gibt es mittlerweile einen deutlichen Trend zur Unfall-Tarifen mit eingeschlossenen Reha-Leistungen. Die E+S schätzt den Anteil am Markt auf schon beinahe 50 Prozent. „Überwiegend wird diese Leistung aber in Premium-Tarifen angeboten“, erläuterte Possin.
Reha-Tarife im Trend
Als großes Problem wurde die schnelle Meldung des schwer verletzten Versicherten an den Versicherer genannt, damit dieser frühzeitig Reha-Maßnahmen einleiten kann. „Eine Idee wäre es, wenn die Kunden ihre Krankenversicherungskarte mit einem kleinen Aufkleber versehen“, regte E+S-Bereichsleiterin Mariko Wassy an.
Auch Krankenhäuser sollten über den Reha-Service der Unfallversicherer informiert werden. Nach Einschätzung von Possin, die aktiv als Chirurgin stationär gearbeitet hat, wären die Krankenhäuser gerne bereit, hier zu helfen, wenn sie entsprechende Informationen erhalten würden.
„Die Kfz-Versicherer sind hier mit ihrem Reha-Management uns voraus“, erläuterte Thomas Lämmrich, Leiter Haftpflicht, Unfall, Rechtsschutz, Kredit und Assistance beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).
Die Unfallversicherer sollten daher mit ihnen kooperieren. Zudem sollten die Ausschlüsse überarbeitet werden, das gelte etwa für Rennveranstaltungen. „Wenn wir Drachenfliegen versichern, könnten wir das auch für Kunden, die mal auf den Nürburgring gehen“, so Lämmrich.
Prokundo erhöht die Leistung bei geringen Invaliditätsgraden
Nach eigenen Angaben großen Erfolg hat die Vertriebsmarke Prokundo GmbH der Volkswohl Bund Sachversicherung AG mit dem Tarif „ProTaxe“. Damit werden die Leistungen auch bei kleinen Invaliditätsgraden deutlich erhöht.

- Mehrleistungen verkaufen sich gut (Bild: Prokundo)
„Das ist ein Leistungsturbo, der am Markt noch einzigartig ist“, sagte Anna Mantei, Gruppenleiterin Produktmanagement Sach beim Volkswohl Bund.

- Anna Mantei (Bild: Schmidt-Kasparek)
Mit einem digitalen Tool kann an Beispielen gerechnet werden, wie der Extra-Baustein wirkt. Vermittler wären damit sehr erfolgreich. Dabei kostet „ProTaxe“ rund 40 Prozent mehr Beitrag.




