WERBUNG

Patt zum Provisionsdeckel – noch viele Regulierungsbaustellen

23.10.2019 – Der Gesetzentwurf zur Einführung eines Provisionsdeckels in der Lebensversicherung wird wohl keine Kabinettsreife bekommen. Ob es hier noch einen Kompromiss geben könne, sei derzeit nicht abschätzbar, sagte Elisabeth Stiller, Leiterin Vertrieb beim GDV. Auf europäischer Ebene lägen auch noch genug Regulierungspfeile im Köcher. Allerdings sei die Mehrheitsfindung im neuen Europäischen Parlament nicht gerade einfach.

WERBUNG

Die Koalition von CDU/CSU und SPD ist sich weiterhin nicht einig darüber, ob es auch beim Vertrieb von Lebensversicherungen einen Provisionsdeckel geben sollte. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wird zwar nicht müde, seinen Deckelungsentwurf auch im November wieder in die Planung für die Kabinettssitzungen einzustellen. Die Finanzpolitiker der Union wollen von ihrem Nein zum Provisionsdeckel in der Lebensversicherung aber nicht abgehen.

Elisabeth Stiller (Bild: Brüss)
Elisabeth Stiller (Bild: Brüss)

Ansonsten wird im Positionspapier der Unions-Arbeitsgruppe Finanzen in vielen Punkten aber Zustimmung zu den Plänen des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) signalisiert (VersicherungsJournal 16.9.2019, 20.6.2019, 17.5.2019). Und dieser Gesetzentwurf des BMF ist ja auch kein Vorhaben, das im Koalitionsvertrag festgehalten worden wäre.

Provisionsrestriktionen in elf EU-Staaten

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) habe sich jedenfalls klar gegen Provisionsdeckelungen ausgesprochen. Damit stehe der Versichererverband an der Seite der Vermittlerverbände, sagte Elisabeth Stiller, Leiterin Vertrieb beim GDV, am Montag auf der abendlichen Fachtagung des Berliner Assekuranzclubs von 1877 e.V. (BAC) in der Berliner Niederlassung der Axa Versicherung AG.

Stiller zufolge haben bereits elf EU-Staaten Provisionsrestriktionen verfügt. In Deutschland war ja der Provisionsdeckel in der privaten Krankenversicherung (PKV) eingeführt worden. Und im Grünen-Wahlprogramm für Europa werde für ein generelles Provisionsverbot geworben, sagte Stiller.

Auch national gibt es noch viele Regulierungs-Baustellen

Im Koalitionsvertrag war vereinbart worden, dass die Finanzanlagenvermittler schrittweise unter die Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) gestellt werden. Hierzu hatte das BMF ein Eckpunktepapier veröffentlicht (25.7.2019). Noch stehe der Referentenentwurf des BMF aus, sagte Stiller. Dieser würde dann zunächst in die Verbändeanhörung gegeben.

Auch für das geplante Gesetz für faire Verbraucherverträge, bei dem es auch um Telefonwerbung gehen werde, fehle noch ein Referentenentwurf. Und als weitere Baustelle bezeichnete Stiller das Vorhaben, eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige einzuführen

In der EU müssen Parlament und Kommission erst einmal Tritt fassen

Nach den Wahlen zum Europäischen Parlament und der Bestätigung von Ursula von der Leyen (CDU) als neue EU-Kommissionspräsidentin gilt es zunächst, den schwierigen Prozess der Mehrheitsfindung zu bestehen. Zudem müsse es für die neuen Kommissare grünes Licht vom Parlament geben. Da haperte es bei mehreren Kandidaten. Die neue EU-Kommission wird ihre Arbeit wohl erst im Dezember aufnehmen können, so Stiller.

Von zentraler Bedeutung ist der Parlamentsausschuss für Wirtschaft und Währung. In ihm sind acht deutsche Abgeordnete vertreten, wie Stiller weiter erläuterte. Für Kontinuität könnten – natürlich jeder für sich – der Europaabgeordnete Markus Ferber (CSU) und Sven Giegold (Bündnis 90/Die Grünen) sorgen.

Ins Blickfeld der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) sind die Reiseversicherungen geraten, bei denen im Onlinevertrieb offenbar hohe Provisionen angefallen sind. Die Aufsicht habe in der EU diesbezüglich Fragebögen an 201 Unternehmen verschickt, sagte Stiller. Vermutet würden Verstöße gegen IDD-Regeln.

 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Wie gehen Sie mit dem zunehmenden Effizienzdruck um?

Die neue BVK-Studie deckt die Erfolgsfaktoren des Versicherungsvertriebs auf und zeigt Ihnen, wie auch Sie Ihren Betrieb effizienter gestalten und sich für die Zukunft wappnen können.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie tickt Ihr Kunde?

Manchmal rennt man in Verkaufsgesprächen immer wieder gegen die Wand.

Woran es liegt und was Sie daran ändern können, erfahren Sie in einem Buch des VersicherungsJournals.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
13.4.2018 – Dass die Versicherungsaufsicht das Absenken der Vergütungen in der Lebensversicherung vorgeschlagen hat, bringt die Diskussion wieder auf Trab. Doch durch häufiges Wiederholen werden schlechte Argumente nicht besser. Was jetzt zu tun ist. (Bild: Harjes) mehr ...
 
2.3.2018 – Bis zum 21. Februar konnten die Verbände Stellung nehmen. BVK und AfW begrüßen den Entwurf im Großen und Ganzen – und haben trotzdem viele Änderungswünsche. Ebenso wie die Verbraucherschützer. (Bild: Hinz) mehr ...
 
2.8.2017 – Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hat nachgefragt, wie die Wahlprogramme von CDU/CSU, SPD, der Linkspartei und der Grünen bezüglich der Stellung und Vergütung von Versicherungs-Vermittlern aussehen. (Bild: Brüss) mehr ...
 
6.9.2018 – Die neuesten Entwicklungen zu den heiklen Regulierungsthemen wurden mit Politikern und Versicherungsaufsehern auf einer Fachkonferenz diskutiert. Dabei ging es neben den Abschlusskosten der Lebensversicherung um die Zinszusatzreserve, die europäische Altersvorsorge „Pepp“ und Run-Offs. (Bild: Lier) mehr ...
 
12.10.2016 – Die Umsetzung der IDD in nationales Recht könnte schon sehr bald eingeleitet werden. Auf einer Fachveranstaltung bekannte sich Bafin-Versicherungsaufseher Dr. Frank Grund zwar klar zum provisionsbasierten Vertrieb. Aber er hatte nicht nur gute Nachrichten im Gepäck. (Bild: Brüss) mehr ...
 
21.8.2013 – Für den Vertrieb von Lebens- und Rentenversicherungen könnten sich drastische Veränderungen ergeben. Der GDV verschafft sich derzeit ein Meinungsbild in der Branche zur Begrenzung der Provisionen, die dann der Gesetzgeber beschließen müsste. Vermittlerverbände laufen gegen solche Pläne Sturm. mehr ...
 
25.10.2019 – Wie wird das Provisionssystem im nächsten Jahr aussehen? Experten schließen nicht aus, dass es einen hinter den Kulissen vorbereiteten, umfassenden staatlichen Eingriff tief in die Vergütungsautonomie der Vermittler geben wird. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...