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Millionenschaden durch Veruntreuung von Innen- und Außendienst

8.3.2019 – Fast 14 Millionen Euro Schaden sind den Versicherungs-Unternehmen 2017 durch Veruntreuungen hauptsächlich von Vermittlern entstanden. Der größte Anteil entstand laut der aktuellen Bafin-Erstversicherungs-Statistik durch Unterschlagung von Inkassogeldern, gefolgt von fingierten Verträgen.

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Im Geschäftsjahr 2017 hat die Zahl der unter deutscher Aufsicht stehenden Versicherungs-Gesellschaften weiter abgenommen. Dies ist ein Ergebnis der „Statistik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht – Erstversicherungs-Unternehmen und Pensionsfonds 2017“ (VersicherungsJournal 7.11.2018).

Fast 14 Millionen Euro Schaden durch Veruntreuung

Die Publikation gibt unter anderem auch Aufschluss über Veruntreuungen von Versicherungs-Mitarbeitern beziehungsweise Vermittlern. Grundlage ist die Sammelverfügung vom 10. Dezember 2015 zur Meldung von Unregelmäßigkeiten im Versicherungsaußen- und Versicherungsinnen-Dienst.

Für das Berichtsjahr wurden der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) Unregelmäßigkeiten mit einem Volumen von über 13,69 Millionen Euro gemeldet. Die Summe ist fast doppelt so hoch wie im Jahr zuvor (VersicherungsJournal 15.3.2018). Beteiligt an den Delikten waren 329 (2016: 342) Personen.

Weit über die Hälfte der Täter (57 Prozent) besaß den Status „gebundener Vermittler“, auf die allerdings leicht über die Hälfte (52 Prozent) der veruntreuten Summe entfielen. Fast jeder siebte Betrüger war dem Lager des angestellten Außendienstes zuzuordnen. Diese Gruppe verursachte nicht einmal ein Prozent des Gesamtschadens.

Fast 40 Prozent der veruntreuten Summe gingen auf das Konto von Versicherungsmaklern, die auf einen nicht einmal halb so großen Anteil an den Übeltätern kommen.

Gemeldete Veruntreuungen (Bild: Wichert)
Lesebeispiel: 187 gebundene Vermittler verursachten 2017 bei Versicherungs-Unternehmen rund 7,06 Millionen Euro Schaden durch Veruntreuung (Bild: Wichert)

Täter sind größtenteils Vermittler

An den gemeldeten Unregelmäßigkeiten über 5.000 Euro, für die eine Aufschlüsselung auch nach Sparten vorgenommen wird, waren im Berichtsjahr 145 Personen beteiligt. Der veruntreute Betrag belief sich den Bafin-Daten zufolge hier auf rund 13,59 Millionen Euro.

Mit einer Million Euro wurde nur ein relativ kleiner Anteil des veruntreuten Betrages (etwa 7,4 Prozent) von Innendienst- beziehungsweise angestellten Außendienst-Mitarbeitern verursacht. Diese machten fast 14 Prozent der Täter aus.

Der Rest des veruntreuten Gesamtbetrages ging auf das Konto von Vermittlern. Über sieben Millionen Euro wurden von 89 gebundenen Vermittlern veruntreut, über 5,4 Millionen Euro von 33 Versicherungsmaklern.

Inkassogeld-Unterschlagung sorgt für das höchste Schadenvolumen

Wie den Aufstellungen der Aufsicht weiter zu entnehmen ist, entstand der Großteil des Schadens fast gleich verteilt in der Lebens- beziehungsweise der Schaden-/ Unfallversicherung (zusammen über 90 Prozent). Die verbleibenden circa acht Prozent waren der substitutiven Krankenversicherung zuzurechnen.

Über ein Drittel des Schadens entstand durch die Unterschlagung von Inkassogeldern in der Kompositversicherung. Fingierte Verträge, die 2016 noch an der Spitze gelegen hatten, machten mit einem Fünftel nur noch in etwa halb so viel an der insgesamt veruntreuten Summe aus. Diese Tatmodalität war größtenteils der Lebensversicherung zuzuordnen.

Mehrfacheindeckungen

Jeweils ein gutes Achtel des Veruntreuungsschadens entfiel auf die Kategorien „Sonstiges“ beziehungsweise „Mehrfacheindeckungen“. Letzteres verteilt sich zu weit über zwei Dritteln auf die Lebensversicherung und zum Rest auf die Schaden- und Unfallversicherung. Die Krankenversicherung war gar nicht betroffen.

Rund ein Sechzehntel der veruntreuten Summe ordnet die Aufsicht dem Bereich „nicht-existente Versicherungsnehmer“ zu – fast ausschließlich in der Lebensversicherung und gar nicht in der Krankenversicherung.

Tatmodalitäten (Bild: Wichert)

Wie den Daten der Aufsicht weiter zu entnehmen ist, wurden knapp 272.000 Euro durch die Beleihung des Rückkaufswerts veruntreut, etwa 218.000 Euro durch Unterschlagung ohne Inkassovollmacht und annähernd 205.000 Euro durch Schadenmanipulation. Schäden in Höhe von fast 135.000 Euro entstanden durch unzutreffende Angaben zum Risiko.

Schäden durch Versicherungsbetrug gehen in die Milliarden

Um ein Vielfaches höher dürfte der Schaden durch Versicherungsbetrug sein. Statistisch gesicherte Zahlen gibt es zu diesem Thema allerdings nicht. Nach Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) beträgt der wirtschaftliche Schaden allein in der Schaden-/ Unfallversicherung etwa vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr.

Die Versicherungswirtschaft geht davon aus, dass etwa jede zehnte Schadenmeldung in diesem Versicherungszweig Ungereimtheiten enthält (VersicherungsJournal 18.10.2017). Um hier gegenzusteuern, hat die Branche zur Betrugsabwehr diverse digitale Projekte angestoßen (VersicherungsJournal 21.6.2017, 27.11.2017, 19.11.2018).

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