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Mehr Leben-Anbieter reißen die Eigenkapitalquote

24.3.2020 – Nach Einschätzung von Assekurata hatten die deutschen Lebensversicherer Ende 2019 eine Solvenzquote von rund 300 Prozent. Der vergleichsweise „komfortable“ Wert resultiert bei vielen Gesellschaften aus der Inanspruchnahme von LTG-Maßnahmen. Ohne diese Bilanzhilfen hätten 2019 mehr Versicherer die Eigenkapitalhürde gerissen. Infolge von Corona müssen die Unternehmen ihre SFCR-Berichte zwei beziehungsweise acht Wochen später vorlegen.

Ohne langfristige Garantien (LTG, Long-term Guarantees) wie die Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen kamen zwölf Lebensversicherer 2018 nicht über die Eigenkapitalhürde. Ihre Basis-SCR-Quote lag unter 100 Prozent (VersicherungsJournal 17.6.2019, 25.4.2019). Per Ende 2019 dürfte sich nach Einschätzung der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH die Zahl der Gesellschaften mit einer Basis-SCR-Quote von unter 100 Prozent erhöht haben.

Solvenzberichte wegen Corona verschoben

Lars Heermann (Archivbild: Lier)
Lars Heermann (Archivbild: Lier)

Per Ende 2019 dürfte die aufsichtliche Solvenzquote der Lebensversicherer bei branchenweit durchschnittlich rund 300 Prozent liegen. Dies erscheine zwar noch immer komfortabel, sei aber im Jahresvergleich ein Rückgang von mehr als einem Drittel, schreibt Assekurata-Bereichsleiter Lars Heermann auf der Firmenwebsite.

Parallel zum Rückgang dürfte sich seiner Einschätzung nach die Zahl der Unternehmen mit einer Basis-SCR-Quote unter 100 Prozent weiter erhöht haben. Der drastische Zinsrückgang der vergangenen Monate dürfte bereits im Bilanzjahr 2019 deutliche Spuren beim Solvenzkapital der Lebensversicherer hinterlassen haben, prognostiziert Heermann.

Welche Gesellschaften besonders stark getroffen sind, wird infolge der Corona-Krise erst später im Jahr offenkundig. Ursprünglich sollten die Versicherer am 7. April ihre Berichte über die Solvabilität und Finanzlage (SFCR) offenlegen. Die europäische Aufsicht Eiopa und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) haben die Frist jedoch um zwei Wochen für den Daten- und um acht Wochen für den schriftlichen Teil verlängert.

Assekurata erwartet keine Erholung der Solvenz-Quoten

Ohne LTG-Maßnahmen kam die Branche 2018 auf durchschnittlich 273 Prozent. Vier von fünf Lebensversicherer griffen bei der Solvency-II-Modellierung auf diese LTG-Maßnahmen zurück. Mit dieser Bilanzhilfe betrug die aufsichtliche Solvenzquote (SCR-Quote) 2018 im Schnitt knapp 500 Prozent.

Dabei streuten die Werte zwischen den einzelnen Gesellschaften im Markt bereits seit der Einführung von Solvency II 2016 stark, so Heermann. In der Spitze wurden mehr als 1.000 Prozent erreicht. Einige Gesellschaften lagen bei der SCR-Quote dagegen nahe der 100-Prozent-Marke.

Dass sich die Solvenzquoten wieder erholen werden, erwartet Heermann nicht. Der Zinsverfall in der Euro-Zone habe sich seit Jahresbeginn durch die Corona-Krise abermals verschärft und internationale Notenbanken reagierten darauf vermehrt in Form von Leitzinssenkungen.

Kunden gegenüber verständlich kommunizieren

Um bis zu 200 Prozentpunkte könnten sich die Solvenzquoten nach Berechnung von Assekurata zudem durch regulatorische Änderungen verschlechtern. 2021 soll Solvency II („Solvency-II-Review“) überprüft werden. „Traditionellen Lebensversicherern mit langfristigen Verpflichtungen könnte hier besonders durch die erwogenen Anpassungen bei den Zinsmodellierungen Ungemach ins Haus stehen“, so Heermann.

Konkret geht es um die Verschiebung des sogenannten „Last Liquid Points“ (LLP) für die Extrapolation der risikofreien Zinsstrukturkurve. Ob, wie und wann die Maßnahmen umgesetzt würden, sei „derzeit ebenso ungewiss wie die schlussendlichen Folgen von Corona“.

Absehbar sei aber, dass wieder über die Solvenzquoten der Lebensversicherer diskutiert werde. Den Anbietern rät Heermann, den daraus „entstehenden Unsicherheiten bei Kunden und Vertriebspartnern entgegenzuwirken, indem sie das eigene (Finanz-) Profil schärfen und verständlich kommunizieren“.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Coronavirus · Geschäftsbericht · Lebensversicherung · Rating · Solvabilität · Versicherungsaufsicht
 
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