4.9.2019 (€) – Vor dem vierten Quartal sieht Marsh verschiedene Sparten der Industrieversicherung unter Druck. Dazu gehören die industrielle Haftpflicht, die Sachversicherung sowie wohnwirtschaftliche Risiken. Der D&O- sowie der Cyberversicherung sagt der Großmakler steigende Prämien voraus.
In ihrem Update zum „Versicherungs-Marktreport 2019 Deutschland“ (PDF, 4 MB) vom Februar (VersicherungsJournal 19.2.2019) spricht die Marsh GmbH „von einer Verhärtung des Marktes“. Vor allem in der Sachversicherung, aber auch in anderen Sparten seien „anspruchsvolle Verhandlungen im Gange“, fasst der Großmakler seine Beobachtungen zusammen.
Aber nicht nur die Sachversicherung stehe unter Druck, sondern auch die Absicherung von gewerblichen und wohnungs-wirtschaftlichen Risiken sowie die industrielle Haftpflicht. Als Grund dafür nennen die Autoren des Reports vor allem das Thema Kfz-Rückruf, dass die Versicherer in Griff bekommen müssten.
Schwierige Rahmenbedingungen in der Haftpflicht
Die Anzahl der Schäden hat sich in der industriellen Haftpflicht nach Aussage von Marsh erhöht. Die bisherigen Leistungen der Versicherer betrugen 100 Millionen Euro. Betroffen waren hiervon insbesondere Verträge mit hohen Deckungssummen für Kfz-Rückrufe.
Als Konsequenz beobachtet der Makler, dass die Gesellschaften für diese Risiken ihre Kapazitäten reduzieren. Zusätzlich fordern die Versicherer höhere Prämien und Selbstbehalte und stellen gesteigerte Anforderung an das Risikomanagement.
Eine generelle Verhärtung des Haftpflichtmarktes sei aber nicht festzustellen, heißt es in dem vorliegenden Update von Marsh.
Kfz-Flottenversicherung in Bewegung
Knapp in der Gewinnzone liege für die Versicherer die Kfz-Flottenversicherung. Gerade hier seien Folgen der Digitalisierung für die Branche „gut sichtbar“, heißt es in den Ausführungen. „Die Schadenregulierung, insbesondere in der Kaskoversicherung, wird mit KI-gestützten Spezialprogrammen immer mehr automatisiert und beschleunigt.“
Auch bei den Kosten würde die entsprechende IT-Infrastruktur „mehr Möglichkeiten der individuellen Preisgestaltung“ bieten. Mit welcher Geschwindigkeit sich diese Offerten im Markt durchsetzen würden, bleibe aber abzuwarten.
Sachversicherung bleibt Problemfall
Die Ergebnisse der Sachversicherer sind seit Jahren schlecht. Marsh ging bereits im vergangenen Jahr davon aus, dass der Sanierungsdruck in dieser Sparte weiter zunehmen wird (6.9.2018, 20.2.2018). Auch Wettbewerber Aon Risk Solutions Deutschland rechnete in seinem Marktreport für das laufende Geschäftsjahr mit höheren Preisen (25.1.2019).
Aktuell stellt Marsh in der Sachversicherung „drastische Sanierungsforderungen der Versicherer“ fest. Allerdings habe kaum ein Unternehmen „vorausschauend seine Personalkapazitäten auf die gestiegene Anzahl von Anfragen angepasst“, merken die Autoren kritisch an.
Schon jetzt würden Ausschreibungen aus Kapazitätsgründen nur noch sehr selektiv bearbeitet. Diese Situation werde sich erst entspannen, wenn die Versicherer ihre Vertragsverhandlungen im eigenen Bestand für das nächste Jahr abgeschlossen hätten.
Zahlreiche Versicherer reduzieren ihre offerierte Gesamtkapazität im Gegensatz zu früher.
Marsh-Update zum „Versicherungsmarkt-Report 2019 Deutschland“
Prämienanstieg für Cyberrisiken
Beim Kölner Rückversicherung-Symposium im Mai waren sich mehrere Experten einig, dass die Beiträge für Cyberdeckungen immer noch zu niedrig sind (22.5.2019). Nach dem aktuellen Statusbericht von Marsh scheinen diese Zeiten vorbei zu sein.
Für Großrisiken und für mittelständischen Unternehmen beobachtet der Makler einen Anstieg der Prämien für Cyberrisiken: „Wir beobachten eine Erhöhung der Deckungssummenzuschläge bei der Kalkulation von Exzedenten, insbesondere bei hohen Gesamtdeckungssummen.“
Versicherer seien nicht mehr bereit, grundsätzlich 25 Millionen Euro oder die jeweilige maximale Kapazität bereitzustellen. Generell beobachtet Marsh, dass „zahlreiche Versicherer ihre offerierte Gesamtkapazität im Gegensatz zu früher reduzieren und in ihrer Zeichnungspolitik vorsichtiger werden“.
Verhärtung bei Absicherung von Immobilien
Ein ähnlicher Trend wie bei der Absicherung von Cyberrisiken könnte sich auch für D&O-Versicherungen für Großunternehmen abzeichnen: Die Anbieter könnten die Prämien teilweise erhöhen. Auch schadenbelasteten, finanziell schwächeren Mittelständlern sagt Marsh höhere Kosten voraus. Eine durchgängige Verhärtung des Marktes sieht der Makler aber nicht.
Anders beurteilt das Unternehmen dagegen die gewerblichen und wohnungs-wirtschaftlichen Risiken: „Abhängig von den individuellen Schadenquoten der Risiken oder Portfolios, insbesondere bei Schadenquoten jenseits der Marke von 60 bis 65? Prozent sehen wir derzeit Prämiensteigerungen der Versicherer.“




