Lebensversicherung: Riesige Unterschiede bei der Finanzstärke der Branchenriesen

13.5.2024 – Im aktuellen Map-Report 934 wurden die Lebensversicherer einer Analyse der Solvabilitätsquoten nach dem Aufsichtsregime Solvency II unterzogen. Die Spannbreite der SCR-Bedeckungsquoten (mit und ohne Hilfsmaßnahmen) unter den Marktgrößen ist gewaltig. Sie reicht etwa bei der Netto-Quote von 92 Prozent (Cosmos) bis 520 Prozent (Nürnberger). Jeder der 15 größten Anbieter nahm mindestens eine der für den Übergang vorgesehenen Hilfsmaßnahmen in Anspruch.

Zum Jahresende 2023 betrug die für die Aufsicht relevante Brutto-SCR-Solvenzquote inklusive Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung der deutschen Lebensversicherer 573 Prozent. Dies entspricht einem Rückgang um etwa 46 Prozentpunkte beziehungsweise etwa 7,5 Prozent.

Netto-SCR-Quote gestiegen

Die Netto-SCR-Quote erhöhte sich hingegen, und zwar um rund neun Prozentpunkte auf 324 Prozent. Dies geht aus einer Mitte April von der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH veröffentlichten Auflistung hervor, die Daten zu 72 Marktteilnehmern enthält.

Die Nettoquoten bewegen sich zwischen 893,2 Prozent bei der Europa Lebensversicherung AG und 11,7 Prozent bei der LPV Lebensversicherung AG, die früher als PB Lebensversicherung AG firmierte (11.1.2023).

Mit der Öffentlichen Lebensversicherungsanstalt Oldenburg und der Cosmos Lebensversicherungs-AG (Netto-SCR-Quoten von jeweils um die 90 Prozent) rissen zwei weitere Akteure die Hürde bei den Solvenzanforderungen, wenn sie nicht zu den übergangsweise erlaubten Hilfsmitteln greifen würden.

Inklusive genutzter Hilfen kommt das Trio auf Werte von 447,8 Prozent (LVP), 305,1 Prozent (Öffentliche Oldenburg) beziehungsweise 165,9 Prozent (Cosmos). Zu beachten ist, dass die Öffentliche nur die Volatilitätsanpassung in Anspruch nimmt, dafür aber keine der Übergangsmaßnahmen. Cosmos und LPV neben beides in Anspruch.

SCR-Quoten der Lebensversicherer im Vergleich

Wie hoch beziehungsweise niedrig die Solvenzquoten (Verhältnis von anrechnungsfähigen Eigenmitteln zur SCR in Prozent) der deutschen Lebensversicherungs-Unternehmen sind, zeigt auch der am vergangenen Dienstag erschienene Map-Report Nummer 934 – „Solvabilität im Vergleich 2014 bis 2023“.

Dabei verwendeten den Daten der Analysten zufolge 50 (Vorjahr. 53) der 80 (78) untersuchten Marktteilnehmer die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen und die Volatilitätsanpassung.

19 (15) Gesellschaften machten ausschließlich von der Volatilitätsanpassung Gebrauch und erneut ein Lebensversicherer von der Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze (in Kombination mit der Volatilitätsanpassung).

Die vorgenannten Maßnahmen machen einen Vergleich schwierig, wie Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages bereits in der Vergangenheit gegenüber der Redaktion erläutert hat (12.6.2018). Erschwerend kommt laut Klages hinzu, dass die Unternehmen neben der Standardformel auch ein sogenanntes internes Modell anwenden können. Davon machten zehn Akteure Gebrauch.

Finanzstärke-Werte streuen immens

Die „nackten“ Quoten – also ohne oben genannte Hilfen – streuen allein unter den 15 größten Gesellschaften mit mehr als 1,5 Milliarden Euro verdienten Bruttobeiträgen (2023) immens. Sie liegen zwischen fast 520 Prozent bei der Nürnberger Lebensversicherung AG und knapp 92 Prozent bei der Cosmos.

Die zweithöchste Quote wird mit 476 Prozent für die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG ausgewiesen. Besser als der Markt (320,8 Prozent) agierten von den Platzhirschen mit Quoten zwischen 387 und 357 Prozent ansonsten nur noch die Generali Deutschland Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung AG und die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G.

Etwas hinter dem Branchenschnitt zurück blieben die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. und die Axa Lebensversicherung AG, die beide auf Quoten von über 300 Prozent kamen. 289 Prozent waren es bei der die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG, 213 Prozent bei der Württembergischen Lebensversicherung AG, 198 Prozent bei der Allianz Lebensversicherungs-AG und 193 Prozent bei der Proxalto Lebensversicherung AG.

Der Debeka Lebensversicherungsverein a.G. und die Ergo Lebensversicherung AG liegen jeweils bei über 180 Prozent, die HDI Lebensversicherung AG bei 109 Prozent.

Solvabilität der größten Lebensversicherer - Netto-SCR-Quoten (Bild: Wichert)

Plus und Minus bei den größten Lebensversicherern

Bei den Platzhirschen waren mehrheitlich Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten (VersicherungsJournal 24.5.2023). Neun von ihnen konnte ihre Quote erhöhen. Am stärksten gelang dies mit jeweils über der Hälfte dem Volkswohl Bund, der Generali und der Axa.

Um jeweils mehr als zwei Fünftel legte die R+V und die Württembergische zu, um jeweils mehr als ein Fünftel die Nürnberger und die Bayern-Versicherung. Besser als der Markt agierte auch die Debeka, etwas schlechter mit einer 0,7 prozentigen Steigerung die Cosmos.

Minimal im Minus war die Zurich Deutscher Herold. Relative Verminderungen ihrer Finanzkraft von jeweils um ein Zehntel hatten die Proxalto, die Allianz und die Alte Leipziger zu verzeichnen. Bei der Ergo betrug das Minus rund ein Fünftel, beim HDI mehr als zwei Fünftel.

Solvabilität der größten Lebensversicherer - Veränderungen (Bild: Wichert)

Mit Hilfen erheblich höhere Quoten

Mit Hilfen fallen die Quoten zum Teil deutlich höher aus. Inklusive Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen sind es bei:

  • R+V AG 928,4 Prozent,
  • Debeka 824,9 Prozent,
  • Bayern-Versicherung 742,6 Prozent,
  • Volkswohl Bund 712,3 Prozent,
  • Ergo 573,5 Prozent,
  • Württembergische 544,4 Prozent,
  • HDI 433,3 Prozent,
  • Proxalto 395,3 Prozent und
  • Allianz 370,6 Prozent.

Vier der Platzhirsche nahmen nur die Volatilitätsanpassung in Anspruch. Das führte zu Quoten von 447,4 Prozent bei der Generali, 346,7 Prozent bei der Alten Leipziger, 345,1 Prozent bei der Axa und 298,7 Prozent bei der Zurich.

Weitere Studiendetails und Bezugshinweis

Der 119-seitige Map-Report Nummer 934 – „Solvabilität im Vergleich 2014 bis 2023“ ist bei der Franke und Bornberg GmbH erschienen. Er enthält neben Übersichten zu den Bedeckungsquoten von 80 Lebens- und 37 privaten Krankenversicherern auch Übersichten zu den Beitragseinnahmen.

Das Heft kann als E-Paper ab brutto 589,05 Euro über die Bestellseite von Franke und Bornberg erworben werden.

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Berufsunfähigkeit · Lebensversicherung · Mapreport · Rating · Senioren · Solvabilität
 
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