Kostenquoten: Gewaltige Unterschiede bei den LV-Marktgrößen

9.9.2020 – Die Allianz und die Debeka hatten im vergangenen Jahr den niedrigsten Abschlusskostensatz unter den 17 Branchengrößen (mehr als 1,5 Milliarden Euro Bruttoprämien) zu verzeichnen. Beim Verwaltungskostensatz liegt ebenfalls die Allianz in Front. Die jeweils höchsten Werte hatte der HDI zu verzeichnen. Dies zeigt eine Auflistung in Heft 17/2020 der Zeitschrift für Versicherungswesen.

WERBUNG

2019 haben die Lebensversicherer über 7,5 Milliarden Euro an Abschlussaufwendungen getätigt. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Steigerung um gut sieben Prozent. Dies ist der Broschüre „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2020“ (PDF, 730 KB) zu entnehmen. Die Publikation hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) Mitte Juli veröffentlicht.

Auf Fünfjahressicht betrachtet stellen die 7,5 Milliarden Euro den höchsten Wert dar. Seit 2005 zahlte die Branche nur in den Jahren 2007 und 2008 sowie 2011 und 2012 deutlich mehr – nämlich jeweils über acht Milliarden Euro.

Zeitreihe Abschlussaufwendungen (Bild: Wichert)

Abschlusskostenquote sinkt weiter

Dennoch ist der Abschlusskostensatz zuletzt kontinuierlich immer weiter gesunken. 2013 lag er noch bei 5,1 Prozent, im vergangenen Jahr waren es nur noch 4,4 Prozent. Die zuletzt gegenläufige Entwicklung von Abschlussaufwendungen und Abschlusskostenquote ist darauf zurückzuführen, dass der GDV die Quote in Relation zur Beitragssumme des Neugeschäfts berechnet.

Und diese ist – getragen von einem branchenweit massiv ausgebauten Einmalbeitragsgeschäft (VersicherungsJournal 14.7.2020) – um über ein Achtel auf einen Rekordwert von über 172 Milliarden Euro gestiegen.

Kommt die Revolution im Vertrieb?

„Für 7,5 Milliarden Euro haben die Lebensversicherer 2019 ein gewaltiges Neugeschäft eingekauft“, erläutert Chefredakteur Dr. Marc Surminski im Heft 17/2020 der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV). „Ob das angesichts der Tatsache, dass es mancherorts einen regelrechten Run auf die zinsbringenden Sparprodukte der Versicherer gab, insgesamt angemessen war, lässt sich diskutieren“, merkt er weiter an.

Über Jahrzehnte haben die Lebensversicherer mit einem teuren Vertriebsapparat und hohen Kosten agiert.

Chefredakteur Dr. Marc Surminski in Heft 17/2020 der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV)

Für ihn gehört vor dem Hintergrund des schon lange politisch diskutierten Provisionsdeckels (27.8.2020) die Reduzierung der Abschlusskosten neben der Bewältigung der Zinskrise zu den größten Problemen der Branche. „Über Jahrzehnte haben die Lebensversicherer mit einem teuren Vertriebsapparat und hohen Kosten agiert“, analysiert der ZfV-Chefredakteur.

Nun werde die Politik mit „Pepp“ (Pan-European Personal Pension Product, 17.8.2020) und der anstehenden Reform von Riester (30.3.2020, 27.5.2020, 17.6.2020, 21.7.2020) eine kräftige Reduzierung der Kostenbelastung fordern – gerade für staatlich geförderte Produkte.

"Das dürfte nur mit einem standardisierten Online-Vertrieb gelingen. Nach der aktuell laufenden Revolution der Produkte steht damit in der Lebensversicherung auf Sicht auch eine Revolution des Vertriebs an“, zeigt sich Surminski in dem Artikel „Ausnahmejahr zwischen Neugeschäftsboom und Zinslasten“ überzeugt.

Kostensätze der Lebensversicherer

In dem Heft ist eine Übersicht von Bilanzkennzahlen 2019 der 50 größten deutschen Lebensversicherer erschienen. Tatsächlich sind aber nur die Werte von 48 Gesellschaften angegeben.

Nicht enthalten in der Auflistung sind nämlich die Angaben der im Ausland ansässigen Canada Life Assurance Europe plc, Niederlassung für Deutschland und der Standard Life Versicherung, Zweigniederlassung Deutschland der Standard Life International DAC.

Zu den veröffentlichten Kennzahlen gehören unter anderem die Kostensätze für Abschluss und Verwaltung. Und hier zeigt sich allein bei den Marktgrößen mit mehr als 1,5 Milliarden Euro gebuchten Bruttobeiträgen (11.8.2020) eine immense Spannbreite.

Zeitreihe Abschlusskostensatz (Bild: Wichert)

Abschlusskostensätze der Marktgrößen von 3,4 bis 8,8 Prozent

Die Quoten liegen zwischen 3,4 Prozent für den Marktführer Allianz Lebensversicherungs-AG und den Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G. und 8,8 Prozent bei der HDI Lebensversicherung AG.

Unter vier Prozent blieben nur noch die Cosmos Lebensversicherungs-AG und die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. Werte von knapp unter beziehungsweise über sechs Prozent werden für die die Proxalto Lebensversicherung AG (früher Generali, 1.7.2019) beziehungsweise die Nürnberger Lebensversicherung AG ausgewiesen.

Abschlusskostenquoten (Bild: Wichert)

Dabei gelang der Allianz die relativ größte Senkung im Vergleich zu 2018 (minus 0,4 Prozentpunkte). Erhöht hat sich der Satz nur bei wenigen Anbietern. Am stärksten war dies der Fall bei der Run-off-Gesellschaft Proxalto (plus 0,2 Prozentpunkte) und dem HDI (plus 0,3 Prozentpunkte). Dies dürfte auf die Beitragsentwicklung (14.8.2020) beziehungsweise den eher verhaltenen Umgang mit Einmalbeiträgen zurückzuführen sein.

Verwaltungskostensatz auf 2,0 Prozent gesunken

Der laut Surminski „große Beitragssegen“ hat die Verwaltungskostenquote in 2019 marktweit von 2,3 auf 2,0 Prozent sinken lassen. „Seit Jahren geht die Quote in kleinen Schritten zurück – während die Beitragseinnahmen deutlich steigen“, analysiert der ZfV-Chefredakteur die Marktentwicklung.

Zwischen 2010 und 2012 betrug die Quote jeweils 2,4 Prozent, 2006 letztmals über drei Prozent. Dabei liegen die absoluten Verwaltungsaufwendungen seit 2010 ohne große Schwankungen zwischen knapp 2,0 und gut 2,1 Milliarden Euro.

Zeitreihe Verwaltungskostensatz (Bild: Wichert)

„Trotz aller Strukturreformen und Kostensenkungsmaßnahmen der letzten Jahre muss man sagen: Die Kostenlast ist nicht wesentlich niedriger geworden“, so Surminskis Fazit. Nehme man noch die deutlich geschrumpfte Zahl an zu verwaltenden Verträgen im Bestand und im Neugeschäft zum Maßstab, dann werde klar: „Bei den Kosten gibt es noch ein ziemliches Einsparpotenzial.“

Allianz mit dem niedrigsten Verwaltungskostensatz

Aus der Datenauflistung geht die Allianz als „absoluter Kostenspitzenreiter“ hervor. Die Verwaltungskostenquote von 0,7 Prozent habe das „gewaltige“ Einmalbeitragsgeschäft „stark positiv“ beeinflusst. Dahinter folgen von den Branchengrößen die R+V Lebensversicherung AG und die Cosmos mit jeweils 1,2 Prozent.

Auf den höchsten Wert kommt der HDI mit 4,2 Prozent. Auf über vier Prozent kommen ansonsten nur noch die beiden Run-off-Gesellschaften Proxalto und Ergo Lebensversicherung AG.

Verwaltungskostenquoten Marktgrößen (Bild: Wichert)

Die Quote am stärksten zurückgeschraubt haben die Ergo (minus 0,8 Prozentpunkte) und die SV Sparkassenversicherung Lebensversicherung AG (minus 0,4 Prozentpunkte). Abwärts ging es auch bei der Zurich Deutscher Herold und der Württembergische Lebensversicherung AG (jeweils minus 0,3 Prozentpunkte) und Allianz (minus 0,2 Prozentpunkte).

Die relativ stärkste Erhöhung hatte andererseits der HDI zu verzeichnen (plus 0,6 Prozentpunkte). Ansonsten gab es nur noch bei zwei weiteren der 17 größten Marktteilnehmer eine Erhöhung. Dies sind die Cosmos (plus 0,2 Prozentpunkte) und die Nürnberger (plus 0,1 Prozentpunkte).

Vier bis 13 Prozent des Umsatzes für Abschluss und Verwaltung

Rechnet man die Kostensätze zusammen, so gibt die Allianz mit 4,1 Prozent der Einnahmen relativ am wenigsten aus für Abschluss und Verwaltung. Unter fünf Prozent bleiben ansonsten nur noch die Comos und die Debeka.

Relativ am meisten zahlt der HDI mit 13 Prozent. Vergleichsweise hohe Werte von jeweils fast zehn Prozent errechnen sich ferner für die Proxalto und die Nürnberger.

Leserbriefe zum Artikel:

Johannes Buckel - Die aktuelle Situation hilft dabei, die nötigen Themen zu beschleunigen. mehr ...

 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Wie gehen Sie mit dem zunehmenden Effizienzdruck um?

Die neue BVK-Studie deckt die Erfolgsfaktoren des Versicherungsvertriebs auf und zeigt Ihnen, wie auch Sie Ihren Betrieb effizienter gestalten und sich für die Zukunft wappnen können.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Einmaleins des Wettbewerbsrechts

WettbewerbsrechtEs gibt viele rechtliche Fallstricke, über die ein Vermittler bei seinen Werbeaktionen stolpern kann. Ein Praktikerhandbuch zeigt, wie sie zu vermeiden sind.

Interessiert? Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
26.11.2018 – Die Art der Vergütung ist nicht entscheidend, sondern die Persönlichkeit des Vermittlers, hieß es vergangene Woche auf einer Fachtagung in München. Dennoch stellen neue Kundenansprüche und Technologien eine Herausforderung für die Vermittlung dar. (Bild: Winkel) mehr ...
 
23.7.2019 – Assekurata hat ihren aktuellen Marktausblick zur Marktentwicklung in der Lebensversicherung veröffentlicht. Breiten Raum nimmt dabei die Zinszusatzreserve ein. Denn trotz der Erleichterungen durch die Korridormethode wird die Branche weiter kräftig zur Kasse gebeten. (Bild: Assekurata) mehr ...
 
15.11.2018 – BDVM-Vorstand Oliver Fellmann sieht die Sparte Leben am Scheideweg. Wo die Gesellschaften ihre Strategie korrigieren müssen und welche Faktoren ein gutes Kundengespräch heute ausmachen, erklärt der Makler im Interview des VersicherungsJournal-Extrablatts. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
7.9.2018 – Welche Sparten bei Maklern und Mehrfachvertretern zuletzt die größten Ladenhüter waren und welche wie geschnitten Brot liefen, wurde in einer aktuellen Untersuchung ermittelt. (Bild: Wichert) mehr ...
 
15.12.2017 – Über welche Kanäle 2016 das meiste PKV-Neugeschäft in die Bücher der Anbieter kam, zeigt der aktuelle Vertriebswege-Survey Kranken von Willis Towers Watson. Die Marktanteile zwischen unabhängigen Vermittlern und der Ausschließlichkeit haben sich entgegen dem Trend verschoben. (Bild: Wichert) mehr ...
 
4.5.2017 – Die leidige Fusionsfrage behindert die Entwicklung des Direktversicherers. Auf der gestrigen Bilanz-Pressekonferenz vermeldete sein Vorstand überdurchschnittliches Wachstum in Komposit, aber einen Rückgang in Leben. (Bild: Lier) mehr ...
 
15.1.2015 – Bei einem Bestandsverkauf schauen Versicherungsaufsicht und Verbraucherschützer genau hin. Dass die Abwicklung von Beständen nicht Zeichen unternehmerischer Schwäche sein muss, schreibt Versicherungs-Mitarbeiterin Regina Kutschera in einem Gastkommentar. (Bild: Kutschera) mehr ...
 
30.5.2014 – Nach zwölf Jahren an der Spitze der Hamburger Versicherungsgruppe wechselt Fritz Horst Melsheimer in den Aufsichtsrat. Im Gespräch mit dem VersicherungsJournal zieht er zum letzten Mal Bilanz – und äußert sich auch zu „heißen“ Branchenthemen. (Bild: Hansemerkur) mehr ...
WERBUNG