Junge hoffen vor allem auf Betriebsrenten

8.1.2018 – Junge Leute erwarten von Arbeitgebern auch tarifliche Angebote moderner Betriebsrenten. Der Ruf der bAV ist einer neuen Umfrage zufolge besser als der der gesetzlichen Rente. Ob das neu geschaffene Sozialpartnermodell greift, ist im Moment noch offen. Das Versorgungswerk Metallrente will Vorreiter sein.

WERBUNG

Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG) ist zum 1. Januar in Kraft getreten. Die meisten Deutschen vertrauen bei der Altersvorsorge vor allem den Angeboten ihres Arbeitgebers, hat kurz vor Silvester eine vom Versorgungswerk Metallrente GmbH in Auftrag gegebene Umfrage ergeben.

Für 56 Prozent der Befragten würden betriebliche Angebote (bAV) sogar besser abschneiden als die gesetzliche Rente, die von 48 Prozent genannt wurde. An dritter Stelle mit 40 Prozent stehen bereits gemeinsame Angebote von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden.

(Bild: Metallrente)
Bild: Metallrente

Repräsentative Umfrage von Infratest

Für die repräsentative Untersuchung waren 1.000 Telefoninterviews vom Marktforscher Kantar Public Deutschland GmbH mit Personen ab 14 Jahren in deutschen Privathaushalten geführt worden. Kantar Public ist ein unabhängiges Institut mit Schwerpunkt Sozial- und Politikforschung. Es handelt sich um das Nachfolgeinstitut der beiden Marken TNS Infratest Sozialforschung in München und TNS Infratest Politikforschung in Berlin.

Wie die Umfrage bestätigte, zweifeln vor allem junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren an der gesetzlichen Rente. Nur rund jeder Dritte vertraut ihr. Für diese Altersgruppe sei dagegen der Vertrauensvorschuss für bAV-Angebote von ihrem Arbeitgeber (61 Prozent) oder den Tarifparteien (53 Prozent) besonders hoch.

Zeitbombe bei der Altersvorsorge mit bAV entschärfen

Dies sieht Heribert Karch, Geschäftsführer der Metallrente, als „die einmalige Chance der Tarifparteien, zu den Wegbereitern einer guten Rentenpolitik gerade für die Jungen zu werden“. Anders als noch 2001 vor Abschluss einer der größten Rentenreformen angenommen, bleibe vor allem jungen Menschen immer weniger Zeit zum Ausgleich von empfindlichen Leistungsabsenkungen der gesetzlichen Rente.

Um diese Zeitbombe erfolgreich zu entschärfen, seien betriebliche Angebote eine unverzichtbare Ergänzung zur gesetzlichen Rente, heißt es in einer Unternehmensmeldung. Metallrente sei bereits heute ein Beispiel dafür, welche Referenzwirkung Angebote von Tarifparteien ausüben können. Von den 40.000 Mitgliedsunternehmen sind laut Karch etwa 3.600 tarifgebunden.

Das Versorgungswerk war 2001 als gemeinsame Einrichtung der beiden Sozialpartner Arbeitgeberverband Gesamtmetall und IG Metall gegründet worden. Es stellt Angebote für die betriebliche und private Altersvorsorge sowie die Absicherung von Berufs-, Erwerbsunfähigkeit, Pflege und Hinterbliebenen bereit.

Dem Versorgungswerk der Metall- und Elektroindustrie haben sich auch die Stahlindustrie und die Branchen Textil und Bekleidung, IT sowie Holz und Kunststoff angeschlossen.

Noch keine Sozialpartnermodelle in der Metallbranche

Das BRSG zielt vor allem darauf ab, die Betriebsrente in kleinen und mittleren Unternehmen zu verbreiten und Beschäftigten mit geringem Einkommen einen Anreiz zur eigenen Vorsorge zu geben. „Die Tarifparteien sind die neuen Gewährsträger eines Betriebsrenten-Versprechens“, betont Karch. Sie hätten die Aufgabe, steuernd einzugreifen und mit kollektiver und generationengerechter Kapitalanlage für eine möglichst hohe Zielrente zu sorgen.

Auch die stärkere Verbreitung über sogenannte Opting-out-Modelle obliege exklusiv den Tarifparteien. Die Startvoraussetzungen für die neuen Betriebsrenten-Einrichtungen der Sozialpartner seien gut, „denn der Wunsch nach besserer Altersversorgung und das Vertrauen in Tarifparteien sind groß“, so Karch.

Metallrente selbst hält sich angesichts bevorstehender Tarifverhandlungen jedoch auf Nachfrage noch bedeckt, was die Einführung von Sozialpartnermodellen in der Metallbranche betrifft. „Uns hat der Wettbewerb 16 Jahre lang nicht geschreckt“, sagt Karch und sieht die Metallrente als einen „der größten Wachstumsträger der gesamten Entwicklung“.

Dossier liefert Marktüberblick

Bereits im Dossier „BRSG − Neue Impulse oder vertane Chance für die bAV?“ des VersicherungsJournals war von Aufbruchstimmung berichtet worden (VersicherungsJournal 24.11.2017). Die Planungen für Angebote reiner Beitragszusagen haben bereits begonnen (VersicherungsJournal 31.8.2017, 22.11.2017). Jedoch erst ab 2019 würden Tarifverträge die reine Beitragszusage im Sozialpartnermodell in der Breite aufgreifen, schätzen Experten.

Lesetipp „Das BRSG − Neue Impulse oder vertane Chance für die bAV?“
Bild: VersicherungsJournal
Bild: VersicherungsJournal

Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz tritt zum 1. Januar 2018 in Kraft. Welche neuen Regelungen das BRSG bringt und deren Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung, Arbeitgeber und Beratung, beschreibt ein kürzlich erschienenes Dossier.

Untersucht werden unter anderem das neue Modell für Tarifpartner und die Möglichkeiten für nichttarifgebundene Betriebe, das Konzept umzusetzen.

Des Weiteren wird über die zukünftige Handhabung des Arbeitgeberzuschusses beim Sozialpartnermodell wie auch bei Entgeltumwandlung informiert.

Ein weiterer Aspekt, der in dem Dossier tiefer gehend betrachtet wird, ist die Frage der steuerlichen Förderung. Hier werden unter anderem die Situation für Geringverdiener, die Bedingungen für Arbeitgeber sowie die zusätzliche Steuerförderung für versicherungsförmige Wege thematisiert.

Nähere Informationen und Bestellmöglichkeit finden sich unter diesem Link. Die Publikation steht Premium-Abonnenten des VersicherungsJournals zur persönlichen Nutzung kostenlos zur Verfügung. Sie finden einen Download des Dossiers unter diesem Link.

Metallrente mit 2,7 Prozent Überschussbeteiligung 2018

Die Metallrente hat parallel zu den Ergebnissen der bAV-Umfrage auch ihre Überschussbeteiligung für Arbeitnehmer-Kunden 2018 bekanntgegeben. Danach bleibt die Gesamtverzinsung trotz nach wie vor niedriger Zinsen am Kapitalmarkt stabil. „Die hohe Gesamtverzinsung von 3,65 Prozent (Direktversicherung, Vorsorgekonzept Profil) wird unverändert beibehalten“, heißt es in der Unternehmensmeldung.

Die laufende Verzinsung für 2018 betrage demnach, wie im schon Vorjahr, 2,7 Prozent; die Summe aus Schlussüberschuss und Sockelbetrag für die Beteiligung an den Bewertungsreserven liege bei 0,8 Prozent. Hinzu kämen modellhaft 0,15 Prozent Verzinsung auf die bei Ablauf aktuellen Bewertungsreserven. Karch leitet auch aus diesen Ergebnissen „die Vorteilhaftigkeit betrieblichen Vorsorgesparens in großen Kollektiven“ ab. Als Chef des Kapitalanlage-Ausschusses gibt Karch den Konsorten der Metallrente allgemeine Anlagegrundsätze vor.

Von den Konsorten haben ihre laufende Verzinsung für 2018 bereits folgende Lebensversicherer für ihre Klassik-Tarife bekanntgegeben: Marktführer Allianz Lebensversicherungs-AG bleibt stabil bei 2,8 Prozent (VersicherungsJournal 5.12.2017), Ergo Lebensversicherung AG senkt um 0,2 Prozentpunkte auf 2,05 Prozent (VersicherungsJournal 22.12.2017) , R+V AG senkt um 0,1 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent und Swiss Life AG Niederlassung für Deutschland bleibt bei 2,25 Prozent.

 
WERBUNG
Das bringt die neue bAV

Das BRSG schafft neue Impulse für die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung. Was Sie über das Solidarpartnermodell und zum Thema steuerliche Förderung wissen müssen, wird in einem Dossier zusammengefasst.

Mehr erfahren Sie hier.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Fonds sind kein Teufelszeug

Von Fonds und Fondspolicen lassen die meisten Deutschen die Finger.
Wie Sie dennoch mit dieser Produktgruppe Vertriebserfolge einfahren, zeigt ein aktuelles Praxisbuch.

Mehr Informationen erhalten Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
1.4.2016 – Fachkräftemangel auf der einen, Altersarmut auf der anderen Seite: Man sollte meinen, die Zeiten wären gut für die betriebliche Altersversorgung (bAV). Der klassische Vermittler ist hier gefragt, schreibt Regina Kutschera in einem Gastbeitrag. (Bild: Kutschera) mehr ...
 
22.2.2016 – Stagnation in der betrieblichen Altersversorgung? Dass bAV auch in einer anhaltenden Niedrigzinsphase funktionieren kann, zeigt sich am Versorgungswerk Metallrente, das erste Zahlen für 2015 präsentiert hat. (Bild: Brüss) mehr ...
 
7.4.2015 – Auch bei der Stuttgarter Lebensversicherung und bei der Metallrente lief 2014 das Geschäft in der betrieblichen Altersversorgung gut. Zufrieden zeigt sich ebenso die A.S.I. Wirtschaftsberatung AG. mehr ...
 
10.2.2011 – Zahlreiche Anbieter haben ihr Produktangebot im Bereich der biometrischen Absicherung verbessert. Mit welchen Neuerungen die Gesellschaften neue Kunden gewinnen wollen, zeigt ein Überblick des VersicherungsJournals. mehr ...
 
11.1.2018 – Der Startschuss für neuartige Betriebsrenten ist gefallen. Mit reinen Beitragszusagen im Sozialpartnermodell könnte es noch etwas dauern. Aber für die alte bAV-Welt gibt es schon neue Produktansätze. (Bild: Provinzial) mehr ...
 
22.12.2017 – Zahlreiche neue Regelungen rund um die Beratung und die Berater treten im kommenden Jahr in Kraft. Nur Weniges wird die Arbeit der unabhängigen Vermittler und Berater erleichtern. (Bild: Anlagegold.de) mehr ...
 
11.12.2017 – Die neue Betriebsrente steht vor dem Start, doch die alte bAV-Welt existiert weiter und verspricht gute Angebote. Doch bei der Entgeltumwandlung sind in der Vergangenheit zahlreiche Fehler passiert. (Bild: Ben Gierig) mehr ...
WERBUNG