19.1.2026 – Dr. Marc Surminski, Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV), hat wieder einen Blick in die Zukunft der Versicherungsbranche geworfen. Dabei hat er unerwartete Antworten auf die Frage gefunden, worauf sich Assekuranz und Vermittler einstellen müssen. Sein nicht ganz ernst gemeinter, gleichwohl bedenkenswerter Ausblick findet sich hier in Auszügen und in voller Länge in Ausgabe 01/2026 der ZfV.
Auch in diesem Jahr haben viele Leser wieder den Wunsch an uns herangetragen, eine knappe Vorschau auf die wichtigsten Ereignisse des neuen Jahres zu geben, weil das nicht wenigen für ihre tägliche Arbeit hilfreich erscheint. Wir kommen diesem Wunsch gern nach, weisen aber vorsorglich darauf hin, dass die folgende Jahresvorschau möglicherweise in dem einen oder anderen Punkt nicht vollständig mit den Ereignissen des Jahres übereinstimmen wird.
Im Januar konstituiert sich eine neue Brancheninitiative. Unter dem Arbeitstitel „Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?“ arbeiten Versicherer und Vermittler gemeinsam an der Verhinderung eines neuen Standardproduktes bei der Riester-Reform, das die Bundesregierung plant.
Eine Medienkampagne der neuen Initiative kreiert die Slogans „Kein Abschluss ohne Beratung“ und „Der Deckel muss weg“. Unerwartete Schützenhilfe erhält die Branche von Verbraucherschützern, die im Zweifelsfall auch lieber vor einfachen Lösungen zurückschrecken und Einzelfallgerechtigkeit bevorzugen.
Die Initiative setzt sich dafür ein, dass das neue Standardprodukt mit biometrischen Zusatzdeckungen überfrachtet werden kann, um die Transparenz zu reduzieren und die Beratungsvergütung zu optimieren. Weil die Bundesregierung fürchtet, dass ihr neues Vorsorgeprojekt zum Flopp wird, wenn es zu einfach und zu preiswert ist, kommt sie der Branche entgegen und hebt den Provisionsdeckel so weit an, dass auch die DVAG darunter durchschlüpfen kann.
Die Bundesregierung steht vor einem Problem: Der Gesetzentwurf zur Reform der geförderten Altersvorsorge wurde zwar in Rekordzeit umgesetzt, aber jetzt fehlt noch ein zugkräftiger Name. Mit „Frühstartrente“ und „Aktivrente“ ist das Feld nach nur knapp einem Jahr schwarz-roter Koalition schon gut besetzt. „Hoffnungsrente“ scheidet aus, „Last Generation Rente“ reißt auch nicht so richtig mit.
Die Ampelkoalition, auf deren Vorarbeit das neue Konzept im Wesentlichen beruht, hätte wohl den Begriff „Lindner-Rente“ gewählt. Es nach dem neuen Finanzminister zu nennen, wäre deshalb naheliegend, würde aber irgendwie unglücklich klingen. Beim Vorgänger-Produkt war zudem „Riestern“ ein geläufiger Begriff, „Klingbeilen“ dürfte sich dagegen kaum durchsetzen.
Schließlich nimmt man einfach den ursprünglichen, korrekten Namen „Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge“ (GRSGPV). Klingt ziemlich genau so mitreißend, wie Schwarz-Rot regiert.
Die Bafin zieht das Tempo bei den Regulierungsmaßnahmen weiter an. Sie präsentiert ihre neue „Unwohlverhaltensaufsicht“. Diese gibt der Behörde weitgehende Befugnisse, wenn sie sich beim Blick auf das Verhalten ihrer Aufsichtssubjekte nicht wohlfühlt.
Neuer Kernbegriff ist in diesem Zusammenhang das „gefühlte Kundeninteresse“, das nun zu einem der schärfsten Schwerter der Aufsicht wird und endlich den umständlichen Nachweis erübrigt, was denn nun das Kundeninteresse wirklich ausmacht.
In Erweiterung des EU-Begriffes „Value for Money“ wird nun „Ist das Geld nicht wert“ zur Grundlage für einen kritischen Blick auf Produkte und Prozesse. Das bringt den deutschen Markt ein ganzes Stück weiter. „Wohin eigentlich?“ fragen sich aber trotzdem nicht Wenige.
Mitte des Jahres sinkt plötzlich im deutschen Markt der Konsolidierungsdruck. Dutzende Versicherer und Makler sind unmittelbar betroffen.
Die Ursachen bleiben unklar. Viele Beobachter fühlen sich an die Nachhaltigkeitskrise aus dem Vorjahr erinnert, als ESG quasi über Nacht aus den Chefetagen vor allem der international tätigen Erst- und Rückversicherer verschwand.
Fast zeitgleich gerät 2026 auch der Transformationsprozess ins Stocken, nachdem sich das Fusionskarussell schon seit März nicht mehr so richtig gedreht hatte. Ende des Jahres verschwindet dann nach einem BGH-Urteil endgültig die Unabhängigkeit der Makler. In der Branche macht sich Krisenstimmung breit.
Nur auf den KI-Hype ist noch Verlass. Er sorgt dafür, dass Manager und Berater auch in diesem Jahr weiter hoch touren können.
Statt Naturkatastrophen dominieren 2026 vor allem große Man-made-Desaster das Schadengeschehen. Ausdrücklich nicht dazu zählt die Nachfolgeregelung für Oliver Bäte an der Allianz-Spitze, obwohl es dazu in München auch andere Meinungen gibt.
Das Rentenpaket der schwarz-roten Bundesregierung wurde zwar schon Ende 2025 verabschiedet, seine katastrophale Wirkung kann es aber erst ab 2026 entfalten. Das Vorrunden-Aus des deutschen Teams bei der Fußballweltmeisterschaft im Sommer macht alle Hoffnungen auf einen Stimmungsumschwung in Wirtschaft und Bevölkerung zunichte und kostet etwa die Hälfte des für 2026 eigentlich erwarteten Wirtschaftswachstums.
Eine gravierende Cyber-Attacke auf die elektronische Patientenakte (ePA) hat dagegen, anders als zunächst befürchtet, keine gravierenden Auswirkungen auf das Gesundheitssystem, weil – Glück im Unglück – bisher kaum Daten in der ePA gespeichert sind und zudem in der Regel die Schnittstellen zu Arztpraxen und Krankenhäusern nicht funktionieren.
Die Interessenvertretung der deutschen Vermittlerschaft ist traditionell stark zersplittert. Um das zu ändern, wird auf der Dortmunder DKM eine neue Initiative gestartet: Nachdem im Vorjahr erstmal der BVK und der BDVM eine gemeinsame Pressekonferenz gegeben hatten, was nicht bei allen auf Begeisterung gestoßen war, werden diesmal auch alle anderen Vermittlerverbände eingeladen.
Dazu muss man in die Westfalen-Halle ausweichen, weil es ansonsten auf dem Messegelände keine so breite Bühne gibt, bei der alle nebeneinander sitzen können. AfW und BVK sind durch eine Plexiglaswand voneinander getrennt. Obwohl die Redezeit pro Verband begrenzt ist, dauert die Veranstaltung über 3,5 Stunden. Am Ende sind keine Journalisten mehr im Saal, und die Verbandsvertreter diskutieren nur noch untereinander. Vielfalt kann ganz schön anstrengend sein.
Auch 2026 steht im Zeichen rasanter Entwicklungssprünge der KI. Ein besonders vielversprechender Trend ist Agentic-AI. Hierbei können KI-Applikationen in bestimmten Bereichen das Kommando übernehmen und selbständig mit anderen Agenten interagieren.
Wie gut das schon funktioniert, wird der breiten Fachöffentlichkeit erst bewusst, als bekannt wird, dass die Übernahme der Nürnberger durch die VIG im Wesentlichen über hochentwickelte KI-Agenten organisiert wurde. Das erklärt, warum der Prozess so schnell und reibungslos ablief. Die beiden Vorstandsvorsitzenden waren erst involviert, als die Verträge nur noch unterschrieben werden mussten.
Man kann davon ausgehen, dass inzwischen im Verborgenen viele KI-Agenten an ähnlichen Lösungen für Fusionen und Übernahmen arbeiten. Das Zusammengehen von Stuttgarter und Süddeutscher sei aber vollständig „man made“, betonten Guido Bader und Ulrich Mitzlaff in einer eidesstattlichen Erklärung.
Der Autor ist Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen. Der vollständige Ausblick auf 2025 kann in der aktuellen Ausgabe 01/2026 der Zeitschrift nachgelesen werden. Auszüge aus den Jahresvorschauen der Vorjahre finden sich im VersicherungsJournal Archiv.
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