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In Leben wird der Schlussverkauf per Günstigerprüfung eingeläutet

19.6.2024 – Die Lebensversicherer blicken wieder deutlich positiver in die Zukunft. Höhere Zinsen stabilisieren die Unternehmen. Der Wettbewerb könnte schon Mitte 2024 anziehen. Dann rechnen Marktbeobachter damit, dass die besseren Konditionen durch die Steigerung des Höchstrechnungszins ab 2025 automatisch vereinbart werden.

„Die Bruttoprämien für Berufsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- und Risikolebensversicherungen sinken 2025 zwischen acht und zehn Prozent“, schätzt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH.

Lars Heermann (Screenshot: Schmidt-Kasparek)
Lars Heermann (Screenshot: Schmidt-Kasparek)

Grund für diese Entwicklung ist die Anpassung des Höchstrechnungszinses (HRZ) zum 1. Januar 2025 von 0,25 Prozent auf 1,0 Prozent (VersicherungsJournal 30.4.2024). „Die Lebensversicherer haben dann künftig wieder mehr Spielraum in ihrer Kalkulation“, so Heermann am Dienstag bei der Präsentation des „Marktausblicks Lebensversicherung 2024/2025“.

Rückkehr der Beitragsgarantie

Der Analyst rechnet damit, dass es wieder mehr Angebote für eine „100 Prozent Beitragsgarantie“ geben wird. Möglicherweise könnten auch wieder mehr Riester-Tarife auf den Markt kommen, denn bei ihnen ist die 100-Prozent-Garantie verpflichtend. Das sei aber davon abhängig, ob es noch eine Reform für die staatlich geförderte Altersvorsorge gebe.

Geplant sei ein neues Konzept der staatlichen Förderung (30.5.2024, 20.3.2024). Wird dies bis Ende der Legislaturperiode nicht mehr verwirklicht, seien mehr Riester-Tarife vorstellbar.

Für sehr konservative Kunden könnte die Beitragsgarantie interessant sein. „Dann verlieren sie garantiert keine Beiträge“, so Heermann. Er geht aber davon aus, dass es trotz höherer Zinsen keine Kehrtwende zu klassischen Tarifen geben wird. Dies zeigt die Geschäftserwartung für 2024.

Renner: Fondspolicen ohne Garantie

Laut einer Umfrage der Assekurata bei 30 Unternehmen ist bei klassischen Lebensversicherungsangeboten sowohl die Geschäftslage (-1,23 bis -2,0 = „sehr negativ“) als auch die Geschäftserwartung (-1,07) deutlich negativ. Selbst die Aussichten für die Neue Klassik (-0,31) mit abgespeckten Garantien und Indexpolicen (-0,04) werden von den Assekuranzen noch leicht negativ eingeschätzt.

Deutlich aufgeholt hat hingegen die betriebliche Altersversorgung (bAV) (0,66 bis +plus 2,0 = „sehr positiv“). Diese liegt nun klar im positiven Bereich. Das gilt auch für Fondspolicen mit Garantie (0,73).

Fondspolicen ohne Garantie (1,17) sind aber nach Einschätzung der Lebensversicherer der Renner im Wachstum. Ihr Absatz wird deutlich positiv eingeschätzt. Das gilt etwas abgeschwächt auch für die Berufsunfähigkeitsversicherung (0,77), während der Grundfähigkeitsschutz (0,50) weniger positiv abschneidet.

Wachstumstrends (Bild: Assekurata)
Zum Vergrößern Bild klicken. (Bild: Assekurata)

Neukunde 2024: automatisch ab 2025 bessere Konditionen

Die Vermittler müssen sich nach Einschätzung von Assekurata aber keine Sorgen machen, dass sie die Produkte, die 2025 günstiger werden, 2024 nicht mehr verkaufen können. „Es wird branchenweit eine Günstigerprüfung geben“, so die Erkenntnis von Heermann.

Damit erhielten die Kunden eine Option zum Wechsel. Dabei würden die Lebensversicherungen und der Arbeitskraftschutz 2025 automatisch auf die dann geltenden, besseren Konditionen umgestellt. „Es müssen aber keine neuen Abschlusskosten gezahlt werden“, betonte Heermann. Für Lebensversicherungen würden beispielsweise nach der Umstellung höhere garantierte Rentenfaktoren gelten.

In Biometrie Optionen zur Beitragssenkung

Reiner Will (Screenshot: Schmidt-Kasparek)
Reiner Will (Screenshot: Schmidt-Kasparek)

Der Abschluss von Arbeitskraftschutz sollte wegen eines höheren Einstiegsalters und der möglichen Verschlechterung des Gesundheitsschutzes nicht aufgeschoben werden. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass es bei biometrischen Produkten Optionen zu Beitragssenkungen gibt. Vielmehr werden die Versicherungssummen, also in der Berufsunfähigkeitsversicherung beispielsweise die monatliche Rente, nach oben angepasst“, erläuterte Dr. Reiner Will.

Grund sei, dass die Umstiegsoption möglichst verwaltungsarm gestaltet werden soll. Die Provisionen der Vermittler würden wohl auf Basis der höheren Versicherungssummen berechnet. Vermittler könnten den Kunden so beim Abschluss ein „gutes Gefühl“ vermitteln. „Etwa nach dem Motto „Da kommt 2025 noch was obendrauf“, so der Assekurata-Geschäftsführer.

In der Sparte Risikoleben erwartet Will eine Verschärfung des schon heute deutlichen Preiskampfes. Die Vergünstigungen durch den neuen Höchstrechnungszins würden aber aller Voraussicht nur für neue Verträge gelten, die im Jahr 2024 abgeschlossen werden.

Heermann: „Eine Günstigerprüfung für den Bestand wäre sehr aufwendig und ertragsmindernd.“ Ob es für einen solchen Schritt einen juristischen Anspruch gebe – in der Diskussion wurde der Gleichheitsgrundsatz eingebracht – könne Assekurata nicht beurteilen.

Problem: Einmalbeiträge

Eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zeigt eine positive Entwicklung für die deutsche Lebensversicherung auf. Im Gegensatz zu 2023 rechnet keine Assekuranz mehr mit einem schlechteren Geschäft. 80 Prozent gehen von gleichbleibenden Ergebnissen aus, während schon 20 Prozent der Unternehmen mit besseren Ergebnissen für 2024 rechnen.

Ein ähnliches Bild zeichnet auch Assekurata für 2024. So werden stabile laufende Beiträge von 64 (im Vorjahr: 64,3) Milliarden Euro erwartet (23.6.2023), während es bei Einmalbeiträgen laut Prognose weiter einen Abrieb gibt. Gerechnet wird mit 23,5 (24,8) Milliarden Euro. Demgegenüber sei die Stornoquote mit 4,5 Prozent stabil. „Die Lebensversicherungskunden sind ihren Unternehmen treu“, so Heermann. Daher gebe es von dieser Seite keine Liquiditätsprobleme.

Wachstum (Bild: Assekurata)
Zum Vergrößern Bild klicken. (Bild: Assekurata)

Strategisch müssen die Unternehmen derzeit entscheiden, wie viel Kapital sie aus der Zinszusatzreserve, die langsam aufgelöst wird, in den Wettbewerb, also höhere Überschüsse, stecken. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat hier eine Balance gefordert, damit mit Neuanlagen auch stille Lasten abgebaut werden.

Der Assekurata „Marktausblick Lebensversicherung 2024/2025“, der über 50 Seiten umfasst, kann kostenfrei bei der Ratingagentur angefordert werden.

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