Hundebiss: Haftung aus Tiergefahr ist keine Einbahnstraße

24.3.2020 – Wer ohne sich ausreichend zu schützen versucht, zwei angriffslustige Hunde voneinander zu trennen, muss sich im Fall einer Verletzung ein erhebliches Mitverschulden anrechnen lassen. Das geht aus einem Beschluss des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 4. Oktober 2019 hervor (5 U 114/19).

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Die Klägerin befand sich zusammen mit ihrem Hund auf einem Strandspaziergang, als ihr eine andere Hundehalterin mit ihrem Tier begegnete. Beide Hunde waren nicht angeleint.

Hundebiss in den Unterarm

Als sie anfingen, aggressiv aufeinander loszugehen, griff die Frau ihren Hund in den Nacken, um ihn von dem anderen Tier zu trennen. Sie behauptete, dabei weder vor die Schnauze des fremden Hundes, noch in den vorderen Halsbereich ihres eigenen Vierbeiners gegriffen zu haben.

Dennoch wurde die Klägerin von dem fremden Hund in den linken Unterarm gebissen. Dabei erlitt sie mehrere blutige Bissverletzungen, die stationär in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Nach wie vor zeugt eine Narbe von der Verwundung.

Tiergefahr des eigenen Hundes zurechnen lassen

Die Frau verklagte die Halterin des Hundes, der ihr die Verletzungen zugefügt hatte, auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 4.000 Euro. Dabei stützte sie sich auf das Argument, dass die Beschuldigte aus der sogenannten Tiergefahr gemäß § 833 BGB heraus hafte. Doch damit hatte sie nur teilweise Erfolg.

Nach Ansicht des Gerichts ist eine Haftung aus der Tiergefahr keine Einbahnstraße. Die Klägerin müsse sich daher die Tiergefahr ihres eigenen Hundes zurechnen lassen, auch wenn diese weniger schwer wiege, als jene des Hundes, der sie gebissen habe.

Mitverschulden mit Anteil von 80 Prozent gewertet

Im Übrigen begründe ihr eigenes Verhalten ein Mitverschulden. „Denn es ist in hohem Maße leichtfertig, in eine brenzlige Auseinandersetzung zweier angriffslustiger Hunde ohne Schutzvorrichtung einzugreifen“, so das Gericht.

Unter Würdigung der Gesamtumstände waren die Richter überzeugt, dass die Klägerin ganz überwiegend selbst für die Verletzungen, die sie bei der Auseinandersetzung der beiden Hunde erlitten hatte, verantwortlich ist. Ihr Mitverschulden wertete das Gericht mit 80 Prozent. Ihr wurde daher nur ein Schmerzensgeld in Höhe von 800 Euro zugesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Vergleichbares Urteil

Besser weg kam eine verletzte Hundehalterin, über deren vergleichbaren Fall im Dezember letzten Jahres das Oberlandesgericht Koblenz zu entscheiden hatte. Sie war beim Ausführen ihres Hundes verletzt worden, weil ein anderer, unkontrolliert herumlaufender Hund ein Getümmel der Tiere ausgelöst hatte.

Die Betroffene musste sich lediglich ein Mitverschulden von einem Drittel anrechnen lassen. Auch diese Entscheidung ist rechtskräftig. (VersicherungsJournal 6.2.2020).

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Beitragsrückerstattung · Schmerzensgeld
 
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