27.1.2017 (€) – Die deutschen Versicherer sehen sich in einem anhaltend herausfordernden Umfeld als Hort der Stabilität, wobei die Beiträge in diesem Jahr nominal „mindestens“ um ein Prozent zunehmen sollten nach plus 0,2 Prozent in 2016. In realer Betrachtung dürfte dies eher auf ein weiteres Jahr der Stagnation hinauslaufen. Deshalb gerät die Kostenseite verstärkt in den Blick. GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland sieht hier die Vertriebs- und Personalkosten im Fokus stehen. Im Bereich der Lebensversicherung – dem Kerngeschäft der Versicherer – wird in diesem Jahr nur noch ein leichter Rückgang der Beitragseinnahmen von etwa 0,5 (2016: minus 2,2) Prozent erwartet.
Die Vertriebskosten waren gestern auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ein heißes Thema. GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland sagte in Bezug auf die im vergangenen Jahr angefallenen Vertriebskosten, die Zahlen lägen zwar noch nicht vor, aber die Kosten dürften weiter zurückgegangen sein.
„Wir haben hier den politischen Druck“, sagte Erdland mit Blick auf die mit dem LVRG verbundenen politischen Erwartungen. Zudem verstärke sich auch über die neuen, transparenten Produktinformations-Blätter (PIB) für Riester- und Rürup-Policen (VersicherungsJournal 31.8.2016, 5.9.2016) der Druck auf die Provisionen.

- Bild: GDV
Der GDV-Präsident erinnerte aber auch daran, dass man Verträge mit den Vermittlern geschlossen habe, die zunächst neu verhandelt werden müssten. „Hier muss man noch einiges anpassen“, sagte Erdland. Der Personalabbau werde weitergehen, aber sozialverträglich gestaltet, versicherte der GDV-Präsident, der sich zum Umfang des Abbaus nicht konkret äußern wollte.
„Neue“ Produkte auf dem Vormarsch
Wichtig sei, dass im Bereich der Lebensversicherung die neuen Produkte mit abgewandelten Garantien und höheren Renditechancen gut aufgenommen würden, sagte Erdland.
Im Neugeschäft sei 2016 darauf bereits knapp die Hälfte der Verträge entfallen nach einem guten Drittel Prozent im Jahr zuvor und nicht einmal einem Viertel im Jahr 2013.
Der Anteil der klassischen Lebens- und Rentenversicherungen mit Höchstrechnungszins ist 2016 im Gegenzug auf knapp unter die Hälfte gesunken, liegt damit aber immer noch – wenn auch nur leicht – in Front. Vor drei Jahren hatte der Anteil noch bei fast drei Vierteln gelegen.
Im vergangenen Jahr waren die Einnahmen aus den laufenden Beiträgen um 0,5 Prozent auf 64,3 Milliarden Euro rückläufig. Bei den Einmalbeiträgen habe sich die Konsolidierung fortgesetzt, sagte Erdland. Diese gingen um 6,1 Prozent auf 26,3 Milliarden Euro zurück. Das Neugeschäft nach APE sank in der Folge leicht von 8,11 auf 8,04 Milliarden Euro (jeweils Lebensversicherung inklusive Pensionsfonds und Pensionskassen).
Stabilisierung im Kernsegment Leben erwartet
Im Ergebnis rechnen die Lebensversicherer bei den Beitragseinnahmen für das laufende Jahr nur noch mit einem kleinen Rückgang von etwa 0,5 Prozent. 2016 waren die Beitragseinnahmen um 2,2 Prozent auf 90,7 (92,7) Milliarden Euro gesunken.
„Angesichts der niedrigen Zinsen, der demografischen Entwicklung und mancher politischen Verunsicherung ist das Ergebnis der Lebensversicherer durchaus respektabel“, fasste Erdland die Lage im Kernbereich zusammen. Auch die Stornoquote sollte sich nochmals verringert haben, auf voraussichtlich auf einen neuen Tiefstwert von rund 2,8 Prozent.
Gutes Jahr für die Schaden- und Unfallversicherer
Die Schaden- und Unfallversicherer können auf ein zufriedenstellendes Jahr 2016 zurückblicken. Ihre Einnahmen wuchsen um 2,9 Prozent auf 6,3 (64,4) Milliarden Euro. Für 2017 rechnet die Branche mit einem Plus von nochmals 2,1 Prozent.
Erfreulich sei im vergangenen Jahr die Entwicklung in der Kfz-Versicherung verlaufen, wobei das Beitragsvolumen um 2,5 Prozent auf 25,9 Milliarden Euro zugenommen habe. „Zum dritten Mal in Folge konnten damit die Einnahmen die Leistungen decken“, hob der GDV-Präsident hervor.
Im Ergebnis dürfte die Schaden- und Unfallversicherer im Berichtsjahr erneut schwarze Zahlen geschrieben haben. Die Schaden-Kosten-Quote könnte wieder wie 2015 bei etwa 96 Prozent liegen und der versicherungstechnische Gewinn rund 2,3 (2,5) Milliarden Euro betragen. Exakte Zahlen für die gesamte Branche sollen im März vorgelegt werden.
PKV zufrieden mit Entwicklung
Uwe Laue, Vorsitzender des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband), äußerte sich am Rande der Pressekonferenz zufrieden über die Entwicklung in der privaten Krankenversicherer (PKV), obwohl von der Bundesregierung (Blockadehaltung der SPD) derzeit keinerlei Entgegenkommen (etwa bei den Modalitäten zu Beitragsanpassungen) zu erwarten sei.
Im zweiten Halbjahr 2016 sei es gelungen, den negativen Trend in der Krankenvollversicherung wieder zu brechen und einen Nettozuwachs zu erzielen. Auf das Gesamtjahr gesehen gab es dennoch ein Minus (VersicherungsJournal 26.1.2017).




