Diese Lebensversicherer sind besonders finanzstark

25.1.2023 – Die Huk-Coburg und die VRK kommen auf die höchsten ökonomischen Eigenkapitalquoten unter den deutschen Lebensversicherern. Zu diesem Ergebnis gelangt Realrate in seinem Finanzstärkerating.

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Die Realrate GmbH hat kürzlich die aktuelle Auflage ihres Finanzstärkeratings der deutschen Lebensversicherer vorgelegt. Die Ratingpositionen werden nach der sogenannten ökonomischen Eigenkapitalquote vergeben.

Ökonomische Eigenkapitalquote

Die ökonomische Eigenkapitalquote ist dabei das Verhältnis aus ökonomischem Eigenkapital zur Bilanzsumme. „Das ökonomische Eigenkapital umfasst zum einen die Gewinne der Vergangenheit, welche im handelsrechtlichen Eigenkapital angespart wurden, und zum anderen die künftigen Gewinne aus dem Bestand“, erläutert Geschäftsführer Holger Bartel auf Nachfrage der Redaktion.

„Dabei findet eine Umbewertung von Buch- auf Marktwerte statt; es werden also die stillen Reserven berücksichtigt, die aus der Differenz der Buch- und Marktwerte resultieren. Der Zähler der ökonomischen Eigenkapitalquote entspricht damit methodisch im Wesentlichen dem Zähler der aufsichtsrechtlichen Solvency-II-Quote“, erklärt Bartel weiter.

Weitere Details zur Methodik

Der Analyst beschreibt das gewählte Bewertungsmodell als „ein hybrides System: Es besteht zum einen aus einem Expertensystem. Dieses führt die öffentlich verfügbaren Inputdaten aus der handelsrechtlichen Bilanz über verschiedene Kennzahlen schrittweise zusammen, bis zur letztlich relevanten ökonomischen Eigenkapitalquote“.

Daneben werde als modernes statistisches Verfahren die künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt. Dies geschehe, indem wesentliche Modellparameter, die den Einfluss des Eigenkapitals und der künftigen Gewinne auf die Solvabilität bestimmen, über alle Unternehmen und mehrere Jahre robust geschätzt werden.

Dabei werden laut Bartel nur wenige freie Parameter verwendet. Als Beispiele nennt der Realrate-Geschäftsführer einen „Skalierungsfaktor auf die in der Vergangenheit angesammelten handelsrechtlichen Gewinne oder für den Barwert-Multiplikator, mit dem die zukünftigen Gewinne multipliziert werden, um auf den Unternehmenswert zu kommen“.

Die Parameterschätzung erfolge im Rahmen des „Supervised Machine Learnings“ so, dass der Unternehmenswert (gemäß der veröffentlichten Solvency-II-Eigenmittel) möglichst gut getroffen werde. Bartel stellt heraus: „Mit unserem Modell soll ja die Realität möglichst gut erklärt werden. Je mehr Daten man hat, desto besser die Schätzung der Parameter.“ Für die Lebensversicherer sind das die Daten über die letzten acht Jahre.

Huk-Coburg mit der höchsten Quote

Das Analysehaus hat insgesamt 60 Lebensversicherer unter die Lupe genommen. Die höchste ökonomische Eigenkapitalquote (20,1 Prozent) wird für die Huk-Coburg-Lebensversicherung AG ausgewiesen. Dahinter folgen die Versicherer im Raum der Kirchen Lebensversicherung AG (VRK; 18,2 Prozent) und die Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G. (17,2 Prozent).

Auf Werte zwischen gut 15 und gut 13 Prozent kommen die BL die Bayerische Lebensversicherung AG, die Heidelberger Lebensversicherung AG, die Athora Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung a.G., die Mecklenburgische Lebensversicherungs-AG, die Deutsche Ärzteversicherung AG und die Continentale Lebensversicherung AG.

Rangliste (Bild: Wichert)

Diese zehn Akteure erhielten das Siegel „top rated“, das an das beste Viertel der Testkandidaten vergeben wird. Ebenfalls zu dieser Gruppe zählen die Hansemerkur Lebensversicherung AG, die Lebensversicherung von 1871 a.G. München, die Münchener Verein Lebensversicherung AG, die Victoria Lebensversicherung AG und die Provinzial Lebensversicherung Hannover.

Tabelle und kausaler Graph

Die vollständige Rangliste kann auf dieser Internetseite eingesehen werden. Dort stellen die Analysten für jeden untersuchten Anbieter einen zweiseitigen PDF-Ratingbericht zur Verfügung, der sich per Klick auf den Unternehmensnamen öffnen lässt.

In dem Dokument wird zum einen in tabellarischer Form dargestellt, wie die jeweilige Gesellschaft in Bezug auf die Variablen abschneidet, die Einfluss auf die ökonomische Eigenkapitalquote haben. Dabei werden auch die Stärken und Schwächen im Vergleich zum Marktdurchschnitt genannt.

Zum anderen wird in einem kausalen Graphen „der Zusammenhang zwischen den einzelnen Kennzahlen deutlich gemacht. Durch farbliche Hervorhebung werden die Stärken (grün) beziehungsweise die Schwächen (rot) deutlich gemacht“, erläutert Bartel.

Hintergründe zur Huk-Coburg

Nach Aussage des Realrate-Geschäftsführers sind es mit der Huk-Coburg, der VRK und der Bayerischen gerade nicht die Marktschwergewichte, die sich auf dem Podium wiederfinden. Bereits zum wiederholten Male hätten die drei vorgenannten Gesellschaften Topplatzierungen erreicht.

Bei der Huk-Coburg sei das hohe handelsrechtliche Eigenkapital (ohne Genussrechte und nachrangige Verbindlichkeiten) maßgeblich ursächlich für die sehr gute Finanzausstattung. Zum Hintergrund führt Bartel aus, dass die Gesellschaft im Zuge der Solvency-II-Einführung eine umfassende Kapitalerhöhung aus dem Konzern erhalten habe.

„Im Vergleich zum Marktdurchschnitt erhöht es die ökonomische Eigenkapitalquote um 7,63 Prozentpunkte. Aber auch die hohe Produktprofitabilität (Risiko- und übriges Ergebnis) trägt sehr zur Stärkung der Finanzkraft bei. Sie erhöht die Finanzstärke um 5,26 Prozentpunkte“, erläutert Bartel.

Die ökonomische Eigenkapitalquote liege unter Berücksichtigung aller Effekte mit knapp 20,1 Prozent um 11,2 Prozentpunkte über dem Durchschnitt aller deutschen Lebensversicherer von 8,9 Prozent.

Allianz auf Position 38: Stärken…

Der Marktführer Allianz Lebensversicherungs-AG (VersicherungsJournal 16.8.2022) landete mit leicht unterdurchschnittlicher Quote von 8,23 Prozent an 38. Stelle. Größte Stärke der Allianz ist laut Bartel „der geringe zugesagte Garantiezins (mittlerer Tarifrechnungszins), der indirekt aus den verfügbaren Bilanzdaten geschätzt wird.

Die Allianz ist in der Niedrigzinsphase früher als andere Versicherer damit gestartet, die Last der Garantiezinsen zu senken, indem ergänzend moderne Produkte mit geringeren Zinsgarantien eingeführt wurden. Diese Strategie hat die Finanzstärke nachhaltig gestärkt: Die ökonomische Eigenkapitalquote steigt hierdurch im Vergleich zum Marktdurchschnitt um 4,63 Prozentpunkte“.

Auch verfüge der Marktführer über umfangreiche aktivische Bewertungsreserven (die Marktwerte der Kapitalanlagen sind höher als die konservativ angesetzten Buchwerte der HGB-Bilanz). Dadurch steige die ökonomische Eigenkapitalquote um 2,27 Prozentpunkte im Vergleich zum Durchschnitt aller Lebensversicherer.

„Rechnungszins und Bewertungsreserven werden sich zusammen in Form von künftigen Überschüssen realisieren, welche im Realrate-Bewertungsmodell angesetzt werden“, erläutert Bartel zum Hintergrund. Dies entspreche auch der Logik des Solvency-II-Aufsichtsregimes.

…und Schwächen des Marktführers

Als eine relative Schwäche der Allianz beschreibt Bartel das markt-unterdurchschnittliche Risiko- und übrige Ergebnis. Dies entspreche einer unterdurchschnittlichen versicherungs-technischen Produktprofitabilität, was die Finanzstärke um 3,22 Prozentpunkte reduziere.

„Obwohl das handelsrechtliche Eigenkapital (ohne Genussrechte und nachrangige Verbindlichkeiten) der Allianz Leben in Höhe von rund drei Milliarden Euro absolut gesehen riesig ist, so ist es im Vergleich zur Bilanzsumme von rund 284 Milliarden Euro markt-unterdurchschnittlich“, so der Realrate-Geschäftsführer weiter. Dies reduziere die Finanzstärke-Kennziffer um 2,26 Prozentpunkte.

Im Realrate-Ratingmodell gibt es laut Bartel „keinen Bonus für absolute Größe. Stattdessen wird die relative Bilanzstruktur verglichen, bei der die Größe keine Rolle spielt“.

Marktgrößen nur im Mittelfeld

Am besten unter den Marktschwergewichten mit mehr als 2,5 Milliarden Euro Prämieneinnahmen schneidet die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. auf Platz 17 ab. Wie die Allianz nur im Mittelfeld, landeten der Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G. (Rang 29), die Axa Lebensversicherung AG (Position 33), die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG (an 35. Stelle).

Im unteren Drittel platziert sind die R+V Lebensversicherung AG (Rang 40), die Generali Deutschland Lebensversicherung AG (an 48. Stelle) und die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG (Position 50).

 
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