Diese Krankenvollversicherer schrieben 2023 das meiste Neugeschäft

10.10.2024 (€) – Über ein Viertel des gesamten Bruttoneuzugangs in der Krankenvollversicherung entfällt auf die Debeka. Zusammen mit der Hansemerkur und der Signal Iduna gehen fast 45 Prozent des Neugeschäfts auf das Konto von nur drei Anbietern. Dies zeigt die Analyse „Die PKV im Jahre 2023“ in Heft 10/2024 der Zeitschrift für Versicherungswesen.

Die Anbieter der privaten Krankenversicherung (PKV) schafften es im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt, den Bestand an Krankenvollversicherten auszubauen. Die Steigerung betrug nach vorläufigen Zahlen des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) nicht ganz 0,1 Prozent auf etwa 8,71 Millionen Personen (VersicherungsJournal 25.1.2024).

Rückläufiger Bruttoneuzugang

Der Bruttoneuzugang bewegte sich laut der Analyse „Die PKV im Jahre 2023“ der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV; Ausgabe 10/2024) auf dem Niveau des Vorjahres. ZfV-Chefredakteur Dr. Marc Surminski verortete diesen unter Berufung auf vorläufige Zahlen des PKV-Verbands auf rund 274.000.

Dies entspricht einem der niedrigsten Werte in den vergangenen 14 Jahren. Nur 2014 und 2015 waren es mit jeweils unter 270.000 noch einmal klar weniger. Zum Vergleich: 2010 und 2011 fiel der Bruttoneuzugang mit fast 500.000 noch fast doppelt so groß aus.

PKV Bruttoneugeschäft Krankenvollversicherung 2010 bis 2023 (Bild: Wichert)

Zum Bruttoneuzugang gehören nach Verbandsangaben alle Personen, die eine Krankenvollversicherung neu abgeschlossen haben. Nicht berücksichtigt werden demzufolge jedoch die Abgänge durch Kündigung des Versicherungsschutzes oder Tod.

Versicherungspflichtgrenze steigt immer weiter

Die rückläufige Entwicklung beim Bruttoneuzugang im gesamten Beobachtungszeitraum ist insbesondere der in so gut wie jedem Jahr gestiegenen Versicherungspflichtgrenze geschuldet. Diese erhöhte sich seit 2011 um annähernd 20.000 Euro beziehungsweise fast ein Drittel auf 69.300 Euro im Jahr 2024 (12.10.2023).

Im kommenden Jahr soll es laut dem Referentenentwurf zur Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2025 aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) um weitere 4.500 Euro auf 73.800 Euro nach oben gehen. Dies wäre mit 6,5 Prozent eine der stärksten Steigerung überhaupt (13.9.2024).

Allerdings hat Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) die von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung einem Ende September veröffentlichten Medienbericht zufolge vorerst gestoppt. Es liefen nun Gespräche in der Bundesregierung über das weitere Vorgehen, habe man aus Regierungskreisen erfahren (27.9.2024).

Das Neugeschäft ist keine Pflichtangabe

Wie sich das Bruttoneugeschäft auf Ebene der einzelnen Anbieter betrachtet entwickelt hat, ist nirgendwo offiziell nachzulesen. Denn dies müssen die privaten Krankenversicherer in ihren Geschäftsberichten nicht ausweisen. Und die große Mehrheit der Marktteilnehmer tut dies auch nicht.

Hier hilft ein Blick in die oben erwähnte PKV-Analyse der ZfV weiter. Für das Geschäftsjahr 2023 haben immerhin 27 (Vorjahr: 26) Unternehmen Zahlen gemeldet. Erstmals tat dies auch die Ottonova Krankenversicherung AG. Keine Daten zum Bruttoneugeschäft lieferten hingegen die

„Beschämendes Bild der Intransparenz“

Surminski hält diese Verweigerungshaltung für „ein beschämendes Bild der Intransparenz“. Dies sei vor allem in Bezug auf die Axa und die Arag „besonders unverständlich, weil beide Versicherer nach Blick auf die Bestandsentwicklung (1.10.2024, 17.9.2024) offenbar ein gutes bis sehr gutes Neugeschäft erzielt haben und zu den Versicherern mit der größten Vertriebsleistung in der Vollversicherung gehören.

Die Arag dürfte beim Neugeschäftszuwachs sogar an der Marktspitze stehen. Es ist schlicht nicht nachzuvollziehen, warum diese zentralen Kennzahlen für den Unternehmenserfolg verschwiegen werden.“

Nach Aussage des ZfV-Chefredakteurs war der Bruttoneuzugang im Markt erneut sehr ungleich verteilt. „Auf die fünf Versicherer mit dem größten Neugeschäft in der Vollversicherung entfielen rund 55 Prozent der gesamten Neuverträge der PKV. (Einschließlich Axa und Arag dürfte der Wert sogar bei rund zwei Dritteln gelegen haben.)“, so Surminski.

Die Anbieter mit der größten Vertriebsleistung

An erster Stelle liegt mit mehr als 70.500 Neueintritten der Debeka Krankenversicherungsverein a.G. Dahinter folgen die Hansemerkur Krankenversicherung AG (26.450) und die Signal Iduna Krankenversicherung a.G. (25.400).

Einen fünfstelligen Nettoneuzugang schafften ansonsten nur noch die Barmenia Krankenversicherung AG, die Allianz Private Krankenversicherungs-AG, die Continentale Krankenversicherung a.G., die Hallesche Krankenversicherung a.G. und die Huk-Coburg-Krankenversicherung AG.

PKV Bruttoneugeschäft Krankenvollversicherung Rangliste 1 (Bild: Wichert)

Der ZfV-Chefredakteur stellt heraus, dass man in einem insgesamt stagnierenden Markt also auch 2023 als etablierter Versicherer durchaus kräftig habe wachsen können. „Es fällt wieder einmal auf, dass es vor allem Versicherer aus dem VVaG-Lager waren, die das größte Neugeschäft in der Vollversicherung einfuhren. Nur die Allianz konnte in dieser Liga mitspielen.

Die eher kleinteilige Struktur des PKV-Marktes mit vielen mittelständischen Anbietern wird beim Wachstum eindeutig von den Vereinen dominiert. Anders als etwa in der Lebensversicherung prägen in Kranken nicht die großen, internationalen Player wie Allianz, Axa und Generali den Markt, sondern starke Vereine, die über die Nutzung vielfältiger Vertriebskanäle oder über eine optimale Stellung in ihrer Zielgruppe überdurchschnittlich erfolgreich sind“, so Surminski.

Einige Anbieter mit „sehr überschaubarem“ Neugeschäft

Seiner Aussage zufolge stehen am anderen Ende des Marktspektrums einige Akteure, „die nur ein äußerst bescheidenes Neugeschäft in der Vollversicherung einfuhren – und das zum Teil schon seit Jahren.“ So akquirierte die DEVK Krankenversicherungs-AG im Berichtsjahr 78 neue Personen.

Die Freie Arzt- und Medizinkasse der Angehörigen der Berufsfeuerwehr und der Polizei VVaG (FAMK) schaffte 292 Neueintritte, die Mecklenburgische Krankenversicherungs-AG 336 und die Münchener Verein Krankenversicherung a.G. 485.

PKV Bruttoneugeschäft Krankenvollversicherung Rangliste 2 (Bild: Wichert)

Nur acht Akteure mit schwächerem Neugeschäft als 2022

Nur knapp jeder dritte der aufgelisteten Anbieter erzielte nach Kopfzahl einen niedrigeren Neuzugang als im Vorjahr. Am stärksten verlor die Huk-Coburg (minus 1.360 Personen). Die R+V verbuchte fast 900 Neueintritte weniger als vor Jahresfrist, die Nürnberger 263 weniger.

Andererseits überboten die Barmenia (plus fast 3.900 Neuakquisitionen) und die Hallesche (plus 3.600) ihre Vorjahreswerte besonders stark. Die Debeka konnte immerhin noch fast 1,700 Neueintritte mehr verbuchen.

Prozentual legten die Ottonova (1.571 Neueintritte nach 1.009 im Jahr zuvor) und die Hallesche mit etwas über beziehungsweise knapp der Hälfte am stärksten zu.

PKV Bruttoneugeschäft Krankenvollversicherung Veränderung (Bild: Wichert)

Auf der anderen Seite akquirierten die Nürnberger Krankenversicherung AG (minus ein Fünftel auf 1.034 Neueintritte) sowie die R+V Krankenversicherung AG (minus ein Sechstel auf 4.550 Personen) besonders deutlich weniger Vollversicherte als vor Jahresfrist.

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