Diese Gebäudeversicherer haben die höchsten Beschwerdequoten

10.5.2019 – Im vergangenen Jahr hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht in der Wohngebäudeversicherung mit 375 Beschwerden über ein Fünftel mehr abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Im Schnitt waren es 1,9 Reklamationen pro 100.000 Verträge. Auf die höchste Beschwerdequote (pro 100.000 versicherte Risiken) kam die Alte Leipziger.

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2018 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) 375 Beschwerden über die deutschen Wohngebäudeversicherer abschließend bearbeitet. Dies ist der unternehmens-individuellen Beschwerdestatistik der Bafin zu entnehmen, welche die Aufsicht in ihrem aktuellen Jahresbericht veröffentlicht hat.

Positiver Trend nicht fortgesetzt

Im Vergleich zum Jahr zuvor ist eine Zunahme um über 21 Prozent zu beobachten. Seinerzeit war die Zahl der Reklamationen um ein Achtel zurückgegangen (VersicherungsJournal 14.5.2018, 30.5.2017). Damit hat sich der positive Trend mit drei deutlichen Verminderungen in Folge nicht fortgesetzt.

Am wenigsten Beanstandungen gab es in der jüngeren Vergangenheit mit 260 im Jahr 2010 (VersicherungsJournal 6.5.2011). Ein Jahr davor war der Höchststand zu verzeichnen. Seinerzeit hat die Aufsicht über zwei Drittel mehr Beschwerden abschließend bearbeitet (VersicherungsJournal 31.5.2010).

Quoten 2008 bis 2018 (Bild: Wichert)

Sehr geringe Beschwerdequote

Die Beschwerdequote (Reklamationen in Relation zum Vertragsbestand von 19,5 Millionen zum Jahresende 2017) ist zwar von 1,6 auf 1,9 Beanstandungen pro 100.000 Verträge gestiegen. Damit liegt sie aber weiterhin auf verschwindend niedrigem Niveau und unterhalb der Werte aus den Jahren 2015 und 2014 (VersicherungsJournal 30.5.2016, 3.6.2015)

Selbst wenn man noch die gut 1.600 Beschwerden in der Sparte Wohngebäude beim Versicherungsombudsmann (VersicherungsJournal 4.2.2019) hinzurechnet, ändert dies nichts. Denn selbst dann blieben rund 99.990 von 100.000 Kontrakten beschwerdefrei.

Alte Leipziger mit der höchsten Quote

Insgesamt werden in der Beschwerdestatistik 59 Wohngebäudeversicherer aufgeführt. Unter den aufgelisteten Gesellschaften mit einem Vertragsbestand von mehr als 50.000 errechnen sich für insgesamt vier Anbieter Werte von über sechs Reklamationen pro 100.000 Kontrakte.

Die höchste Quote steht mit fast acht Beanstandungen pro 100.000 Verträge für die mit einem Policenbestand von etwa 115.000 eher kleine Alte Leipziger Versicherung AG zu Buche. Dahinter folgen die Feuersozietät Berlin Brandenburg Versicherung AG, die Nürnberger Allgemeine Versicherung AG und die HDI Versicherung AG.

Höchste Beschwerdequoten (Bild: Wichert)

Beschwerdequoten der Marktgrößen

Betrachtet man die Branchengrößen in dieser Sparte (mehr als 500.000 versicherte Risiken), so zeigt sich ein gemischtes Bild. Für die Bayerische Landesbrandversicherung AG, die Bayerische Versicherungsverband Versicherungs-AG und die SV Sparkassenversicherung Gebäudeversicherung AG ergaben sich klar unterdurchschnittliche Quoten von unter einer Beschwerde pro 100.000 versicherte Risiken.

Die Westfälische Provinzial Versicherung AG und die Huk-Coburg Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a.G. liegen knapp unter dem Schnitt, der Marktführer Allianz Versicherungs-AG und die Axa Versicherung AG etwas darüber.

Werte zwischen gut 2,6 und fast 2,4 errechnen sich für die Generali Versicherung AG, den LVM Landwirtschaftlichen Versicherungsverein Münster a.G., die R+V Allgemeine Versicherung AG und die Provinzial Rheinland Versicherung AG.

Branchengrößen (Bild: Wichert)

Nachteil für wachstumsstarke Versicherer

Seit fast einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungs-Unternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.

Die Beschwerdestatistik soll „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Bafin. Die Aufsicht weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, treffe die Statistik nicht.

Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.

Leserbriefe zum Artikel:

Wilfried Hartmann - Beschwerdepotenzial wird immer hoch bleiben. mehr ...

Erwin Daffner - Es wird sich nichts ändern. mehr ...

 
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