Die Kraftfahrtversicherer sind Pandemie-Gewinner

5.5.2021 – Die ersten Hochrechnungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft deuteten es schon an: Corona schadete der Kraftfahrt-Produktion nicht. Marco Morawetz von General Reinsurance zeigte auf einer Fachkonferenz einen Rück- und Ausblick für den Geschäftszweig.

„Covid-19 bescherte der Branche 2020 mit einer Combined Ratio von 87,5 Prozent das beste Ergebnis seit der Deregulierung“, sagte Marco Morawetz, der das Consulting des Rückversicherers General Reinsurance AG leitet, am Dienstag auf der Veranstaltung BusinessForum 21 „Kfz-Versicherung im Fokus“. Nach seinen Berechnungen erzielten die Kraftfahrtversicherer 2020 versicherungstechnisch etwa 3,6 Milliarden Euro Gewinn.

Marco Morawetz (Bild: Screenshot Lier)
Marco Morawetz (Bild: Screenshot Lier)

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. hatte für 2020 Zahlen auf Basis einer Hochrechnung per Ende September 2020 und auf Kalenderjahrbasis vorgelegt (VersicherungsJournal 20.1.2021). Auch die Zahlen des Rückversicherers sind weitgehend noch vorläufig, sie basieren auf Anfalljahren.

Kraftfahrt: Es bröckelt an der Preisfront

Der Einfluss der Pandemie auf die Produktion in der Sparte Kraftfahrt und die Beitragseinwicklung seien im vergangenen Jahr trotz aller Befürchtungen eher gering gewesen. Die Zahl der Risiken nahm um 1,4 Prozent zu – üblich ist ein Plus von 1,5 Prozent.

Die Schadenhäufigkeit habe sich im Bereich Kraftfahrt-Haftpflicht (KH) aber um 17,5 Prozent vermindert. Die Schadendurchschnitte erhöhten sich um etwa vier Prozent.

Damit lag die Combined Ratio in KH 2020 voraussichtlich bei 86 (Vorjahr: 96,9) Prozent und in Vollkasko bei 90 (99,8) Prozent. Da das letzte Jahr zudem besonders arm an Elementarschäden war, dürfte die Schaden- und Kostenquote in Teilkasko 82 (92,8) Prozent betragen, so Morawetz.

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Keine Initialzündung für Preiswettbewerb

Diese Entwicklung habe zwar keine Initialzündung für einen intensiven Preiswettbewerb ausgelöst, aber zumindest einen leichten Abrieb bei den Jahresendtarifen von 1,3 Prozent auf eine Durchschnittsprämie von 589,40 Euro. Die Analyse basiert auf den Tarifen von 44 Versicherern mit insgesamt 55 Prozent Marktanteil.

Laut Morawetz würde die Kraftfahrt-Sparte 2021 ohne die Corona-Sondersituation bei der Schadenentwicklung versicherungstechnisch defizitär sein. Ohne jeglichen Corona-Effekt und mit den „normalen“ Elementarschäden von rund 950 Millionen Euro betrüge die Combined Ratio 2021 rund 103,5 Prozent.

Fällt die Sondersituation 2021 aber ähnlich aus wie 2020, könnte die Quote bei 92,5 Prozent liegen. Das würde bei 28,8 Milliarden Euro Prämie knapp zwei Milliarden Gewinn bedeuten.

Benedikt Kalteier (Bild: Screenshot Lier)
Benedikt Kalteier (Bild: Screenshot Lier)

Bessere Preissetzung durch mehr Daten

Benedikt Kalteier, Chef der Cosmosdirekt-Versicherungen, berichtete von besserem Pricing durch mehr Datennutzung. Er betonte, dass man nicht über den Preis wachsen wolle, sondern über „nachhaltige“ Kundenzufriedenheit. „Schnell, zuverlässig und verständlich“ seien die Differenzierungsmerkmale.

Er ist sich sicher, dass das Pricing deutlich besser werden müsse. Das eigene Haus habe in den letzten Jahren hier dank großer Investitionen in Daten „signifikante Verbesserungen gemacht. Wir können auf die gesamte Vertrags- und Kundenbeziehung preisen“.

Die Analyse basiere auf mehr als 90 Prozent auf Daten, die man über den Kunden ohnehin schon gespeichert habe. „Bewusst verzichten wir auf Daten aus Social Media“. Auch werde nicht einbezogen, von welchen Seiten der Kunde kommt.

 
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