WERBUNG

Die Garage und das eingedrückte Cabriolet

10.2.2020 – Die Vermieterin einer Duplex-Garage hatte ihren Mieter nicht darauf hingewiesen, dass in der oberen Ebene abgestellte Fahrzeuge nur vorwärts eingeparkt werden dürfen. Nachdem dieser rückwärts eingeparkt hatte, war das Auto beschädigt worden. Dafür musste die Vermieterin Schadenersatz leisten. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Urteil des Amtsgerichts München vom 17. Juli 2019 hervor (425 C 12888/17).

WERBUNG

Duplex-Garagen ermöglichen es, zwei Fahrzeuge übereinander abstellen zu können, indem die Abstellebenen nach oben beziehungsweise nach unten bewegt werden. In dem vor dem Münchener Amtsgericht verhandelten Fall hatte der Kläger für sein Cabrio Anfang 2016 einen oberen Abstellplatz in einer solchen Garage gemietet.

Duplex-Garage war nur zum vorwärts Einparken geeignet

Bei einer ersten Besichtigung des Stellplatzes hatte er in Anwesenheit der Vermieterin sein Fahrzeug rückwärts eingeparkt. Dabei wurde festgestellt, dass das problemlos möglich war. Probeweise nach oben gefahren wurde der Platz bei dieser Gelegenheit nicht.

Das sollte sich als Fehler erweisen. Denn ein Jahr später wurde der Kofferraum seines Autos beim Hochfahren des Stellplatzes durch eine unbekannte fremde Person beschädigt, weil das Fahrzeug dabei gegen einen Lüftungskanal gedrückt wurde. Dabei stellte sich heraus, dass das Cabriolet zur Vermeidung von Schäden grundsätzlich nur vorwärts hätte eingeparkt werden dürfen.

Der Geschädigte hielt die Vermieterin der Garage für den Schaden verantwortlich. Denn diese hätte ihn darauf hinweisen müssen, dass er nur vorwärts einparken durfte.

Er selbst habe den Stellplatz seit der Anmietung nicht nach oben gefahren. Dazu habe auch keine Notwendigkeit bestanden. Denn der Stellplatz darunter sei von niemandem beansprucht worden. In der Garage sei zwar eine Bedienungsanleitung ausgehängt gewesen. Diese habe jedoch keinen Hinweis dazu enthalten, ob man vorwärts oder rückwärts einparken solle.

Vermieterin haftet wegen unzureichender Aufklärung

Das schließlich mit dem Fall befasste Münchener Amtsgericht gab der Schadenersatzklage des Cabrio- Halters statt. Es zeigte sich nach Anhörung der streitenden Parteien davon überzeugt, dass der Kläger, wie von ihm behauptet, von der Beklagten unzureichend mit der Nutzung des Abstellplatzes vertraut gemacht worden war.

Das hatte die Frau zwar bestritten, sich dabei aber in Widersprüche verwickelt und ihre Aussage immer wieder dem Stand des laufenden Prozesses angepasst. Das Gericht glaubte ihr daher nicht.

Deren unzureichende Aufklärung stellt nach Ansicht des Gerichts eine schuldhafte Pflichtverletzung aus dem Mietvertrag im Sinne von § 280 BGB dar. Die Vermieterin sei dem Kläger daher gemäß § 249 BGB zum Ersatz des hieraus entstandenen Schadens verpflichtet. Nach der Rücknahme einer Berufung gegen die Entscheidung des Amtsgerichts ist dessen Urteil seit dem 16.1.2020 rechtskräftig.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Münchener Gerichte mit den von einer Duplex-Garage ausgehenden Gefahren befassen mussten. Dabei sind die Entscheidungen nicht in jedem Fall zu Gunsten der Kläger ausgegangen (VersicherungsJournal 10.7.2008 und 27.11.2009).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Schadenersatz
 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Werbung im Vermittlerbüro

WettbewerbsrechtMan muss mehrere Gesetzesbücher wälzen, um etwas über das Wettbewerbsrecht zu erfahren. Einfacher macht es ein Praktikerhandbuch des VersicherungsJournals.

Interessiert? Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
25.2.2020 – Eine Frau hatte ein schwerbehindertes Baby zur Welt gebracht. Das Risiko, ein Kind mit Beeinträchtigungen zu bekommen, hatte in ihrem Fall nahegelegen. Ihre Ärzte hatten sie jedoch nicht darauf hingewiesen. Die Mutter zog daher vor Gericht. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
24.2.2020 – Angehenden Rechtsanwälten will es Mailo einfach machen. Die Württembergische lockt Wechsler mit Preisnachlässen. In der VHV-Betriebshaftpflicht gibt es Neuerungen bei der Selbstbeteiligung. Und Chubb schließt eine Lücke in der Terrorversicherung. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
21.2.2020 – Eine Achtjährige überfuhr mit ihrem Fahrrad eine Fußgängerin und verletzte sie. Diese verklagte das Mädchen auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Unter welchen Voraussetzungen ihr Anspruch gerechtfertigt ist, entschied das Celler Oberlandesgericht. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
20.2.2020 – Ein Arbeitnehmer hatte nach einer Betriebsversammlung eine Entgeltumwandlungs-Vereinbarung mit Kapitalwahlrecht abgeschlossen. Als er später zusätzliche Beiträge entrichten musste, wollte er seinen Arbeitgeber für die Richtigkeit der Auskünfte verantwortlich machen und zog bis vor das Bundesarbeitsgericht. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
14.2.2020 – In einem Holzunterstand war es zu einem Brand gekommen. Er griff auf eine benachbarte Garage über und richtete dort erheblichen Schaden an. Vor Gericht ging es anschließend um die Schuldfrage wie auch baurechtliche Vorschriften. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
12.2.2020 – Ein in einer Laube wütendes Feuer war auf ein Nachbargebäude übergesprungen. Dessen Versicherer erhob anschließend Schadenersatzansprüche. Über die musste in letzter Instanz das Hammer Oberlandesgericht entscheiden. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
WERBUNG