Die deutschen Versicherer wachsen unterdurchschnittlich

5.3.2019 – Die im europäischen Versichererverband organisierten Gesellschaften haben das Prämienvolumen 2017 um 4,7 Prozent auf über 1,2 Billionen Euro ausgebaut. In der Lebensversicherung ging es kontinental gesehen sogar um fünf Prozent aufwärts. Deutschland entwickelte sich unterdurchschnittlich. Insgesamt war der Zuwachs hierzulande nicht einmal halb so groß wie europaweit – und in Leben gab es eine „rote Null“. In den meisten Europäischen Ländern hat der Verband einen starken Trend weg von klassischen Leben-Policen ausgemacht.

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Die europäische Versicherungswirtschaft hat 2017 gebuchte Bruttobeiträge (im inländischen Direktgeschäft) in Höhe von 1.213 Milliarden Euro eingesammelt. Dies geht aus am Montag vom europäischen Versicherungsverband Insurance Europe veröffentlichten Zahlen hervor.

Für das Jahr zuvor hatte die Branchenorganisation ein deutlich niedrigeres Prämienaufkommen vermeldet (VersicherungsJournal 7.3.2018).

Die aktuellen Zahlen sind nach Angaben von Insurance Europe aus methodischen Gründen aber nicht direkt mit denen der Vorjahre vergleichbar – vor allem nicht in den Bereichen Gesundheit und Nicht-Leben. Als Hintergrund wird angeführt, dass viele Länder Zahlen nach dem Anfang 2016 geltenden Aufsichtsregime Solvency II erhoben und gemeldet hätten.

Fast fünf Prozent Beitragszuwachs

Insgesamt ist das Prämienaufkommen der europäischen Versicherungswirtschaft demnach um 4,7 Prozent angestiegen. Zum Vergleich: Die deutschen Versicherer erzielten nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) 2017 ein Beitragsplus von knapp zwei Prozent auf annähernd 198 Milliarden Euro.

Damit entwickelten sich die Erlöse der Assekuranz in der Bundesrepublik stärker als in den ebenfalls großen Märkten Frankreich und Italien. In Frankreich wuchsen die Prämien um gut ein Prozent, während es in Italien um zweieinhalb Prozent bergab ging. Allerdings fiel der Zuwachs in Deutschland deutlich verhaltener als in Großbritannien aus. Dort stiegen die Beitragseinnahmen – auch aufgrund von Sonderfaktoren – um rund ein Achtel an.

Deutscher Markt wächst kontinuierlich

Während das Beitragsaufkommen in Europa zwischen 2007 und 2017 drei Mal rückläufig war, wuchs der deutsche Markt kontinuierlich an (insgesamt plus über ein Fünftel). Auf kontinentaler Ebene lag der Zuwachs im Betrachtungszeitraum bei nicht einmal fünf Prozent.

Versicherungsprämien in Europa (Bild: Wichert)

Der Anteil der deutschen an den europäischen Prämien betrug für das Berichtsjahr erneut 16,3 Prozent. Seit 2008 lag der Anteil ohne große Schwankungen in einem Korridor zwischen 16,1 und 16,5 Prozent.

Leben-Prämien: Europaweites Plus von 5,0 Prozent

Die europäischen Lebensversicherer haben 2017 etwa 710 Milliarden Euro Beitragseinnahmen erzielt, wie dem von Insurance Europe veröffentlichten Zahlenmaterial weiter zu entnehmen ist.

Dies entspricht einem Zuwachs von glatt fünf Prozent. Damit ist die kontinentale Branche nach einem „Ausrutscher“ in 2016 wieder in die Wachstumsspur zurückgekehrt.

So entwickelten sich die vier großen Märkte

In den einzelnen Ländern verlief das Geschäft höchst unterschiedlich im Vergleich zu 2016. So schrumpfte etwa der tschechische Lebensversicherungs-Markt mit über sieben Prozent besonders stark. Dies führt Insurance Europe unter anderem darauf zurück, dass die steuerlichen Vergünstigungen von privaten Lebensversicherungs-Policen beschränkt wurden.

In den Niederlanden ging das Prämienvolumen um fast sechs Prozent und in Spanien, Italien und in der Schweiz um jeweils rund vier Prozent zurück. In Frankreich wurde ein moderates Plus von 0,5 Prozent erzielt, während Deutschland eine minimale Verminderung um 0,1 Prozent zu verzeichnen hatte.

Die britischen Lebensversicherer bauten das Prämienaufkommen um über ein Fünftel aus. Diesen massiven Zuwachs erklärt der europäische Versichererverband vor allem mit einem deutlichen Anstieg der Einmalbeiträge infolge von Übertragungen von Pensionen.

Bild: Insurance Europe
Bild: Insurance Europe

In der Folge konnten die vier großen Leben-Märkte Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland ihren Anteil am kontinentalen Beitragsvolumen um etwa zwei Prozentpunkte auf fast drei Viertel ausweiten.

Starker Trend weg von der Klassik

Ferner berichtet der europäische Verband von einem sich weiter fortsetzenden Trend weg von traditionellen hin zu fondsgebundenen Produktlösungen. Dies sei vor allem in Belgien, Italien und Frankreich zu beobachten gewesen, wo die Wachstumsraten bei zum Teil weit über einem Drittel gelegen hätten.

Auch hierzulande kehren die Anbieter klassischen Lebensversicherungen (mit Höchstrechnungszins) immer mehr den Rücken zu. Machten diese 2013 noch fast drei Viertel des APE-Neugeschäfts aus, so war es 2018 nach vorläufigen GDV-Zahlen nur noch etwa ein Drittel.

Im Gegenzug haben „neue“ Produkte mit modifizierten Garantien die klassischen überholt – und liegen mit 58 Prozent an der Spitze (VersicherungsJournal 19.2.2019).

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Berufsverband · Einmalbeitrag · Gesundheitsreform · Lebensversicherung · Pension
 
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