Das sind die Haftpflichtversicherer mit den höchsten Beschwerdequoten

12.6.2024 – In der Haftpflichtversicherung hat die Bafin 2023 mit 254 Beschwerden etwa ein Elftel weniger abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Im Schnitt waren es nur 0,3 Reklamationen pro 100.000 versicherte Risiken. Auf die höchsten Beschwerdequoten kam die Rheinland (etwa zweieinhalb Beanstandungen pro 100.000 Risiken). Die Branchengrößen schnitten mehrheitlich schlechter als der Markt ab.

Im Jahr 2023 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in der Haftpflichtversicherung 254 Beschwerden abschließend bearbeitet. Das ist der aktuellen, Anfang Juni veröffentlichten Beschwerdestatistik der Aufsicht zu entnehmen.

Damit waren es im vergangenen Jahr noch einmal etwa neun Prozent weniger Reklamationen als beim vorherigen 15-Jahres-Tief 2022 (VersicherungsJournal 22.5.2023). 2008 war der Höchststand im Betrachtungszeitraum zu verzeichnen. Seinerzeit hatte die Aufsicht mehr als dreimal so viele Eingaben abschließend bearbeitet wie aktuell (VersicherungsJournal 23.4.2009).

Entwicklung Quote (Bild: Wichert)

Sehr geringe Beschwerdequote in Haftpflicht

Damit ist das Beschwerdeaufkommen in der Sparte Haftpflicht wie auch in der privaten Krankenversicherung (PKV) (6.6.2024) und der Wohngebäudeversicherung (4.6.2024) gesunken. Eine deutliche Zunahme war hingegen in der Sparte Kraftfahrt zu beobachten (3.6.2024).

Die Beschwerdequote in Haftpflicht liegt mit nur 0,3 Beanstandungen pro 100.000 Verträge weiterhin auf verschwindend niedrigem Niveau. Sie ergibt sich aus den Reklamationen in Relation zum Bestand an versicherten Risiken von annähernd 79 Millionen zum Jahresende 2022.

Selbst wenn man noch die etwa 600 Beschwerden beim Versicherungsombudsmann e.V. (15.5.2024) hinzurechnet, ändert sich daran nichts. Denn selbst dann blieben immer noch fast 99.999 von 100.000 Verträgen beschwerdefrei.

Rheinland mit der höchsten Quote

Insgesamt werden in der aktuellen Beschwerdestatistik 65 (2022: 64) Haftpflichtversicherer aufgeführt. Unter den aufgelisteten Gesellschaften mit einem Vertragsbestand von mehr als 100.000 errechnen sich für insgesamt sechs Anbieter Werte von mindestens einer Reklamation pro 100.000 versicherte Risiken.

Die höchste Quote steht mit 2,6 für die Rheinland Versicherungs AG zu Buche (drei Beanstandungen bei fast 116.900 versicherten Risiken). Auf einen Wert von über 1,3 kommen ansonsten nur noch die Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG (fünf zu 367.100) und die WWK Allgemeine Versicherung AG (zwei zu 152.838).

Weitere Anbieter mit vergleichsweise hohen Werten

Vergleichsweise hohe Beschwerdequoten von je etwas über Eins errechnen sich für die Signal Iduna Allgemeine Versicherung AG (neun zu 823.900), die Rhion Versicherung AG (drei zu 282.100) und die Janitos Versicherung AG (zwei zu 199.000).

Jeweils knapp unter der Marke von einer Beanstandung pro 100.000 Risiken blieben die BA die Bayerische Allgemeine Versicherung AG (zwei zu 203.900), die R+V Allgemeine Versicherung AG (17 zu 1.953.000), die Axa Versicherung AG (28 zu 3.225.000), die Cosmos Versicherung AG (drei zu 359.000) und die Continentale Sachversicherung AG (vier zu 483.700).

Hohe Quoten (Bild: Wichert)

So gut wie alle der vorgenannten Akteure gehörten 2022 nicht zu den Haftpflichtversicherern mit hohen Beschwerdequoten und schnitten teils deutlich schlechter ab als vor Jahresfrist. Einzige Ausnahme ist die Rhion, bei der sich die Beschwerdequote minimal reduzierte.

So schlugen sich die Branchengrößen

Von den zehn größten Gesellschaften (mehr als 1,6 Millionen versicherte Risiken) schnitten nur drei Anbieter besser als der Branchendurchschnitt ab. Dabei handelt es sich an erster Stelle um die Arag Allgemeine Versicherungs-AG, die mit erneut unter 0,01 Beanstandungen pro 100.000 Risiken den niedrigsten Wert aufweist. In konkreten Zahlen waren das zwei Eingaben bei 20,5 Millionen Risiken.

Unter dem Marktschnitt blieben ferner die Huk-Coburg Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a.G. (zwei zu 2,1 Millionen) und die VHV Allgemeine Versicherung AG (drei zu 1,7 Millionen).

In etwa auf Brancheniveau lief es für die Huk-Coburg-Allgemeine Versicherung AG (sechs zu knapp zwei Millionen), etwas schlechter für den LVM Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster a.G. (sechs zu 1,6 Millionen).

Werte von jeweils rund 0,5 Reklamationen pro 100.000 Risiken errechnen sich für die Provinzial Versicherung AG (acht zu 1,7 Millionen) und die Generali Deutschland Versicherung AG (13 zu 2,2 Millionen). Auf die höchsten Quoten unter den Platzhirschen kamen wie oben beschrieben die Axa und die R+V.

Branchengrößen (Bild: Wichert)

Nachteil für wachstumsstarke Versicherer

Seit etwa einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungsunternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt den Angaben zufolge eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.

Die Zahlen sollen „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Aufsicht. Die Behörde weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, geben die Daten nicht her.

Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.

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