Das sind die größten Versicherer Europas

3.12.2025 – Die Allianz war auch im Geschäftsjahr 2024 nach Umsatz Europas größter Erstversicherer, wie eine aktuelle Auswertung zeigt. Die Talanx und die Ergo behaupteten sich unter den Top Ten der europäischen Platzhirsche. Die fusionierte Baloise Helvetia landet auf Platz 16.

Zum siebten Mal hat Zeb.Rolfes.Schierenbeck.Associates GmbH ihre „European Insurance Study“ vorgelegt. Sie analysiert die Entwicklung des europäischen Versicherungsmarkts im Geschäftsjahr 2024 – mit Fokus auf die 25 größten Erstversicherer Europas.

Große Versicherer bauen ihre Marktposition weiter aus

Laut Studie konnten die europäischen Top 25 ihren Wachstumskurs fortsetzen. Im Schnitt steigerten sie ihren Umsatz um 8,5 Prozent auf 652,6 Milliarden Euro. Der Umsatz wird nach den neuen Rechnungslegungsregeln als „Insurance Revenue“ gemäß IFRS 17 ausgewiesen.

Gewachsen ist sowohl das Leben- als auch das Nichtlebengeschäft. In der Lebensversicherung stieg der Umsatz im Vergleich zu 2023 um 8,8 Prozent auf 385,2 Milliarden Euro, im Nichtleben-Bereich um 8,2 Prozent auf 267,4 Milliarden Euro.

Dabei profitierten die Versicherer in der Lebensversicherung vom gestiegenen Zinsniveau. Zum Vergleich: Zwischen 2019 und 2022 war das Wachstum nach alter Rechnungslegung rückläufig – die GWP schrumpften in diesem Zeitraum um 1,8 Prozent.

Gewinn vor Steuern stieg deutlich

Zudem konnten die Branchengrößen ihre Ergebnisse seit 2022 um fast 80 Prozent steigern und sind damit hochprofitabel, berichten die Studienautoren. Das Vorsteuerergebnis der 25 Marktführer stieg nach neuer Rechnungslegung innerhalb von zwei Jahren von 38,1 Milliarden Euro auf 67,7 Milliarden Euro.

Leicht verschlechtert hat sich die Finanzkraft der Top 25. Die Solvenzquoten liegen im Durchschnitt bei 219 Prozent – ein Rückgang um fast elf Prozentpunkte. Unter die aufsichtsrechtliche Schwelle von 100 Prozent drohe dennoch kein Versicherer zu rutschen, berichten die Analysten. Die Huk-Coburg-Gruppe erzielt mit 320 Prozent den höchsten Wert, der niedrigste liegt bei 160 Prozent.

Zunehmende Marktkonsolidierung auf dem europäischen Markt

Die Experten beobachten Tendenzen einer Marktkonsolidierung. Die Anzahl der europäischen Versicherungsgesellschaften ist in den vergangenen fünf Jahren um rund sieben Prozent zurückgegangen. Insgesamt sind 160 Anbieter vom Markt verschwunden, sodass heute noch knapp über 2.000 Assekuranzen aktiv sind.

Von diesem Konsolidierungsdruck profitieren die großen Marktteilnehmer, die kleinere Wettbewerber übernehmen. Als Beispiel nennt die Studie die Übernahme der Run-off-Versicherungsgruppe Viridium Holding AG durch ein Konsortium unter Führung der Allianz SE (VersicherungsJournal 19.3.2025). Als zentrale Treiber der Konsolidierung werden genannt:

  • Die Wachstumsschwäche in einigen Volkswirtschaften verstärkt den Konsolidierungsdruck. Auf stagnierenden Märkten werde es für Versicherer zunehmend schwierig, ihre steigenden Fixkosten zu decken und profitabel zu wirtschaften. So gebe es eine Korrelation zwischen unterdurchschnittlichem Wirtschaftswachstum und der sinkenden Zahl an Versicherern.
  • Die Demografie erzeugt zusätzlichen Druck. So bestehe ein Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Versicherer und dem Altersabhängigkeitsquotienten, der das Verhältnis von Personen im nicht erwerbsfähigen und erwerbsfähigen Alter abbildet. Neben der schrumpfenden Zielgruppe für Versicherungsprodukte wirke sich hier auch der Fachkräftemangel aus.
  • Die Digitalisierung lässt die IT-Kosten steigen. In Deutschland sind die IT-Kosten der Versicherer zwischen 2017 und 2022 um fast 31 Prozent angestiegen, die IT-Kostenquote in Prozent der verdienten Bruttobeiträge stieg von 2,3 Prozent auf 2,8 Prozent.
  • Die zunehmende Regulatorik und damit verbundene Pflichten verstärke ebenfalls den Konsolidierungsdruck.

Allianz baut Marktmacht aus

In der Spitzengruppe der europäischen Branchenprimusse gibt es gegenüber dem Vorjahr (20.12.2024) keine Veränderungen. Die Allianz SE konnte ihren Umsatz nach Insurance Revenue von 91,3 auf 97,8 Milliarden Euro steigern – ein Plus von rund 7,1 Prozent (Werte gerundet).

Damit distanzieren die Münchener die zweitplatzierte Axa SA weiterhin deutlich. Die Franzosen steigerten ihren Umsatz zwar ebenfalls spürbar, von 80,9 auf 86,1 Milliarden Euro. Dennoch bleibt zum Branchenführer eine Lücke von 11,7 Milliarden Euro.

Dahinter platziert sich unverändert die Zurich Insurance Group AG auf Rang drei. Der Umsatz des Schweizer Versicherers stieg um 11,7 Prozent von 51,3 auf 57,3 Milliarden Euro.

Den vierten Rang belegt wie im Vorjahr die italienische Assicurazioni Generali S.p.A., die ihren Umsatz um 9,3 Prozent auf 54,1 Milliarden Euro steigerte.

Die größten 25 Versicherer Europas (Bild: Zeb)
Die größten 25 Versicherer Europas (Bild: Zeb). Zum Vergrößern Bild klicken.

Platz fünf bis sieben gehen nach Frankreich, Spanien und in die Niederlande

Auch auf den folgenden Rängen gibt es gegenüber dem Vorjahr keine Veränderungen. Der spanische Mapfre-Konzern steigert seinen Umsatz um 1,8 Prozent von 27,6 auf 28,1 Milliarden Euro und belegt damit Rang fünf.

Die Covéa Group aus Frankreich landet auf Rang sechs. Ihr Umsatz legte von 26,8 auf 27,7 Milliarden Euro zu – ein Plus von 3,4 Prozent. Die Achmea Holding N.V. aus den Niederlanden wächst um 10,9 Prozent auf 25,4 Milliarden Euro, was den siebten Platz bedeutet (Vorjahr: 22,9 Milliarden).

Erstmals sind in der Studie die Umsätze der frisch fusionierten Baloise und Helvetia (2.12.2025) zusammengefasst. Sie landen auf Rang 16.

Insgesamt sechs deutsche Versicherer in den Top 25

Unter den 25 größten europäischen Versicherern finden sich insgesamt sechs deutsche Assekuranzen. Die Talanx AG platziert sich auf Rang neun. Ihr Umsatz stieg um 15,2 Prozent auf 22,7 Milliarden Euro.

Einen Top-Ten-Platz sichert sich auch die Ergo Group AG auf Rang zehn. Hier legte der Umsatz um 3,5 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro zu. Das geringere Wachstum führte dazu, dass die Ergo im Vorjahresvergleich die Plätze mit Talanx tauschte.

Die weiteren deutschen Versicherer sind:

  • Die Debeka-Gruppe platzierte sich auf Rang 17 mit 13,2 Milliarden Euro Umsatz. Sie ist neu im Spitzenfeld der europäischen Branchengrößen.
  • Auf Rang 19 folgt die R+V-Gruppe. Ihr Umsatz sank leicht von 12,3 auf 12,2 Milliarden Euro – ein Minus von 0,8 Prozent.
  • Auf Rang 24 finden sich die Huk-Coburg Versicherungen mit rund zehn Milliarden Euro Umsatz. Auch sie war 2023 noch nicht in den Top 25 vertreten.
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Demografie · Digitalisierung · Lebensversicherung · Runoff · Senioren · Steuern · Versicherungsmarkt · Zielgruppe
 
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