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Cyberschutz: Mehr als Versicherung

12.10.2018 – Der Schutz gegen Cyberkriminalität stellt die Versicherer vor extreme Anforderungen. Klassische Risikoanalysen funktionieren bei der neuen Versicherungssparte nicht. Die Gefahren können nämlich weder territorial eingegrenzt werden, noch gibt es historische Schadendaten.

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Die Konzeption der Cyber-Versicherung muss von Grund auf neu entwickelt werden. Das war das Fazit des Diplom-Informatikers Sebastian Hess auf der Tagung „Insurance Today and Tomorrow“ des Management Centers of Competence Hartmut Löw (MCC) am Mittwoch in Düsseldorf.

Sebastian Hess (Bild: Schmidt-Kasparek)
Sebastian Hess (Bild: Schmidt-Kasparek)

Der IT-Experte arbeitet als Cyber Risk Engineer im Bereich Financial Lines bei der AIG Europe Limited.

„Wir haben zwar schon seit 20 Jahren Erfahrungen mit Cyber-Defence, doch das ist für Versicherungen noch keine ausreichende Zeitschiene“, so Hess.

Zudem sei es fraglich, ob der Angriff von Cyberkriminellen vor zwei Jahren mit dem Angriff von heute vergleichbar sei, also, wie stark historische Daten überhaupt belastbar sind.

Bei Cybertaten sind Brandstifter die Regel

Zudem zeigte Hess auf, dass die Gefahrenlage im Vergleich etwa zur Feuerversicherung eine ganz andere ist. „Hier sind Brandstifter die Regel und nicht die Ausnahme“, so Hess.

In der Diskussion auf der Tagung wurde deutlich, dass Cyberkriminalität ein weltweiter und sehr lukrativer Markt ist. Cyberangriffe würden daher nicht irgendwann aufhören. Die Angriffswerkzeuge wären sehr günstig und die Gewinnspannen sehr hoch. Dies zeige eine Auswertung aus dem Dark Web.

Preisliste Darnet (Bild: AIG)

Man muss […] immer besser geschützt sein als sein Nachbar.

Rolf Trüeb, Vorstand Schweizerische Mobiliar Versicherungs-Gesellschaft AG

Gefahr droht durch Hardware aus Asien

Würden Branchen angegriffen, dann würden immer die Unternehmen Opfer, die in der Relation zu anderen besonders schwach aufgestellt seien. „Man muss daher immer besser geschützt sein als sein Nachbar“, stellte Rolf Trüeb, Mitglied des Vorstands der Schweizerischen Mobiliar Versicherungs-Gesellschaft AG fest.

Er warnte zudem alle Assekuranzen, selbst mit vorbildlichem Cyberschutz voranzugehen. So müsse das Monitoring hochgefahren werden und das Dark Net systematisch überwacht werden. Wenn Versicherer öffentlich Opfer von Cyberkriminellen würden, sei der Imageschaden immens.

Als besondere neue Gefahr machte die Expertenrunde im Ausland, vor allem in Asien, gefertigte Hardware aus. In der Regel könnten deutsche Unternehmen diese Produkte nicht ausreichend auf ihre Sicherheit hin überprüfen.

Daher forderte Professor Dr. Walter Brenner, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen, die Europäer auf, verstärkt in IT-Militär-Sicherheitstechnik zu investieren. Sie wäre oft ein Schlüssel für privaten Schutz. Andere Großmächte wären hier in der Entwicklung deutlich voraus.

Drohen organisieren sich in der Luft

Welche Möglichkeiten die Vernetzung bietet, zeigte Brenner in einem Film, bei dem rund hundert aus Militärjets in der Luft ausgeworfenen Kleindrohnen sich selbstständig organisieren und ein Ziel angreifen.

Ein hoher Vernetzungsgrad könnte künftig auch große Kumul-Schäden verursachen. Etwa, wenn ein hochvernetztes Verkehrssystem ausfällt oder Opfer eines Hackerangriffs wird.

AIG hat ein umfassendes System entwickelt, um den Grad der Anfälligkeit gegen Cybergefahren für Unternehmen zu definieren. Gleichzeitig ist das Cyber-Versicherungsprodukt der AIG, „CyberEdge“, in ein umfangreiches Netz von Dienstleistungen vor und nach dem Schadenfall eingebunden.

Millionenschaden durch Angriffe auf Kühlschränke möglich

„Cyber-Schutz ist mehr als eine Police. Wir brauchen Kooperationen, um die Sicherheit von Unternehmen zu erhöhen und, um Schadenfälle zu begrenzen“, so Hess.

Neue IT-Technik führt zudem zu ganz neuen Schadenszenarien. Wenn künftig alle Kühlschränke mit dem Internet kommunizieren und ein Hersteller durch einen Fehler oder Hackerangriff die Kontrolle über seine Kühlschränke verliert, wären die Kosten immens.

In einer Musterrechnung kommt der AIG-Experte für einen mittelständigen Kühlschrankherstellern auf Gesamtkosten von 12,6 Millionen Euro, die sich aus der Entwicklung neuer Software, Testen, Benachrichtigung, Rückruf und Update zusammensetzen.

Die Schwierigkeit ist es, die neuen Technologien […] in die Profitabilität zu führen.

Dr. Olaf Frank, Munich Re

Allianz: Erst ein Partner für Open Plattform

Das klassische Geschäftsmodell verlässt die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Munich Re) derzeit mit innovativen Themen für eine Investitionssumme von 100 Millionen Euro pro Jahr. Investiert wird vor allem in neue Technologie, mit der Versicherung einfacher gebaut und das Risiko automatisch analysiert werden kann.

Andreas Nolte (Bild: Schmidt-Kasparek)
Andreas Nolte (Bild: Schmidt-Kasparek)

„Die Schwierigkeit ist es, die neuen Technologien so in die Profitabilität zu führen, dass sie sich gegenüber den vorherigen Investitionen lohnen“, sagte Dr. Olaf Frank, Head of Business Technology bei der Munich Re.

Demgegenüber wirbt die Allianz weiterhin für ihr Projekt „Open Plattform“ (VersicherungsJournal 22.6.2018).

Dr. Andreas Nolte, Chief Informatik Officer (CIO) der Allianz Deutschland AG stellte das Vorhaben umfassend vor und appellierte an die Branche gemeinsam eine Basisplattform für Versicherungs-Dienstleistungen aufzubauen.

Derzeit hat die Allianz aber erst einen Kooperationspartner gefunden. Einen Namen gab Nolte aber nicht preis.

Nolte: „Jetzt ist noch ein guter Zeitpunkt eine Industriekollaboration zu starten.“ Nur viele Versicherer gemeinsam könnten es mit Unternehmen wie Google oder Amazon aufnehmen.

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App · Beitragsrückerstattung · Cyberversicherung · Fortbildung · Rückversicherung · Technik
 
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