Corona: Wie praxistauglich ist die Digitalisierung der Assekuranz?

1.9.2020 – Im Lockdown ging es vor allem darum, die Geschäftstätigkeit aufrecht zu erhalten. Das funktionierte nicht bei allen Unternehmen der Versicherungsbranche. 23 Prozent arbeiteten nicht im Normalbetrieb. Der Grund: Technische Mängel und analoge Prozesse erschweren die Arbeit im Homeoffice, wie jetzt eine Mitarbeiterbefragung von Adcubum ergab.

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Das zweite Quartal war für die Versicherungswirtschaft aufgrund der Coronakrise eine Herausforderung. Nur knapp ein Viertel (23 Prozent) war in der Lage, im April bis Juni den Geschäftsbetrieb normal weiterzuführen.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Digitale Versicherung 2020“ der Adcubum AG. Das Software-Unternehmen befragte im Juni dieses Jahres online 315 Arbeitnehmer aus der deutschen Assekuranz. Von den Befragten arbeiten 65 Prozent bei einem Versicherer und 29 Prozent bei einem Vermittlerbetrieb oder Maklerpool.

Analoges Arbeiten und technische Mängel

Insgesamt stellen die Mitarbeiter ihren Arbeitgebern trotz erschwerter Bedingungen durch Covid-19 ein überwiegend positives Zeugnis aus: Auf die Frage, wie sich die Branche bisher geschlagen habe, antworten 16 Prozent mit „sehr gut“, 55 Prozent mit „gut“ und 24 Prozent geben ein „befriedigend“ an.

 Studie „Digitale Versicherung 2020“ (Bild: Adcubum)
 Studie „Digitale Versicherung 2020“ (Bild: Adcubum)

Allerdings meinen 47 Prozent, dass ihr Unternehmen in der Pandemie nur zwischen 100 und 75 Prozent des Normalbetriebs bringe. 23 Prozent der Teilnehmer sprechen sogar von 75 bis 50 Prozent.

Als wichtigsten Grund für die Hürden nennen die Teilnehmer, dass „zu viele kundenbezogene und interne Prozesse immer noch papiergebunden“ seien. Aber es scheint auch an der technischen Ausstattung zu hapern: Insgesamt 43 Prozent sprechen fehlende, technische Möglichkeiten für die Kommunikation mit den Kunden an.

Und 37 Prozent nennt „keine voll arbeitsfähigen Laptops“, die Mitarbeiter zur Heimarbeit mit nach Hause nehmen könnten.

Für 35 Prozent: Premiere im Homeoffice

Trotz dieser technischen Mängel meinen 70 Prozent, dass sie „eher für ein digitales Unternehmen“ arbeiten, während 22 Prozent ihren Arbeitgeber „eher analog“ einordnen. 57 Prozent sehen ihre Firma positioniert wie den Branchen-Durchschnitt.

Während des Corona-Lockdowns waren 81 Prozent der Beschäftigten in der Versicherungsbranche zumindest zeitweise im Homeoffice. Für 35 Prozent der Mitarbeiter war die Arbeit in den eigenen vier Wänden eine Premiere, 46 Prozent kannten die Situation bereits, weil sie schon vor Corona gelegentlich von zu Hause tätig waren.

Als Folge der neuen Arbeitswelt während des Lockdowns haben sich in den Unternehmen „bereits einige grundlegende Veränderungen verfestigt.“ Zu diesem Ergebnis kommt die KPMG AG Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft. Eine dieser Veränderungen ist laut der Berater das „Remote Work“, dem Arbeiten von wo es den Mitarbeitern beliebt (VersicherungsJournal 31.8.2020).

Das Beratungsnetzwerk von Ernst & Young hat dagegen für Versicherer zwei Handlungsfelder für die Zeit nach der Coronakrise identifiziert, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden könnten. Dazu gehören Ausbau der digitalen Schadenbearbeitung und Vertriebsservices sowie flexiblere Arbeitsbedingungen für die Belegschaften (14.8.2020).

Nicht jeder Mitarbeiter kann zu Hause arbeiten

Laut Adcubum-Studie ist aber nicht Jeder für die Heimarbeit geboren: 42 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice räumen ein, in den eigenen vier Wänden nicht mehr als 75 Prozent der sonst üblichen Produktivität zu erreichen. Gut jeder Fünfte der Befragten kommt nach eigener Einschätzung sogar nur auf maximal 50 Prozent.

  • Als wichtigste Gründe für diese Aussagen nennen die Umfrage-Teilnehmer folgende Aspekte: Fehlender Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten,
  • zu viele Prozessschritte mit physischen Dokumenten sowie
  • Probleme beim Zugriff auf wichtige Unterlagen.

Auf die Frage: „Möchten Sie auch über die Corona-Krise hinaus im Homeoffice arbeiten?“ antworteten 43 Prozent mit „ja, und zwar so viele Tage wie möglich“. Knapp ein Drittel möchte maximal die Hälfte der Arbeitszeit in den eigenen vier Wänden verbringen. Sieben Prozent lehnen diese Option komplett ab.

Die Mehrheit der Befragten mit 86 Prozent hat das Gefühl, dass die Pandemie bei ihrem Arbeitgeber einen weiteren Digitalisierungsschub auslösen wird.

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Coronavirus · Digitalisierung · Maklerpool · Marktforschung · Mitarbeiter
 
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