Berufsunfähigkeits-Versicherung wird deutlich teurer

17.9.2021 – Die Berufsunfähigkeits-Versicherung wird ab 2022 spürbar teurer werden. Dafür sorgen der abgesenkte Rechnungszins und ein höheres Schadenrisiko. Daher sollten sich Kunden möglichst noch in diesem Jahr um ihren privaten Berufsunfähigkeits-Schutz kümmern, hieß es am Donnerstag auf einer Fachtagung.

Risikoschutz wird in der Lebensversicherung wohl deutlich teurer. Grund ist, dass mehr Frauen aufgrund psychischer Leiden berufsunfähig werden. Gleichzeitig kommt es zum 1. Januar 2022 zu einer Absenkung des Kalkulationszinses (VersicherungsJournal 2.6.2021).

Die Assekuranzen dürften die Rücklagen für künftige Schadenfälle nur noch mit 0,25 Prozent verzinsen. Bisher waren es 0,9 Prozent gewesen. Daher sind für die gleichen Rücklagen höhere Beiträge der Kunden notwendig.

Steigerungen von bis zu zehn Prozent

Nach Erkenntnis der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) müsste rein kalkulatorisch allein aus der Zinsabsenkung die Bruttoprämie in der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung für eine 20-jährige Person um bis zu 10,5 Prozent steigen, wenn der Schutz bis zum 67. Lebensjahr läuft – also bis zum Eintritt in die gesetzliche Rente.

Der Anstieg wird sich auch auf die Nettoprämie auswirken. In welcher Höhe, wird wohl vom Bestand des Versicherers und vom Wettbewerb gesteuert.

Der Preisdruck wirkt im gleichen Umfang auch auf Grundfähigkeitstarife, die derzeit oft alternativ Kunden angeboten werden, die wegen Vorerkrankungen keinen oder nur sehr teuren BU-Schutz erhalten. Für die Risiko-Lebensversicherung bedeutet der abgesenkte Zins eine Verteuerung um bis zu 9,5 Prozent und für die Erwerbsunfähigkeits-Versicherung um bis zu neun Prozent.

Frauen öfter seelisch krank

Guido Bader (Bild: Schmidt-Kasparek)
Guido Bader (Archivbild: Schmidt-Kasparek)

Die einzelnen Versicherer sind aber in ihrer Preispolitik frei. Sie können individuell kalkulieren. Besonders betroffen dürfte jedoch der Berufsunfähigkeits-Schutz sein. Nur diese Versicherung schützt Berufstätige bei jeder Krankheit. Auch wer aus psychischen Gründen nicht mehr arbeiten kann, erhält dann eine Rente.

Bei Frauen bis zum 40. Lebensjahr ist laut DAV das Risiko, aus seelischem Leiden berufsunfähig zu werden, seit 1997 um rund 30 Prozent gestiegen. „Und eine Rückkehr in den Beruf ist bei psychischen Erkrankungen meist nicht mehr möglich“, sagte Dr. Guido Bader, Vorstandsmitglied der DAV und Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Lebensversicherung a.G., am Donnerstag auf der Handelsblatt Jahrestagung „Strategiemeeting Lebensversicherung“.

Zudem gäbe es eine große Unsicherheit, wie sich der Anteil an psychischen Erkrankungen in Zukunft entwickelt. „Daher haben wir in der Berufsunfähigkeits-Versicherung noch einen Sicherheitszuschlag einkalkuliert“, so Bader.

Ab Alter 40 seltener berufsunfähig

Gleichzeitig stellen die Mathematiker fest, dass Frauen und Männer ab 40 Jahren deutlich seltener berufsunfähig werden. Bei Frauen beträgt der Rückgang rund 36 Prozent und bei Männern sogar 45 Prozent.

Grund ist, dass Erkrankungen des Bewegungsapparats wie Rücken- oder Knieprobleme sowie Herz- und Kreislauferkrankungen deutlich seltener auftreten. „Ob das am Sport oder an einer gesünderen Ernährung liegt“, wissen wir nicht“, sagte Bader.

Volker Priebe (Screenshot: Schmidt-Kasparek)
Volker Priebe (Screenshot: Schmidt-Kasparek)

Wie die einzelnen Lebensversicherer ab 2022 auf die neuen Daten reagieren, ist noch unklar. Bader: „In der Summe ist aber mit einem Anstieg der Prämien für die Berufsunfähigkeits-Versicherung zu rechnen“.

Das gilt gleichermaßen für Frauen und Männer, denn seit 2013 es gibt nur Uni-Sex-Tarife (19.6.2012). Laut Dr. Volker Priebe, Mitglied des Vorstands der Allianz Lebensversicherungs-AG, fließen in die neue Kalkulation auch die Daten aus dem eigenen Kundenbestand ein.

Nur Neugeschäft betroffen

Priebe bestätigte, dass es bei der Allianz 2022 beim Berufsunfähigkeits-Schutz Veränderungen geben wird.

„Die neuen Rechnungsgrundlagen gelten grundsätzlich nur für Neuabschlüsse, der Bestand bleibt davon unberührt“, erklärte der DAV-Vorsitzende und Vorsitzende der Vorstände der Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G., Dr. Herbert Schneidemann, auf Anfrage.

Allianzvorstand Priebe verwies darauf, dass für Kunden eine frühe Absicherung mit noch guter Gesundheit sinnvoll ist. Die Risikoprüfung wird dann meist ohne Zuschläge oder Ausschlüsse gemeistert. „Daher ist das sicher eine Ermutigung, sich jetzt nochmal um die Berufsunfähigkeit zu kümmern“, so Priebe.

Staat soll Rahmenbedingungen organisieren

Eine Absage erteilten die Experten Vorschlägen, die private Altersvorsorge staatlich zu organisieren. Der Staat sollte Rahmenbedingungen organisieren und nur eingreifen, wenn der Markt versagt.

Frank Breiting (Screenshot: Schmidt-Kasparek)
Frank Breiting (Screenshot: Schmidt-Kasparek)

„Das war bei Covid-19 so, als der Staat die massenweise Maskenversorgung sicherstellte. Wir brauchen aber keinen neuen Fonds. Es gibt tausende von Fonds. Der Kunde hat die Auswahl“, sagte Frank Breiting Managing Director, Leiter Vertrieb IFA, Versicherung & Altersvorsorge Deutschland bei der DWS International GmbH.

Europa-Rente Pepp mit staatlicher Förderung?

Laut Priebe wäre es viel zu spät, wenn ein staatliches Konzept aufgebaut wird, bei dem die erste Rente erst 2090 fließt. Es müssten jetzige Lösungen aufgegriffen werden. Beim Staat würde immer die Frage gestellt, ob er überhaupt ein guter Kapitalanleger sei und nicht die Gefahr bestehe, dass später die Mittel nicht für die Altersvorsorge verwendet würden.

Demgegenüber könnte beispielsweise die Allianz über die Beteiligung an Infrastrukturprojekten den Kunden eine besondere Rendite bieten. „Die kommt dann nicht aus dem Risikozuschlag volatiler Aktienmärkte“, erläuterte Priebe.

Während DWS-Mann Breiting der Europa-Rente Pepp (Pan-European Personal Pension; 24.3.2021, 17.8.2020, 30.6.2017) keine Chancen in Deutschland einräumt, könnte sich Experte Priebe mit dem Angebot anfreunden. „Das gilt, wenn es einen Rahmen für eine staatliche Förderung gibt“, so der Allianz-Vorstand.

 
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