Bedenken gegen die Rentenerhöhung

8.8.2018 – Das im Juli von Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil vorgestellte Reformpaket umfasst unter anderem eine Verbesserung für Erwerbsminderungsrentner. Diese schießt nach Ansicht von Arbeitgebern über das Ziel hinaus, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der Finanzmathematiker Werner Siepe befürchtet „unerwünschte Rentenstrategien“.

WERBUNG

Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) hatte Mitte Juli sein erstes Rentenreformpaket vorgestellt, in dem die im Koalitionsvertrag vereinbarten Reformvorhaben eins zu eins umgesetzt werden (VersicherungsJournal 16.7.2018).

Hubertus Heil (Bild: BMAS, Susi Knoll)
Hubertus Heil (Bild: BMAS, Susi Knoll)

Dazu gehört auch eine Verbesserung der Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) für Versicherte, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden müssen.

Dieser gut 1,8 Millionen Menschen umfassende Personenkreis ist einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt. Die durchschnittliche monatliche Leistung der vollen EM-Rente liegt bei 776 Euro. Mehr als zehn Prozent der Bezieher erhalten ergänzend Grundsicherung (VersicherungsJournal 20.3.2018).

Höhere Zurechnungszeit bringt mehr Rente

In dem Gesetzentwurf ist vorgesehen, die Zurechnungszeit von bisher 62 Jahren und drei Monaten bei Rentenbeginn im Jahr 2019 auf 65 Jahre und acht Monate zu erhöhen. Dadurch werden die Antragsteller ab Januar so gestellt, als hätten sie bis zum regulären Rentenbeginn gearbeitet.

„Doch die Deutsche Rentenversicherung, Arbeitgeber und Rentenfachleute melden Bedenken an. Nach ihrer Einschätzung könnten Erwerbsgeminderte nach einem frühen Abschied aus dem Berufsleben trotz Abschlägen künftig besser dastehen als Arbeitnehmer, die im gleichen Alter in Altersrente gehen.“ Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrer heutigen Ausgabe.

Dieses Bevorzugen der Frührentner schieße nach Auffassung der Arbeitgeber über das Ziel hinaus. Die Deutsche Rentenversicherung erwarte im kommenden Jahr wegen der Pläne der Koalition einen deutlichen Anstieg der Rentenanträge von Versicherten mit gesundheitlichen Problemen über 60 Jahre. Schon jetzt könnten sich die von der Rentenversicherung beauftragten Vertrauensärzte vor Zusatzarbeit nicht retten, werde berichtet.

Eine sprunghafte Erhöhung der Erwerbsminderungsrenten bei Rentenbeginn ab 2019 […] führt aber zu unerwünschten Rentenstrategien.

Finanzmathematiker Werner Siepe

WERBUNG
Kennen Sie Ihren Marktwert?
Mit einem Stellengesuch in unserem Anzeigenmarkt finden Sie ihn heraus.
Kostenlos und unter Chiffre...

Durchschnittsverdiener erhält 98 Euro mehr

Die Zeitung zitiert den Finanzmathematiker Werner Siepe: „Eine sprunghafte Erhöhung der Erwerbsminderungsrenten bei Rentenbeginn ab 2019 mag sozialpolitisch erwünscht sein. Sie führt aber zu unerwünschten Rentenstrategien. Jedem Erwerbsgeminderten kann man aus rein finanzieller Sicht nur raten, den geplanten Antrag auf Erwerbsminderung auf 2019 zu verschieben.“

Ein Durchschnittsverdiener erhalte bei Beginn 2019 auf einen Schlag 98 Euro mehr Monatsrente, zitiert die FAZ den Mathematiker.

Arbeitgeber rechnen mit zehn Prozent Vorteil für Frührentner

Die Arbeitgeber hätten in ihrer Stellungnahme Heil aufgefordert, die abermalige Verlängerung der Zurechnungszeit zu unterlassen. Die erst vor einem Jahr beschlossene schrittweise Anhebung von 62 auf 65 Jahre über einen Zeitraum von sieben Jahren begrenze die Ungleichbehandlung auf sehr geringe Unterschiede in der Rentenhöhe.

Das sei jetzt anders. Ein Versicherter, der 2019 mit 64 Jahren und zwei Monaten in Erwerbsminderungsrente gehe, erhalte rund zehn Prozent mehr als ein vergleichbarer Versicherter, der eine vorzeitige Altersrente bezieht.

Den Gesetzentwurf wolle das Kabinett am 22. August beschließen, berichtet die FAZ.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Erwerbsminderung · Gesundheitsreform · Rente · Rentenreform · Sozialhilfe
 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie gewinnen Sie Ihre Neukunden?

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Mit vielen Problemen wollen sich Verbraucher nicht beschäftigen.

In Vortragsveranstaltungen bringen Sie sie dazu, ein Thema zu ihrer eigenen Sache zu machen.

Interessiert? Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
12.10.2016 – Der Versuch einer Zwischenbilanz: Der Renten-Dialog zwischen Regierung sowie Verbänden und Institutionen steht kurz vor dem Ende. Dann liegt es an Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD), ein Reformpaket vorzulegen. (Bild: Brüss) mehr ...
 
20.3.2018 – Die Grünen sehen eine Schieflage bei den Erwerbsminderungsrenten. Die Rentenabschläge von durchschnittlich 88 Euro im Monat seien systemwidrig, hielt die Partei anlässlich einer Kleinen Anfrage der Bundesregierung vor. (Bild: Stefan Kaminski) mehr ...
 
27.6.2017 – Zwei Studien befassen sich aktuell mit dem Thema Altersarmut und gehen unterschiedlich mit den jeweiligen Ergebnissen um. Warum künftigen Rentnern zum einen eine positive, zu anderen aber eine negative Rentenzeit prognostiziert wird. (Bild: Bertelsmann) mehr ...
 
5.5.2017 – Die Verabschiedung des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes (BRSG) stand zwar auf der vorläufigen Tagesordnung für den 18. Mai, wurde jetzt aber wieder abgesetzt. mehr ...
 
15.2.2017 – Die Altersvorsorge rückt heute wieder in den Blickpunkt: Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) arbeitet weitere Reformvorhaben ab und die neue Präsidentin der Rentenversicherung, Gudula Roßbach, wird sich im Bundestag zur aktuellen Finanzlage äußern. mehr ...
WERBUNG