42 Versicherungsgruppen werden „gestresst“

15.5.2018 – Zinsentwicklung und Naturkatastrophen dominieren einen neuen Stresstest, durch den die europäischen Aufsichtsbehörden 42 Gruppen, fünf davon aus Deutschland, schicken. Erstmals werden auch Cybergefahren thematisiert. Die Ergebnisse sollen Anfang 2019 vorliegen.

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Es wird wieder getestet: 42 Versicherungsgruppen aus zwölf Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums hat die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) zusammen mit den nationalen Aufsichtsbehörden für den am Montag gestarteten Stresstest ausgesucht.

Gemessen an den Vermögenswerten gemäß Solvency-II-Berechnung, decken die ausgewählten Gruppen laut Eiopa 78 Prozent des europäischen Marktes ab. Die größten „Kontingente“ steuern Frankreich und Großbritannien mit jeweils neun Versicherungsgruppen bei.

Gabriel Bernadino (Bild: Martin Joppen)
Gabriel Bernadino (Bild: Martin Joppen)

Aus Deutschland nehmen fünf Gruppen teil: die Allianz SE, die Munich Re, der HDI V.a.G., die R+V Versicherung AG und die Huk-Coburg Versicherungsgruppe.

Drei Stress-Szenarien

Der Eiopa-Vorsitzende Gabriel Bernardino verspricht sich von dem inzwischen vierten europäischen Versichererstresstest „weitere wertvolle Einblicke“ in die Widerstandsfähigkeit des Sektors.

Die Szenarien, durch die die Aufseher die Versicherer schicken, „reflektieren ernste, aber plausible externe, einschließlich Versicherungs-spezifischer, Schocks“, erklärt er hierzu.

Szenario eins behandelt einen plötzlichen und scharfen Anstieg der Zinskurve. Das zweite Szenario dreht sich um einen alten Bekannten: ein lang anhaltendes Umfeld extrem niedriger Zinsen. Drittens geht es, vor dem Hintergrund möglicher Folgen des Klimawandels, um Naturkatastrophen.

Neu: das Cyberrisiko

Erstmals fließen auch Cyberrisiken in die Betrachtung ein, konkret werden die Exponiertheit beleuchtet und die besten Methoden („best practice“) im Umgang mit dieser Risikoart mittels Fragebogens erhoben.

Cyberangriffe und -zwischenfälle nähmen rasch zu, „und das Cyberrisiko kann heute als eines der wichtigsten operationellen Risiken betrachtet werden“, begründet die Eiopa diesen Schritt.

Schwachstellenanalyse und Risikosensibilisierung

Es handelt sich bei dem Test aber um keine „Bestanden/nicht-bestanden“-Prüfung, wie es von der Eiopa heißt. Vielmehr hat man die folgenden drei Ziele vor Augen. So soll die Übung dazu dienen, Schwachstellen des Versicherungssektors im Hinblick auf widrige Szenarien mit potenziellen Auswirkungen auf die europäischen Finanzmärkte und die Realwirtschaft einzuschätzen.

Auch soll der Test die Sensibilisierung für mögliche Bedrohungen, die vom Versicherungssektor für die Finanzstabilität auf europäischer Ebene ausgehen, unterstützen.

Mehr Transparenz

Nicht zuletzt will die Aufsicht ein Mehr an Transparenz erreichen. Die Teilnehmer sind aufgefordert, individuelle Ergebnisse nach einem vorgegebenen Muster freiwillig auf ihren Websites zu veröffentlichen.

Größere Transparenz sei entscheidend, um gleiche Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen, kommentiert Bernardino. Sie solle sich auch positiv auf die Verlässlichkeit der Analysen und Schlussfolgerungen sowie die Qualität von Daten und Resultaten auswirken.

Die „Gestressten“ müssen ihre Berichte bis 16. August bei den nationalen Aufsichtsbehörden einreichen. Vorliegen sollen die Ergebnisse im Januar 2019. Wer sich für weitere Details interessiert, wird auf der Webseite der Eiopa zum Stresstest 2018 fündig.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersversorgung · Betriebliche Altersversorgung · Elementarschaden · Steuern · Unwetter
 
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