2019: Deutlich höhere Pflegebeiträge auch für Privatversicherte

25.6.2018 – Fürs nächste Jahr ist eine Beitragssteigerung um bis zu 0,5 Prozentunkte bei der gesetzlichen Pflegeversicherung im Gespräch. Auf die Folgen für die Privatversicherten verwies der PKV-Verband auf seiner Jahrestagung. Er will generell mehr zur Verstetigung der PKV-Beiträge tun. Doch Politik und Aufsicht winken noch ab.

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„Die reale Entwicklung der deutschen Pflegeversicherung seit ihrer Einführung 1995 zeigt nach mehr als 20 Jahren sehr eindrucksvoll, dass die Kapitaldeckung dem Umlageverfahren überlegen ist“, sagte Uwe Laue vergangenen Donnerstag in Berlin. Der Vorstandschef des Verbands der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) hatte zu einem Pflege-Fachgespräch während der Jahrestagung des Verbandes geladen (VersicherungsJournal 22.6.2018).

„Anfangs waren die Beiträge in der Pflege-Pflichtversicherung der PKV höher als bei den gesetzlich Versicherten, weil ja zusätzlich zur Finanzierung der akuten Pflegefälle ein Beitragsanteil zum Aufbau der Alterungsrückstellungen hinzukam“, ergänzte Laue.

„Doch dann haben diese Rückstellungen mit Zins und Zinseszins dazu geführt, dass die Beiträge in der privaten Pflegepflichtversicherung – bei identischen Leistungen – weniger stark steigen mussten.“ Und seit 2012 seien sie im Schnitt sogar niedriger als in der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Privat Versicherte günstiger pflegepflichtversichert

Der Verband nannte dazu konkrete Zahlen. Beim Start der Pflegepflichtversicherung 1995 kostete sie für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Schnitt pro Kopf 14 Euro im Monat und bei der PKV 29 Euro – eben wegen der zusätzlichen Ansparsumme für die Alterungsrückstellungen.

Beitragsentwicklung (Bild: PKV-Verband)
* geschätzt: Beitragseinnahmen/ bereinigte Versichertenzahl (kalkulierter
Beihilfefaktor 0,3); SPV-Werte (soziale Pflegeversicherung) für 2016 und 2017 geschätzt (Bild: PKV-Verband)

Heute lägen die Beiträge im Schnitt bei 40 Euro bei den Gesetzlichen und bei 37 Euro bei den Privaten. „Das sind im Schnitt acht Euro Anstieg bei uns, der übrigens einzig und allein auf die vom Gesetzgeber stark ausgeweiteten Leistungen der Pflegeversicherung zurückgeht“, sagte Laue. Und es seien 26 Euro Beitragsanstieg bei den Gesetzlichen – für diese Mehrleistungen, aber eben auch massiv durch die Alterung der Gesellschaft verursacht.

Die Alterungsrückstellungen der PKV (Kranken und Pflegeversicherung) haben nach Angaben des PKV-Verbandes die Marke von 250 Milliarden Euro überstiegen (VersicherungsJournal 22.6.2018). Damit seien Privatversicherte gut auf den demografischen Wandel vorbereitet.

„Pflege-Bahr jungen Leuten schmackhaft machen“

Die Pflegeversicherung sei 1995 vom Gesetzgeber bewusst nur als Teilkasko-Versicherung gestaltet worden, so ergänzte PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach. Aktuell jedoch tauche in der sozialpolitischen Debatte die Forderung nach einer Vollkasko-Pflegeversicherung wieder auf. „Die aber wäre ohne noch größere Belastungen für die jüngeren Generationen und für den Wirtschaftsstandort nicht zu haben“, sagte Leienbach.

Ziel müsste es sein, möglichst jeden Berufsanfänger für eine preiswerte Zusatzvorsorge zu gewinnen. Der staatliche Zuschuss zur geförderten privaten Zusatzversicherung („Pflege-Bahr“) sei da ein guter erster Schritt. Bis Ende 2017 gab es laut Verband 830.000 solcher Verträge im Bestand (plus 7,3 Prozent gegenüber 2016). Insgesamt seien 3,6 Millionen Pflegezusatzpolicen in der PKV unter Vertrag.

Volker Leienbach (li.) und Uwe Laue (Bild: Pohl)
Volker Leienbach (li.) und Uwe Laue (Bild: Pohl)

Entlastungen in der PKV gefordert

Kritik äußerte der PKV-Verband an mehreren Stellen gegenüber der Großen Koalition. Wenn der Anspruch erhoben werde, die Lage der Beitragszahler zu verbessern, zum Beispiel durch die Rückkehr zur Beitragsparität in der GKV und durch niedrigere Beiträge für gesetzlich versicherte Selbstständige, dann bestehe auch die Pflicht, etwas zur Entlastung der Privatversicherten zu tun, so Laue.

Konkret sind damit insbesondere Vorschläge der PKV zugunsten der Kunden gemeint, die auf eine Reform zur Verstetigung der Beitragsentwicklung in der PKV abzielen (VersicherungsJournal 27.3.2018). Nach den geltenden Regeln kann es nach Jahren der Stabilität dann zu umso größeren Beitragssprüngen kommen. Grund sei, dass Sterblichkeit und Leistungsausgaben als „auslösende Faktoren“ diese Preissprünge verursachen.

Würde zusätzlich der Zins als auslösender Faktor zugelassen, ließen sich eher kleinere Beitragsanpassungen durchsetzen, was für Kunden auch psychologisch günstiger sei, so Laue. „Unser Vorschlag, dies abzuändern, wird auch von Verbraucherschützern unterstützt, findet aber in den zuständigen Ministerien und bei der Aufsicht bisher kein Gehör“, bedauert Leienbach.

20 Prozent teurere Pflege-Pflichtversicherung ab 2019?

Demnächst müssen sich privat Krankenversicherte beim Thema Pflege wohl auf höhere Beiträge einstellen. Einen Anstieg von etwa zehn bis 20 Euro monatlich hält der Verband ab 2019 für denkbar. Allerdings seien gesicherte Aussagen für Beamte noch nicht möglich. „Wir rechnen noch, aber für die Selbstständigen und Angestellten unter unseren Versicherten wird es zu Beitragsanhebungen zwischen 20 und 30 Prozent kommen“, betonte Laue.

Einen Grund dafür sieht der Verbandspräsident dabei in den Pflegereformen der vergangenen Legislaturperiode und den dadurch deutlich steigenden Pflegeausgaben. Sie treffen die privaten Versicherungen genauso wie die Krankenkassen, da der Leistungskatalog bei der Pflege, anders als in der Krankenversicherung, vollkommen identisch ist. Fürs nächste Jahr ist eine Beitragssteigerung um bis zu 0,5 Prozentunkte bei der gesetzlichen Pflegeversicherung im Gespräch (VersicherungsJournal 8.6.2018, 14.6.2018).

Bereits auf der Jahrestagung 2017 des PKV-Verbandes war die Finanzierung von Gesundheit und Pflege thematisiert worden (VersicherungsJournal 19.6.2017). Zudem ging es seinerzeit um die Auseinandersetzung mit dem Modell der Bürgerversicherung (VersicherungsJournal 24.6.2017).

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