So viel verdienen Azubis in der Versicherungsbranche

9.1.2018 – Kaufleute für Versicherungen und Finanzen erhalten nach aktuellen Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (Stand: 1. Oktober 2017) über die gesamte Ausbildung eine durchschnittliche Bruttovergütung von unverändert 1.028 Euro pro Monat. Dies bedeutet einen Platz im oberen Viertel der Rangliste der bestbezahlten Ausbildungen in den alten Bundesländern – in den neuen Bundesländern sogar eine Top-Platzierung.

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Ein Auszubildender hat im vergangenen Jahr (Stand 1. Oktober) im Bundesdurchschnitt 867 Euro brutto pro Monat verdient – 2,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dies geht aus der aktuellen Auswertung der tariflichen Ausbildungsvergütung hervor, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) jedes Jahr Anfang Januar veröffentlicht.

Für die Untersuchung werden die durchschnittlichen Vergütungen für 181 Berufe in den alten und 152 Berufe in den neuen Bundesländern herangezogen. Das entspricht einem Anteil von fast 90 Prozent (West) beziehungsweise 80 Prozent (Ost) der Azubis insgesamt.

In den alten Ländern betrug der Zuwachs 2,6 Prozent auf im Schnitt 881 Euro, in Ostdeutschland 2,5 Prozent auf durchschnittlich 827 Euro. Das Vergütungsniveau Ost lag damit unverändert bei 94 Prozent des Westniveaus.

Bundesweit auf Rang 35

Azubis zu Kaufleuten für Versicherungen und Finanzen verdienen vergleichsweise gut. Sie liegen der BIBB-Auswertung zufolge deutlich über dem Bundesdurchschnitt der aufgeführten Berufsbilder. Die Assekuranz bezahlt ihren Lehrlingen im Schnitt über alle drei Ausbildungsjahre 1.028 Euro brutto pro Monat. Damit liegen die Versicherungs-Azubis auf Position 35 von 152 der Rangliste.

Die höchste Vergütung bekommen mit durchschnittlich 1.104 Euro Stuckateure. Knapp dahinter folgen (Stahl-) Betonbauer, Zimmerer sowie Maurer und Fliesen-, Platten- und Mosaikleger. In diesen Ausbildungsberufen gibt es im bundesweiten Schnitt über alle drei Lehrjahre Vergütungen zwischen 1.097 und 1.095 Euro.

Am Ende der bundesweiten Rangliste finden sich Schornsteinfeger wieder, bei denen die Ausbildungsvergütung über alle drei Lehrjahre durchschnittlich bei 518 Euro liegt. Die 600-Euro-Marke wird ansonsten nur noch in den Berufsbildern Boden- beziehungsweise Parkettleger unterschritten. Vergleichsweise niedrige Durchschnittswerte werden auch für Schilder- und Lichtreklamehersteller (607 Euro), Floristen (617 Euro) oder Tierwirte (619 Euro) ausgewiesen.

Im Westen im oberen Viertel

Anders als in über zwei Drittel der aufgelisteten Berufsbilder gibt es in der Versicherungswirtschaft keinen Unterschied zwischen der Vergütung in den alten und den neuen Ländern. Im Westen belegen die Assekuranz-Azubis Platz 42 mit den bereits erwähnten 1.028 Euro. Dies entspricht der vierzehnthöchsten Vergütung in den alten Bundesländern.

An der Spitze liegen hier 14 Berufsbilder aus dem Baugewerbe mit im Schnitt über alle Ausbildungsjahre 1.110 Euro monatlicher Vergütung. Am niedrigsten entlohnt werden im Westen Azubis zum Schornsteinfeger (518 Euro) sowie Friseure (522 Euro).

Im Osten erhalten Versicherungs-Azubis die vierthöchste Vergütung

In den neuen Bundesländern befinden sich die angehenden Kaufleute für Versicherungen und Finanzen wie in den Vorjahren deutlich weiter oben in der Rangliste der Brutto-Ausbildungsvergütung. Die durchschnittlich 1.028 Euro Azubi-Lohn bedeuten die vierthöchste Vergütung im Osten und Position acht in der Rangliste.

An der Spitze in den neuen Bundesländern liegen unverändert die Binnenschiffer mit 1.072 Euro. Für insgesamt fünf Berufe weist die BIBB-Statistik Werte von unter 600 Euro aus. Abgeschlagen auf dem letzten Rang landeten hier Fleischer mit 383 Euro. Auch Auszubildende zu Schornsteinfegern (518 Euro), Floristen (587 Euro) sowie Parkett- beziehungsweisen Bodenlegern (588 Euro) werden vergleichsweise niedrig entlohnt.

Assekuranz-Azubis fallen…

Im Vergleich zum Vorjahr schneiden die Versicherungs-Azubi hinsichtlich der Vergütung etwas schlechter ab. Zum Jahresbeginn 2017 belegten sie noch Platz neun der bestbezahltesten Lehrlinge Deutschlands. Das war eine Top-40-Platzierung im Westen sowie Rang zwei im Osten (VersicherungsJournal 10.1.2017).

Das ist auf die langwierigen Tarifverhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverband der Versicherungs-Unternehmen in Deutschland e.V. (AGV) sowie den Gewerkschaften Vereinte Dienstleistungs-Gewerkschaft (Verdi), DHV – Die Berufsgewerkschaft e.V. und Deutscher Bankangestellten-Verband e.V. (DBV) – Gewerkschaft der Finanzdienstleister zurückzuführen.

So dauerten die Gespräche für die Innendienstangestellten vom Frühjahr (VersicherungsJournal 30.3.2017) bis in den Spätsommer (VersicherungsJournal 30.8.2017) – inklusive mehrerer Streikwellen (VersicherungsJournal 24.5.2017, 20.6.2017, 11.7.2017). Für den Außendienst verging sogar fast ein ganzes Jahr zwischen dem Auftakt und der letztendlichen Einigung (VersicherungsJournal 2.2.2017, 30.11.2017).

Dadurch flossen die Erhöhungen der Azubi-Vergütungen (plus jeweils 22 Euro auf 950 Euro im ersten, 1.025 Euro im zweiten und 1.109 Euro im dritten Lehrjahr) nicht in die BIBB-Auswertung ein. Denn diese gelten erst seit dem 1. November und der Stichtag für die amtliche Statistik war der 1. Oktober.

…hinter Auszubildende zu Bankkaufleuten zurück

Für die Bankkaufleute wird eine Durchschnittsvergütung von 1.032 (2016: 1.019) Euro ausgewiesen. Das liegt unter anderem an einer Lohnerhöhung bei den Sparkassen-Azubis zum 1. Februar 2017 (um jeweils 30 Euro auf 968,20 Euro, 1.014,02 Euro beziehungsweise 1.077,59 Euro in den Lehrjahren eins bis drei).

Bild: Wichert
Bild: Wichert

Dadurch liegen die Bank-Lehrlinge nun in der BIBB-Statistik knapp (um vier Euro) vor den Assekuranz-Auszubildenden. Zum Vergleich: Azubis zu Sozialversicherungs-Fachangestellten erhalten mit im Schnitt über alle Ausbildungsjahre 945 Euro eine deutlich niedrigere Vergütung.

Je nach Berufsverband abweichende Vergütungen

Bei der Interpretation der berufsspezifischen Durchschnittswerte muss laut BIBB Folgendes beachtet werden: „Aufgrund der branchenspezifischen und regionalen Unterschiede existiert für den einzelnen Beruf in der Regel keine einheitliche Ausbildungsvergütung.

Im Rahmen der Datenbank Ausbildungsvergütungen werden auf Grundlage der unterschiedlichen Vereinbarungen aus rund 450 bedeutenden Tarifbereichen Deutschlands Vergütungsdurchschnitte pro Beruf ermittelt. Im individuellen Fall kann die tatsächlich gezahlte Vergütung erheblich vom tariflichen Durchschnittswert des betreffenden Berufs abweichen.“

Dies wird auch am Beispiel der Assekuranz deutlich, in der die Ausbildungsvergütung vom jeweiligen Berufsverband abhängig ist. So liegt der monatliche Azubi-Lohn für Mitglieder im Bundesverband der Assekuranz-Führungskräfte e.V. (VGA) bei 725 Euro im ersten, 811 Euro im zweiten und 892 Euro im dritten Lehrjahr. Bei den AGV-Mitgliedern liegt die Vergütung wie oben erwähnt derzeit zwischen 950 Euro im ersten und 1.109 Euro im dritten Lehrjahr.

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Ausbildung · Außendienst · Berufsverband · Sozialversicherung · Tarifvertrag
 
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